Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

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Ob man sich die Augen reibt oder nicht: Beim Durchsehen der Tabelle gehören mit Krefeld, Iserlohn, Hannover und Wolfsburg vier Vereine der ersten fünf (ich vermeide den internationalen Ausdruck Top Five) nicht gerade zur Crème de la Crème des deutschen Eishockeys, und zwar weder sportlich noch finanziell. Angesichts der Versammlung dieser Namenlosen müssen die Tabellennachbarn aus Düsseldorf als Zweiter schon zu den Exoten gerechnet werden.
 
Ich weiß, dass die Tabelle ganz eng ist und der Deutsche Meister aus Berlin als Achter nicht nur ganze sieben Punkte, sondern auch drei Partien weniger auf dem Konto hat. Trotzdem, das Gefüge der Hitliste unserer Vorzeigeliga sorgt, je nach Blickwinkel, für Schmunzeln, schiere Freude, aber auch für verständnisloses Kopfschütteln.
 
Ehrlich gesagt, vor dem letzten Wochenende glaubte ich, dass die Krefelder Farbe bekennen müssen. Daheim gegen Düsseldorf und zwei Tage später in der prallgefüllten O2 World, das roch stark nach einer Nullrunde. Am Ende standen vier Zähler für die Cracks um Kapitän Herberts Vasiljevs zu Buche. Damit haben die Pinguine wohl endgültig unter Beweis gestellt, dass mit ihnen auch für den Rest der Saison zu rechnen ist.
 
Düsseldorf steht dort, wo ich die Rheinländer erwartete. Anscheinend wird, im Gegensatz zur Vorsaison, schon die Punktrunde ernstgenommen.
 
Bei Iserlohn, das das führende Trio aus Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland vervollständigt, hat es im Gegensatz zu Krefeld kaum Veränderungen im Kader gegeben. Der mittlerweile 35-jährige Robert Hock führt die Scorerliste der gesamten Liga an. „Robert Hock ist noch älter geworden, aber das macht bei seiner Spielweise nichts“, so ein Spaßvogel aus der Szene. Mir scheint, dass die Sauerländer Erfolgsstory, die in der Vorsaison begann, in dieser Spielzeit ihre Fortsetzung findet. Erneut haben die Macher um Manager Karsten Mende ein gutes (vielleicht glückliches, vielleicht gekonntes) Händchen bewiesen, als sie den Kanadier-Oldie Steve Stirling, der sogar bei den New York Islanders hauptverantwortlich an der Bande stand, im Sommer ins Sauerland lockten und für zwei Jahre verpflichteten. Das Team erscheint disziplinierter und taktisch verbessert, arbeitet nach wie vor in bekannter Weise hart und erkämpft sich jeden Punkt. Gegen Mannheim wurde gar ohne den schlitzohrigen besten Scorer Hock gewonnen.
 
Als ich die Hannoveraner zum ersten Mal in dieser Saison sah (es war in der Kölnarena), hatte ich den Eindruck, als wäre ein Zweitligateam aufgelaufen. Gegen einen tief in der Krise befindlichen Gastgeber waren die Niedersachsen mehr als harmlos und ermöglichten den Domstädtern einen total überbewerteten 4:0-Erfolg. Doch die Zach-Schützlinge sind zäh, und wenn sie ihre Chancen wittern, stechen die Scorpions zu. Wenn sie als Verlierer das Eis verlassen, haben sie oft genug deftige Schlappen eingesteckt, was schon das negative Torverhältnis beweist. Aber die „big points“, die gehörten (bisher) den Männern um Neu-Goalie Dmitrij Pätzold. 
 
Über Wolfsburg habe ich mich schon vor zwei Wochen geäußert. Deswegen möchte ich es bei ein paar Bemerkungen bewenden lassen. Ob Charly Fliegauf in Frankfurt das Bein nicht so richtig auf das Eis bzw. den Boden bekam? Diese Frage drängt sich angesichts seiner langjährigen Erfolge in Augsburg und jetzt in Ost-Niedersachsen doch auf. Jedenfalls zeigt ein Blick auf die Scorerliste, dass die Wolfsburger mit Ken Magowan, Justin Papineau, Norm Milley und Jason Ulmer überdurchschnittlich zahlreiche und erfolgreiche Punktesammler in ihren Reihen haben. Drei von ihnen sind „Neue“, was für Fliegauf spricht. Und wenn einer sagt, dass das Team leicht auszurechnen ist, kann ich nur sagen, dass Krefeld auch solch eine „heterogene“ Truppe hatte, die leicht auszurechnen war. Sie wurden aber trotzdem Meister.