Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Zwei Trainerentlassungen wurden in den letzten Tagen vermeldet. Das Personenkarussell hat also zu einem relativ frühen Zeitpunkt bereits Fahrt aufgenommen. Die sieben Hinauswürfe der Vorsaison haben somit durchaus die Chance, in dieser Spielzeit getoppt zu werden.
 
Duisburg und Köln, mit völlig verschiedenen Zielen in die Saison gestartet und trotzdem mit dem Punktestand null schiedlich-unfriedlich auf den Plätzen 15 und 16, haben sich von ihren jeweiligen Bandenchefs getrennt. In Duisburg räumte Karel Lang, erst in der Vorsaison für den Hegen-Nachfolger Peter Draisaitl gekommen, seinen Stuhl ausgerechnet für Dieter Hegen. In Köln beerbte Clayton Beddoes seinen Chef Doug Mason. Damit dürfte der Holland-Kanadier Mason, falls er nicht kurzfristig einen Job in der DEL bekommt, im Rennen um den dienstältesten Cheftrainer vorerst aus dem Rennen sein. Zu Saisonbeginn führte der Frankfurter Rich Chernomaz (fünf Jahre Frankfurt, zwei Jahre Schwenningen, zwei knappe Jahre Augsburg) vor Hans Zach (Hannover), der knapp zwei Jahre in Düsseldorf Chefcoach war. Dazu kommen vier Jahre Köln und zwei Jahre Hannover. Der mitunter recht sensible Mason brachte es bisher auf jeweils drei knappe Jahre in Krefeld und Iserlohn und zwei Jahre in Köln.
 
Sieben Niederlagen in ebenso vielen Spielen war für die stets ambitionierten Haie nicht tragbar. Deswegen konnten die Verantwortlichen der Domstädter gar nicht anders handeln, auch wenn sie es waren, die Fehlgriffe machten und die Weggänge nicht adäquat ersetzten. Wenn man zum Beispiel Mike Johnson mit seinen knapp 800 NHL-Partien auf dem breiten Buckel über das Eis stampfen sieht, muss man sich fragen, wen dieser Mann überhaupt ersetzen soll. Jedenfalls keineswegs Kai Hospelt, Sebastian Furchner oder gar Ivan Ciernik. Das Duo Eichin/Pauels muss sich zumindest bei der Verpflichtung des behäbigen Burschen vorwerfen lassen, voll in den Wassereimer gegriffen zu haben. Dazu kommt noch das Pech mit Torwart Robert Müller, der weder vom jungen Stefan Horneber noch von seinem kanadischen Kollegen Frank Doyle gut vertreten wurde. Das unsinnige Wechselspiel tat noch sein Übriges. Mir ist es immer noch ein Rätsel, warum Horneber nach seinem überragenden ersten Match gegen die Eisbären in Partie Nummer zwei auf der Bank Platz nehmen musste. Hat ihn das verunsichert?
 
Während man sich in Köln in Zurückhaltung übt, schlägt in Duisburg dem „Neuen“ ungewöhnlich viel Kritik entgegen. Beim Heimspieldebüt am letzten Sonntag gegen die übermächtigen Berliner waren bei der Vorstellung gar vereinzelt Pfiffe zu hören. Der ehemalige Weltklassestürmer wird sich seinen Teil ob dieser Resonanz gedacht haben. Ungewohnt für Duisburger Verhältnisse, dass Kritik an der Vereinsführung im privaten Kreis von Personen laut wird, bei denen ein solcher Tonfall normalerweise nicht erwartet wird. Das Team selbst übt sich über weite Strecken in Lethargie, ergibt sich viel zu schnell in sein Schicksal und ist meilenweit von dem entfernt, für das es Plakatwerbung machte. Dort stand zu lesen: „Malochen für Duisburg.“ Ob es Hegen richten und die Mannschaft auf Malochen einschwören kann? Viele sind jedenfalls nicht dieser Meinung.
 
Zum Ende noch ein Blick in die Regelecke: Kamen in Köln beim Aussprechen einer (völlig berechtigten) Matchstrafe für den Berliner Nationalstürmer Sven Felski Irritationen („fünf Minuten plus Spieldauer“ oder „fünf Minuten plus Matchstrafe“ oder ähnlicher Unsinn) auf, so sorgte auch das technische Tor, welches am Sonntag in Mannheim gegeben wurde, für Verwirrung. Wie bekannt, nahm Adler-Chefcoach Dave King seinen Torwart Fred Brathwaite beim Stande von 3:5 gegen die Krefeld Pinguine zugunsten eines Feldspielers vom Eis. Als ein Adler-Verteidiger das Gehäuse bei einem Krefelder Torschuss verschob, entschied der Unparteiische Rick Looker (sprach übrigens auch die Matchstrafe gegen Felski aus) auf „Tor“. Eine Zeitung schrieb, dass diese Entscheidung in den letzten zwei Minuten zum Tragen kommt, während eine andere kommentierte, dass anstelle des „fälligen“ Penaltys auf „technisches Tor“ entschieden wurde. Nein, nein, alles ist viel einfacher. Ein technisches Tor muss stets ausgesprochen werden, wenn das Vergehen normalerweise einen Penalty als Strafe vorsieht, der Torwart jedoch bereits vom Eis genommen wurde. Also nix mit den „letzten zwei Minuten“ oder „fälliger Penalty“.