Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

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Ende letzter Woche sorgte Duisburg wieder einmal für eine ligaweite Überraschung. Mit dem Oberligaaufsteiger Herne Cruisaders wurde eine Zusammenarbeit beschlossen, die zwar noch weitgehend auf Handschlag- und Goodwill-Basis steht, aber schon in naher Zukunft konkrete Formen annehmen wird. Der Grundgedanke ist neu: Der Drittligist, im Ruhrgebiet durchaus mit Eishockey-Tradition behaftet, soll Sammelbecken und „Ausbildungsplatz“ für alle DEL-Vereine in Nordrhein-Westfalen sein und nicht nur über einen einzigen Seniorpartner verfügen.
 
Zum besseren Verständnis: Die Ligenstruktur im NRW-Eishockey ähnelt keiner Pyramide, sondern mehr einer Sanduhr: Oben viel, in der Mitte nichts, unten viel. Fünf DEL-Vereinen (Kölner Haie, DEG Metro Stars, Iserlohn Roosters, Krefeld Pinguine sowie Füchse Duisburg) stehen null Zweitliga- und mit Herne lediglich ein einziger Oberligaklub gegenüber. In der Regionalliga sieht es wieder besser aus: In Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland besteht die vierte Spielklasse aus einer richtigen Straßenbahnliga mit vielen Lokalderbys.
 
Die Idee von Duisburgs „Alleinunterhalter“ Ralf Pape ist so vorbildlich wie einfach, und man ist versucht zu fragen, warum bisher kein anderer darauf gekommen ist. Statt gegeneinander zu arbeiten, sind Pape & Konkurrenz wohl jetzt auf den Trichter gekommen, mit gebündelten Kräften an die Sache heranzugehen. Dass der Duisburger Hauptgesellschafter bisher Lehrgeld zahlte und beispielsweise mit der erfolglosen 1b-Mannschaft eine Idee bezüglich Spieler-Ausbildung so richtig in den Sand setzte, gehört der Vergangenheit an.
 
Dass das Ganze noch konkretisiert werden muss, ist logisch. „Ich habe Kontakt zu allen DEL-Vereinen in unserem Bundesland aufgenommen und bin auf Zustimmung gestoßen. Das war das Wichtigste“, so Pape vor einigen Tagen. Von den Kölner Haien werden beispielsweise die ehemaligen DNL-Akteure Tom-Patric Kimmel und Christopher Mauch mit Förderlizenzen ausgestattet und in den Ruhrpott zwecks „Erlangung von Spielpraxis“, wie es so schön heißt, geschickt. Und trotz der Querelen zwischen Duisburg und Krefeld bezüglich des Duos Jan Alinc/Daniel Kunce, das, obwohl im Besitz gültiger Verträge bei den Pinguinen, die Rheinseite wechselt, sind sich die Verantwortlichen einig: Auch die Schwarz-Gelben machen mit und fühlen sich als Partner der umtriebigen Füchse.
 
Mit den „warnenden Beispielen“ Revier Löwen Oberhausen und Ratinger Aliens, die in der Vergangenheit nacheinander als einzige NRW-Vereine in der dritten Liga spielten, ein Schattendasein fristeten und letztlich einen sportlichen Niedergang quittierten, hat Pape nichts am Hut. „Die Herner sind ein neuer Verein ohne Altschulden und schon aus diesem Grunde nicht mit Oberhausen und Ratingen zu vergleichen.“.
 
Aus- und Weiterbildung auf dem Eis von jungen, ehrgeizigen Akteuren mit dem Ziel, irgendwann einmal zum DEL-Crack heranzureifen, darüber machen sich offensichtlich doch mehr Funktionäre Gedanken, als man es allgemein annimmt. Handelt es sich bei der (übrigens hervorragenden) Zusammenarbeit Berlin/Bremerhaven/Hannover mehr um einen „horizontalen Konzern“, wobei Zweitligist Bremerhaven die Rolle des „Lückenfüllers“ zwischen Oberliga (Eisbären Juniors) und DEL (Hannover und Berlin) übernimmt, so versuchen die Füchse mit ihren westdeutschen Partnern, so etwas wie einen „vertikalen Konzern“ auf die Beine zu stellen.
 
Ich für meinen Teil wünsche dem Experiment (denn so muss man es wohl noch bezeichnen) viel Glück und Weitsicht bis über den Tellerrand und den eigenen Kirchturm hinaus. 


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