Wie ich es sehe.... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Seit zehn Tagen läuft die zweite Vorverkaufs-Phase der 2010er WM, die in unserem Land stattfindet. Ich bin mir sicher, dass dem Turnier zuschauermäßig ein großer Erfolg beschieden wird. Ob unser Team ähnlich gut abschneidet wie vor acht Jahren, als im Viertelfinale in Köln Endstation gegen Finnland war, wage ich allerdings zu bezweifeln. Damals spielte der sportliche Aufsteiger die Gastgeberrolle, im nächsten Jahr ist es der sportliche Absteiger, der diesen Part übernimmt. Über die Gründe des WM-Debakels wird nach wie vor heftig diskutiert, manchmal auch gestritten.
 
Lassen Sie mich, lieber Leser, noch einmal auf die von vielen Leuten (besonders von denen, die es sich recht einfach machen und die mit den Wölfen heulen) propagierte Reduzierung der Kontingentstellen zurückkommen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass unsere „Ausländerregelung“ längst nicht so schädlich für das deutsche Eishockey ist wie von diesen Leuten angenommen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Im Gegensatz zu den besten Nationen in Europa, als da sind Russland, Tschechien, Schweden, Finnland und die Schweiz ist Eishockey bei uns kein Volkssport. Wir können uns allenfalls mit der Slowakei vergleichen, die momentan international in allen Altersklassen genauso absäuft wie die Adlerträger. Vom Stellenwert her ist Eishockey sogar im Land der Eidgenossen viel höher angesiedelt als bei uns. Die Gazetten sind, im Gegensatz bei uns, voll von dieser Sportart. Bei uns dagegen brachte in der letzten Saison die Zeitung mit den vier Buchstaben, die angeblich keiner liest (aber jeder weiß, was drinsteht), in ihrer Sonntagsausgabe über viele Wochen nicht einmal die Tabelle. Will sagen: Wir messen uns mit Nationen, die wir leistungsmäßig nie einholen können. Ein übertriebener Vergleich: Dass beispielsweise Bobfahren auf den Fidschi (viele schreiben ja jetzt schon „Fiji“) Inseln zur internationalen Klasse aufsteigen würde, ist ebenfalls schlichtweg unmöglich.
 
Können Sie sich noch daran erinnern, lieber Fan, wie es in unserer DEL, die großmäulig mit 18 Vereinen und lediglich zwei Ausländern pro Team an den Start ging, aussah? Da gab es DEL-Cracks, die umfielen, wenn sie einen harten Pass bekamen. Mangels Masse kassierten auch Mitläufer durchaus ansehnliche Beträge. Und wenn ihnen die Forderungen verwehrt wurden, gingen sie zum nächsten Verein. Es gab ja keine (deutsche) Konkurrenz. Damals sagte der damalige und zwischenzeitlich schon verstorbene Nachwuchs-Bundestrainer Hans Rampf einmal sarkastisch und sicherlich übertrieben zu mir: „Ein Deutscher  l ä s s t  Sport treiben.“ Nach ein paar Jahren fielen die Verantwortlichen von einem Extrem ins andere. Es gab überhaupt keine Beschränkung mehr. Nein, nein, die „bösen Ausländer“ haben keine Schuld an unserem Dilemma. Die momentane Regelung, die eventuell die Reduzierung von einem oder zwei Kontingentspielern pro Team vertragen könnte, halte ich für ausgewogen.
 
Das größte Übel stellt in meinen Augen die vor vielen Jahren mit großem Hallo eingeführten Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) dar. Hier agieren Cracks des jüngsten Junioren-Jahrgangs sowie Jugendspieler. Mit anderen Worten: Die beiden ältesten Nachwuchs-Jahrgänge sind in der DNL nicht vertreten. Den Luxus, zwei Jahrgänge zu „schlabbern“, können wir Deutschen uns bei der „Vielzahl“ von Talenten offensichtlich erlauben. Bei den Experten herrschte damals die Meinung vor, dass ein 18-Jähriger es bis dahin geschafft haben muss, in der darauf folgenden Saison einen vollwertigen erwachsenen Cracks abzugeben. Die Geschichte hat das Gegenteil bewiesen. Spieler wie der Kölner Jerome Flaake oder der Krefelder Phlipp Riefers, die in der Lage waren, von der DNL direkt in das kalte DEL-Wasser zu springen, bilden rühmliche Ausnahmen. Schon damals machte sich ein hoher Funktionär mir gegenüber lustig über diese Liga. Ich möchte seinen Namen nicht nennen, weil man ja nie weiß, wie übel es ihm genommen wird.
 
Jetzt mögen viele einwenden, dass wir in unserer Republik ja eine Junioren-Bundesliga haben. Na klar, aber haben Sie schon einmal gesehen, wer da aufläuft? Das sind, bei allem gehörigen Respekt, den ich vor diesen Jungen habe, allenfalls Burschen, bei denen in der vierten Liga das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Der (Deutsche) Meister dieser in der Vorrunde geteilten Spielklasse hat nichts mit den Champions zu tun, die sich vor Einführung der DNL mit Meisterlorbeeren schmücken durften. Da gab es ab Januar eine Achterliga, in der 17- bis 20-Jährige spielten und die am Ende einen würdigen deutschen Meister ermittelten.
 
Ja, und warum wurde dieser Modus eigentlich geändert?

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