Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die Meldung, dass Ex-Alpenvulkan Hans Zach zumindest für ein Jahr

aussetzt, trat angesichts der bevorstehenden Play-offs ein bisschen in den

Hintergrund. Dabei ist das deutsche Eishockey ohne den bald 60-Jährigen

gebürtigen Bad Tölzer kaum vorstellbar. Ich weiß noch genau, wie stolz der

Ex-Nationalstürmer war, als er sich, damals noch im beschaulichen Ratingen, als

erster Bandenchef im Eishockey Diplom-Trainer nennen durfte. Eine Stippvisite

in Bayreuth schloss sich an, bevor er mit der Düsseldorfer EG Anfang der

neunziger Jahre in der Bundesliga drei Meistertitel einheimste. „Was

verstehst du unter Erfolg?“ fragte er mich bei der WM 1990 in Bern, als

beim deutschen Team wegen der Krankheit Xaver Unsinns alles drunter und drüber

ging und Zach seine erste Rolle als Co-Kommentator (Günter-Peter Ploog:

„Hat der Zach einen Spitznamen, oder wie muss ich ihn anreden?“) beim

ZDF spielte. „Ist es Erfolg, wenn ich viele junge Burschen zu

Bundesligaspielern ausbilde? Oder zählen nur Titel als Erfolg?“ In der

DEL kam Hans Zach (noch) nicht zu Meisterehren. 

Über die Zwischenstationen Bern, Kassel und Düsseldorf war Hans Zach in

Kassel wieder langfristig tätig. Vier Jahre lang prägte er das Image der Nordhessen,

ebenfalls genauso lange war er in Köln, wo jeder die Meisterschaft auf der

Rechnung hatte, verantwortlich an der Bande. Pech für ihn, dass die Domstädter

gerade Meister unter Interimstrainer Rich Chernomaz wurden, Zach mit den

Rheinländern zwar ins Finale vorstieß, den Titel jedoch nicht erfolgreich

verteidigen konnte. In Hannover, wohin er vor drei Jahren wechselte, war bisher

bereits im Viertelfinale bzw. im letzten Jahr sogar schon in der Qualifikation

Schluss.

Vielmehr machte er auf internationaler Bühne von sich reden. Ich

erinnere mich noch gut an sein erstes Auftreten in Sloweniens Hauptstadt

Laibach, wo er mit seinem Team in die Qualifikation zur A-Gruppe musste, an

dieser jedoch scheiterte. Noch heute sehe ich ihn nach dem letzten Match

wutentbrannt und mit hochrotem Kopf in der Türe zum Presseraum stehen. Die

Pressekonferenz hatte bereits begonnen, und er fragte auf gut Bayrisch, ob es

denn normal sei, ohne den Trainer einer der beteiligten Mannschaften schon

anzufangen. Wir deutschen Pressevertreter trauten uns wegen

„Eruptionsgefahr“ nicht, ihm zu sagen, dass wir der Moderatorin,

die uns vorher fragte, die entsprechende Erlaubnis gaben. Doch nach dem

anschließenden schmählichen vierten Platz bei der B-WM ging es aufwärts mit den

Buben des engagierten Oberbayern. Erster bei der nächsten B-WM, Erreichen des

Viertelfinals als Aufsteiger sowie bei den beiden darauffolgenden A-Turnieren

(was keinem seiner Nachfolger bisher gelungen ist) waren die Höhepunkte in der

internationalen Karriere des Mannes, der längst nicht der ewig schreiende Coach

ist, wie er gern präsentiert wird.

Ich jedenfalls bin gespannt, was Hans Zach für den Rest der Saison noch

alles in petto hat. Für mich ist es durchaus vorstellbar, dass er alles

dransetzen wird, um noch einmal zu einem großen Wurf auszuholen.

Doch jetzt sollten wir uns erst einmal auf die Viertelfinalserien

freuen, bei denen das rheinische Derby Düsseldorf gegen Krefeld und gerade das Nordduell

Hannover mit Hans Zach an der Bande gegen Wolfsburg mit seinem Bad Tölzer

Landsmann Toni Krinner (was ja auch eine Neuauflage des Pokalendspieles ist)

von besonderer Pikanterie sind.

Und zum Schluss das leidige Thema Doping. Da wurden sicher bei uns

Eishockeymenschen Stimmen laut, die unsere Sportart beim „Fall

Hoffenheim“ gegenüber dem Fußball im Nachteil sahen. Doch allzu schnell

sollten wir hier nicht urteilen. Tatsache ist (so es sich denn in beschriebener

Form abgespielt hat), dass der Hoffenheimer Dopingbeauftragte Peter Geigle die

Benachrichtigung der Spieler vor lauter Torjubel schlicht vergessen habe. Ob es

sich hierbei um ein Bauernopfer handelte, wie böse Zungen behaupten, kann wohl

kaum noch nachgeprüft werden. Beim „Fall Busch“ lag die Sache, wie

bekannt, ein bisschen anders. Da wurde der Akteur selbst angesprochen und hat

(zunächst) die Prozedur verweigert. 


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