Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

In Deutschlands bevölkerungsreichstem (und keineswegs größtem, wie

einige Zeitungen mit sturer Boshaftigkeit schreiben) Bundesland beginnen

übermorgen zu ungewöhnlich früher Zeit die großen Ferien. Ausspannen und

Pausieren ist für viele Arbeitnehmer angesagt. Doch in unserer Sportart geht

die Zeit der großen Erholung langsam dem Ende entgegen. In NRW, das zwar die

meisten DEL-Vereine (nämlich deren fünf) stellt, in der zweiten Liga durch den

Rückzug der Moskitos Essen nicht mehr und in Liga Nummer drei durch den

Aufstieg der Herne Cruisaders auch nur eventuell vertreten ist, herrscht

angesichts einiger „Baustellen“ (und nicht wegen derjenigen auf den

Autobahnen) hektische Betriebsamkeit.

In Duisburg scheint der allgewaltige Boss Ralf Pape wirklich keine Lust

mehr auf die Rolle des Schlusslichtes zu haben. Alles sieht auch danach aus,

als würde das leidensfähige Publikum der Füchse, die auch beim

Zuschauerzuspruch erneut auf dem letzten Rang landeten, endlich einmal für

seine Treue und Zähigkeit belohnt werden. Dieser Tage hat Oldtimer Pat Lebeau,

der dem Jahrgang 1970 entstammt, seit 1994 in Europa arbeitet und bei Frankfurt

in der Meistermannschaft von 2004 stand, einen Vertrag in beim Pape-Klub

unterschrieben. Der kleine Supertechniker setzte zwar in der letzten Saison

aus, dürfte aber trotzdem für denjenigen Verein, der seit seiner Aufnahme in

der DEL vor rund drei Jahren stets in den Niederungen diverser Tabellen

herumdümpelte, eine große Verstärkung sein.

Auch sonst kann sich der Kader der Füchse, bei dem nach wie vor der

ehemalige Hexer Karel Lang verantwortlich an der Bande steht, sehen lassen. In

die Verhandlungen bezüglich der Krefelder Akteure Jan Alinc und Daniel Kunce

ist Bewegung gekommen, so dass sämtliche Beteiligten eine Einigung in

allernächster Zeit erwarten. „Der Pape wartet nur noch auf die Rechnung

aus Krefeld; dann ist der Deal perfekt“, hörte ich heute. Da schon Monate

zuvor mit Alexander Seliwanow der Dritte im Bunde der Pinguin-Oldtimer (das

Trio gehört samt und sonders dem Geburtsjahrgang 1971 an) die Rheinseite

wechselte, ist zumindest viel Technik und noch mehr Routine im Fuchsfell zu

erwarten. Bleibt aus Duisburger Sicht nur noch zu hoffen, dass die sportliche

Leitung die Fäden in den Händen behält.

Bleiben wir in NRW… Vor einigen Tagen hat Haralds Vasiljevs einem

Vertragsangebot aus seiner Heimatstadt Riga zugestimmt. Der Tichonow-Schüler

übernimmt das neugebildete Farmteam von Dinamo Riga, das in der weißrussischen

Liga die Saison absolvieren wird. Die „Großen“ nehmen an der

russischen Meisterschaft teil. Beim Namen Vasiljevs muss ich stets an eine

lächerliche Episode denken. Der Mann, der als Nationaltrainer Lettlands bei der

WM 2000 in St. Petersburg in einem denkwürdigen Match die Russen schlug und

seitdem in Riga bekannter als ein bunter Hund ist, durfte seinerzeit die

Krefelder Kleinschüler nicht coachen. Der lächerliche Grund: Vasiljevs verfügte

nicht über einen vom Landesverband NRW ausgestellten Trainerschein.

Haralds Vasiljevs, zweimal „Notstopfen“ bei den Pinguinen

und ansonsten seit 1992 im Krefelder Nachwuchsbereich tätig, nachdem er in

Dortmund nach dreijähriger Tätigkeit seinen Dienst quittierte, war tief bewegt,

als er heute zusammen mit Geschäftsführer Wolfgang Schäfer und

„Berater“ Rüdiger Noack ein Gläschen Sekt zum Abschied leerte. Da

sich auch Nachwuchstrainer-Ikone Peter Kaczmarek krankheitsbedingt für mehrere

Monate ausklinken muss, herrscht in der Seidenstadt, wo DEB-Honorarcoach Ralf

Hoja seit einigen Wochen als sportlicher Leiter das Sagen hat, hektische

Betriebsamkeit.

Und NRW zum dritten… Ob es tatsächlich mal wieder einen

Oberligaklub aus dem grün-weiß-roten Land gibt, ist weiß Gott nicht sicher. Jedenfalls

war zu lesen, dass Aufsteiger Herne angesichts der unsicheren Lage in der Liga

einen Verzicht nicht ausschließt. Schwebt den Gysenbergern etwa das Schicksal

Ratingens und der Revier Löwen vor den geistigen Augen? Beide Vereine mussten

letztendlich nicht zuletzt vor den weiten Reisen kapitulieren. War es demnach

reine Prophylaxe, dass die Herner ihre 1b-Mannschaft, die zwei Klassen tiefer

in der Landesliga(!) spielten, zum Spielbetrieb der Regionalliga NRW

anmeldeten?

Man darf jedenfalls gespannt sein, wer sich in den großen Ferien

entspannt zurücklehnen kann und wer sich noch richtig hineinknien muss.


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