Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

„In der Overtime wurde der Back-up-Goalie gebracht.“ Noch nie gehört? Doch, bestimmt schon. Ich sage es ganz ehrlich: An solchen Sätzen gehe ich noch kaputt. Oder wenn auf einem Plakat „Frankfurt Lions vs. Adler Mannheim“ steht. Oder wenn von den „Starting Six“ die Rede ist. Oder wenn der Stadionsprecher eines Zweitligavereins(!), die ja ohnehin nur ein paar Ausländer haben, die jeweils letzten Minuten des Drittels sowie die beiden letzten Zeigerumdrehungen der Partie in Englisch daher babbelt. Oder wenn ein Kommentator verzweifelt ist, weil er kein update bekommt. Oder wenn ein Konter zu einem „Shorthander“ geführt hat? Oder wenn das Penalty Killing oder gar das Powerplay wieder nicht funktionierte? Oder, oder, oder…
 
Ich will gar nicht von den Spezialausdrücken reden, mit denen sich manche hervortun wollen. Da heißt es zum Beispiel, dass das Stickhandling zu wünschen übrig ließ. Der Forward überraschte den gegnerischen Goalie mit einem gezogenen Backhander, wobei Letzterer keinen Supersave verbuchen konnte (dabei  k o n n t e  er es wohl, er hat´s nur nicht geschafft). Ab und zu frage ich mich, was manche Kollegen und/oder Freunde unserer Sportart damit eigentlich bezwecken. Handelt es sich hierbei um ein Zurschaustellen irgendwelcher Fähigkeiten oder nur schlicht und ergreifend um Faulheit, weil sie die Ausdrücke nicht übersetzen wollen. Verwunderlich, dass sich zum Beispiel das Wort „Goalgetter“ eingebürgert hat, obwohl dieser Ausdruck im englischen Sprachgebrauch überhaupt nicht existiert.
 
Schlimm genug, dass es mittlerweile auch deutsche Trainer gibt, die in der Pressekonferenz davon quasseln, dass ihre Mannschaft zu viele „Strafzeiten genommen“ hätte. Prompt werden diese Ausdrücke auch noch von einigen, unserer Muttersprache offensichtlich unkundigen Kollegen, übernommen. Woher dieser Ausdruck stammt, kann ich eigentlich nur raten. Da hat wahrscheinlich ein Bandenchef aus Nordamerika nicht genau gewusst, wie die Bestrafung eines Akteurs in Deutsch heißt und sich halt so ausgedrückt. Das ist auch weiter nicht schlimm, denn schon die Bemühungen, sich in unserer Muttersprache zu artikulieren, sind durchaus lobenswert. Wie viele Akteure gibt es in unseren Breiten, die schon jahrelang unser Geld nach Hause schleppen und sich nicht einmal verständlich in „f… German“ machen können?
 
Ich wundere mich immer wieder aufs Neue, wie viele Personen sich diesem Diktat beugen. Da ich kurz nach dem Krieg geboren wurde, bekam ich die Ausländerwelle in der Schlagerbranche Ende der fünfziger/Anfang der sechziger Jahre so richtig mit. Da galt es seinerzeit als chic, deutsch mit einem fremdländischen Akzent (am besten französisch oder zumindest englisch) zu singen. Aber es waren Ausländer, die diese Tatsache nur betonten. Das ist jedoch weiß Gott kein Grund, unsere Sprache dermaßen zu „vergewaltigen“. Ich bin mir sicher, dass sich einige geradezu ins Fäustchen lachen, weil viele von uns mit dem eigenen Idiom auf Kriegsfuß stehen, ob gewollt oder ungewollt. Immerhin haben Goethe, Schiller, Lessing und was weiß ich, wer noch, keine Anleihe in anderen Sprachen zu nehmen brauchen und ihre weltberühmten Werke in Deutsch herausgegeben. Immerhin wurde die Heimat dieser Persönlichkeiten einst das Land der Dichter und Denker genannt. Immerhin haben wir eine jahrhundertlange literarische Kultur vorzuweisen.
 
So hoch wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Selbstverständlich benutze ich auch Wörter wie Team, Goalie, Fit- oder Cleverness. Aber ich bemühe mich stets, deutsche Ausdrücke zu gebrauchen, wenn sie irgendwie Verwendung finden können.
 
Na ja, in den nächsten Tagen geht es ja beim großen Bruder Fußball so richtig los. Und dann ist öffentliches Fernsehen angesagt, ich meine Public Viewing.
 
In diesem Sinne, all the best, vsecko dobrého oder minden jót!
 
Werner Nieleck   


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