Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Endlich wieder ein Wechsel im Kaleidoskop der Vereinsnamen. Und erneut

sind es die Franken, die, je nach individueller Gemütslage Kopfschütteln,

Grinsen oder via vorauseilendem Gehorsam Zustimmung erheischen. Sorgte schon

die Bezeichnung mit dem Fabelnamen „Ice Tigers“ für weitgehendes

Unverständnis, so bietet der jetzige Name „Thomas Sabo Ice Tigers“

noch mehr Freiräume für hämische Kommentare. Ich, der ich schon älter bin, kann

mich ohnehin mit solchen Namensgebilden nicht anfreunden.

Wissen Sie noch, lieber Fan, wieviel Spott der damalige West-Berliner

Manager Boris Capla ertragen musste, als er mit dem Vereinsnamen

„Berliner SC Preussen“ regelrecht jonglierte, nachdem er mit dem

Experiment in Sachsen scheiterte? Kaum der Pleite der ESG Füchse Sachsen mit

den Spielorten Chemnitz und Weißwasser entronnen (nachher liefen die Cracks

unter „Füchse Weißwasser“ auf, bevor sie endgültig zweitklassig

wurden), begab sich Capla an die Umfirmierung der Charlottenburger. Der Klub

vom Eichkamp nannte sich nach Caplas Ankunft „Preussen Devils

Berlin“, um ein Jahr später zu den „Berlin Capitals“ zu

werden. Die weitere Geschichte ist bekannt: Nach einem kurzen Aufbäumen verschwanden

die West-Berliner aus der DEL. Sie waren weder „Kapitalisten“ noch

„Hauptstädter“, egal, wie man den Vereinsnamen deuten mochte.

Das Ganze erinnert mich allzu sehr an „Dr. Hillers

Pfefferminz“ oder an „Sebastian Kneipps Fußbad“. Oder auf

Eishockey bezogen, wären Bezeichnungen wie „Anschutz´

Hauptstadt-Bären“, „Hopps Rheinpfalz-Adler“ oder „Papes

schleichende Füchse“ bestimmt auch diskussionswürdig. „Erschwerend“

kommt bei den Franken dazu, dass erneut der Städtenamen Nürnberg nicht

auftaucht. Gleiches warfen Experten seinerzeit den damaligen Revier Löwen vor.

Die Verantwortlichen erkannten zwar noch die Zeichen der Zeit und nahmen den

Städtenamen Oberhausen in ihre Firmierung auf. Doch auch diese Umbenennung

konnte das Aus des Klubs nicht verhindern.

Ich kann mich noch gut an die Kölner Fans erinnern, die Einkaufstaschen

mit der Aufschrift einer bekannten Supermarktkette in den Händen hielten, als

ihre Erzrivalen aus Düsseldorf zum ersten Mal als Metro Stars in der Kölnarena

aufliefen. Immerhin existiert der „Firmenname“ der Rheinländer

schon eine ganze Reihe von Jahren, was zumindest für die Kontinuität spricht.

Dass die Fans trotzdem weiterhin lediglich von der „DEG“ sprechen

und ihre Songs auch nicht auf den „Firmennamen“ münzen, ist

bezeichnend.

Sonderbare Anlehnungen an Geldgeber gab es schon immer, angefangen beim

Fußball mit der legendären Jägermeister-Story in Braunschweig in den sechziger

Jahren. Keine zehn Jahre später hatte der damalige Duisburger SC als

Hauptsponsor eine bekannte niederrheinische Altbierbrauerei gewonnen. Das

Vereinswappen zierte fortan ein springender Hirsch, das sehr an das gleiche

Wappentier des Bierherstellers erinnerte. Sie glauben gar nicht, wie viele Altbierfreunde,

die sich vorher vor diesem Gebräu gruselten, es auf einmal im Umfeld des

Vereins gab. Ich kannte ein schon in die Jahre gekommenes Vorstandsmitglied,

das sich nicht entblödete und als alter Pilstrinker auf Alt umschwenkte, nur

weil die beschriebene Wappenänderung vorgenommen wurde.

Und jetzt warten wir auf irgendwelche Fansongs aus der Noris, die sich

auf „Thomas Sabo“ reimen! Zeit genug haben die Komponisten ja.

Vom DEB scheinen die Weichen auf eine Weiterbeschäftigung von

Bundestrainer Uwe Krupp gestellt worden zu sein. Wie sonst hätten die

Verantwortlichen eine Presseerklärung veröffentlicht, die sich fast schon

byzantinisch für den gebürtigen Kölner anlässlich seines Besuchs beim

VDEF-Verbandstag aussprach? Na, dann schau´n mer mal! 

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