Wie ich es sehe ... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Na, lieber Fan? Zufrieden mit dem Saisonbeginn der Liga, wenn es sich

nicht gerade um einen Anhänger jener Vereine handelt, die in den Startblöcken

hängenblieben? Wer hätte schon gedacht, dass unsere höchste Spielklasse so

spektakulär in das Rennen um die Play-off-Plätze geht? Außenseiter führen die

Tabelle an (die natürlich überhaupt noch keine Aussagekraft besitzt), Köln,

Hamburg, Ingolstadt und Nürnberg als letzter Punktbester haben auf der anderen

Seite noch keinen Zähler auf dem Konto; eine Matchstrafe hatte schon

ausgesprochen werden müssen, und schließlich kursierte eine geraume Zeit das

Gerücht, dass sogar schon die erste Trainerentlassung vollzogen worden sei.

Der Reihe nach…

Wer prophezeit hätte, dass zu den ersten vier Teams (neben dem bisher

souverän aufgetrenen Meister von der Spree) Augsburg, Krefeld und vor allen

Dingen Neuling Kassel gehören würden, hätte sicherlich in teilnahmsvoll

mitleidige Mienen („der hat ja überhaupt keine Ahnung“) geblickt.

Am meisten beeindruckte Kassel in seiner neuen Umgebung. Bei den Hamburg

Freezers 4:3 gewonnen und Ingolstadt nach 0:2-Rückstand noch besiegt, das zeugt

von intakter Moral und gesundem Selbstvertrauen. Von den bisherigen Verlierern

dürften die Kölner noch am ehesten bei ihren Fans auf Verständnis treffen.

Gegen Berlin und in Düsseldorf, das sind schon Hürden, die ohnehin nicht leicht

zu bezwingen sind. Hamburgs Anhänger hingegen „durften“ sich schon

wieder damit abfinden, dass im Team erneut einige Legionäre stehen, denen das

Wort „Kampf“ nicht geläufig ist. Die Millionentruppe versagte

daheim gegen Neuling Kassel und in Augsburg beim „Armenhaus“ der

Liga.

Doch nicht nur diverse Tabellenstände sind seltsam, sondern auch die

Zuschauerzahlen. Zum Eröffnungsmatch von Vizemeister Köln gegen den Champion

Berlin kamen lediglich knapp 12.000 Besucher, eine für Kölner Verhältnisse

ungewöhnlich niedrige Zahl. Das erste Derby Düsseldorf gegen eben diese Kölner

wollten nur achteinhalbtausend „Unentwegte“ sehen. Auch Kassels

Verantwortliche zählten zum ersten Heimspiel nach zweijähriger DEL-Abstinenz

gerade ´mal 4.400 Zuschauer. Erstaunlich dagegen die Zahlen aus Duisburg und

Krefeld. Immerhin passierten an der Wedau fast 3.000 die Eingangstore und in

der Seidenstadt waren es gar fast 5.700, von denen sicherlich angesichts der

engagierten Vorstellung der Mannschaft von Chefcoach Igor Pawlow ein großer

Prozentsatz wiederkommen wird.

Das Berliner Urgestein Sven Felski, trotz seiner 33 Lenze nach wie vor

heißblütig, ließ sich zu einem Kopfstoß gegen den Kölner Adams hinreißen.

Verwundert über die Matchstrafe stand er einem Journalisten Rede und Antwort:

„Ick ha´n doch jar nicht jetroffen!“ Verwundert auch Kölns

Stadionsprecher Oliver Frühauf, der zunächst fünf Strafminuten plus Spieldauer

angab, dann sich jedoch elegant aus der Affäre zog und so tat, als hätte der

Unparteiische die Strafe korrigiert. Nein, nein, der regelsichere und souveräne

Rick Looker sprach sofort gemäß § 529 „Match“ aus.

Für eine geraume Zeit kursierte gar das Gerücht, dass die Duisburger

ihren Chefcoach Karel Lang entlassen hätten. „Es stand im Internet und

kam auch über die Agentur“, so ein Kollege im Krefelder Presseraum.

Nachdem der Stadionsprecher und auch ein Mitarbeiter einer Radiostation das

vermeintlich sportliche Ende des immer noch in der Seidenstadt beliebten

Ex-Hexers verkündet hatten, kamen langsam Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser

Meldung auf. Ich schnappte mir den Hörer und rief Duisburgs Allgewaltigen Ralf

Pape an. „Völliger Schwachsinn“, knurrte Pape in seiner gewohnt

direkten Art in den Apparat.

Und zu schlechter Letzt noch ein Wort zum Spielplan: Vizemeister Köln

ging einen Tag früher in die Saison, wird heute gegen Düsseldorf das dritte

Match der Spielzeit bestreiten und kreuzt bereits übermorgen zum vierten Mal

die Schläger mit einem Gegner. Wer das noch versteht, hat selbst schuld.


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