Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

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„Klubs sollen den Dialog mit den Fans suchen“, titelte heute ein Fachblatt einen Beitrag. Ja, das sehe ich genauso. Mir fällt schon seit Monaten auf, dass es immer weniger Stammtische gibt, dass Autogrammstunden nicht gang und gäbe, sondern mehr die Ausnahmen sind, dass Spieler selten genug zu wöchentlichen Pressekonferenzen (so sie denn überhaupt stattfinden) erscheinen und so weiter und so fort.
 
Wir wissen doch selbst, dass unsere Liga eine Spielklasse für Legionäre ist. „Wenn die Fans anstimmen: „Auf geht´s … Jungs, schießt ein Tor für uns!“ kann ich ein Schmunzeln kaum unterdrücken. Obgleich der Trend zu bekannten Gesichtern geht und längerfristige Bindungen an den Verein nicht mehr so selten anzutreffen sind, sind die „Eintagsfliegen“ unübersehbar. Kaum haben sich die Fans wenigstens einigermaßen mit den neuen Akteuren vertraut gemacht, sind sie auch schon wieder fort. Muss man vereinsseitig nicht eingreifen und den Fans die Gesichter vertrauter machen und näherbringen? Machen es sich die Verantwortlichen nicht zu einfach, indem sie ihre Akteure per Trainingsplan zur täglichen Arbeit schicken und via Spielplan in die Halle zum Heim- bzw. in den Bus zum Auswärtsspiel bitten? Was spräche denn dagegen, wenn die Spieler PR-Arbeit in eigener Sache betreiben? Ich schätze, die Fans identifizierten sich viel eher mit den Akteuren, auch wenn es sich um Ausländer handeln würde.
 
In eisgrauer Vorzeit sagte Kölns Vorsitzender Heinz Landen einmal zu mir: „Wissen Sie, was uns am meisten fehlt? Dat is ene Kneipe, in der wir uns nach dem Spiel oder Training treffen könnten.“ Damals waren die Kölner Haie noch ein sogenannter Lackstiefklub und blickten neidisch auf einen Teil der Konkurrenz. Heutzutage hat mehr oder weniger jeder Verein die Bindung an den Fan verloren. Dass die Zeiten vorbei sind, in denen am Tresen gefachsimpelt wurde, weiß ich auch. Aber so ein bisschen Vereinsleben würde der vielzitierten Identifizierung sicherlich nicht schaden.
 
Und zum Schluss noch einmal das leidige Thema Doping.
 
Mir ist ein Fall bekannt, dass bei einem kurzen Telefongespräch zwischen Vater und Sohn, wobei Letzter nicht in Europa weilte, die Nachweispflicht erwähnt wurde. „Mensch, habe ich vergessen“, muss der Filius wohl entgeistert in den Hörer gerufen haben, „reiche du das nach!“ So kam der Nationalspieler noch mit einem blauen Auge davon. Noch ist es ihm nicht Ernst mit dem Rückzug aus der Gilde der Adlerträger, doch mit dem Gedanken hat er bereits gespielt. Denn der Grat zwischen „unschuldig“ und „Wiederholungstäter“ scheint tatsächlich ganz dünn zu sein. Ein DEL-Funktionär bekannte in diesem Zusammenhang am Telefon unlängst, dass er seine Probleme mit der ganzen Materie hätte, obgleich er sich in der Behandlung von E-Mails und Ausfüllen von Fragebögen im Internet gut auskenne. Des weiteren hörte ich von einem Nationalspieler, dass ihn die Leute von der NADA gegen 22.45 Uhr mit der Bemerkung aus dem Bett klingelten, man dürfe schließlich bis 23.00 Uhr aufkreuzen. Fast bin ich geneigt zu sagen, dass ich die seinerzeitige Reaktion von Eisbären-Stürmer Florian Busch nachvollziehen kann, ohne das Thema zu verniedlichen. Ich bin sicher, dass solche Typen wahrscheinlich nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme bilden. Und dass diese Personen so gut wie ständig dieselben Akteure aufsuchen, ist ebenfalls wohl anzunehmen.
 
Da ist es doch richtig schön und erleichternd, dass bei Aktiven unserer Sportart, im Gegensatz zu anderen Athleten, nur negative Testergebnisse konstatiert wurden. Ich jedenfalls wünsche mir, dass es so bleibt. Andere, allerdings weitaus harmlosere „Baustellen“, haben wir schließlich genug.

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