Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Ende gut, alles gut aus Sicht der Adlerträger nach dem 5:3-Erfolg gegen Lettland? Das kann man nun wirklich nicht sagen. Vom Viertelfinale darf weiterhin lediglich geträumt werden, auch wenn unsere Spieler im letzten Zwischenrundenmatch Moral bewiesen, trotz einer dreimaligen Führung des Gegners als Sieger das Eis verließen und Lettland nunmehr in der internationalen Rangliste unter Deutschland steht.
 
Sonst blieb unter dem Strich nicht nur wegen der unangenehmen Begleitumstände im „Fall Busch“, sondern auch in sportlicher Hinsicht wenig übrig.
Die nackten Tatsachen zu den anderen vier Begegnungen sprechen eine deutliche Sprache:

a) Gegen die Finnen gab es nichts zu holen. Programmgemäß ging das Match nach einem ausgeglichenen ersten Drittel mit 1:5 deutlich in die Hose.

b) Gegen die hoch eingeschätzten Slowaken gelang ein zunächst bemerkenswerter 4:2-Sieg. Dieser wurde aufgrund des „dezenten Auftretens“ der Männer von Donau und Tatra, die in die Abstiegsrunde stürzten, im nachhinein schnell relativiert.

c) Gegen Norwegen, nicht gerade einen Topgegner, versagten unsere Cracks nach einer 2:0-Führung. Am Ende mussten die Krupp-Schützlinge ein 2:3 quittieren.

d) Gegen die USA lagen Sturm & Co. nach nicht einmal drei(!) Minuten mit 0:3 hinten. Das sagt schon alles.

e) Gegen die Kanadier gab es beim 1:10 gar eine derbe Klatsche. Die Deutschen spielten unter aller Kanone und kassierten, was schon „ewig“ nicht mehr vorkam, eine zweistellige Packung.
 
Dann der Bundestrainer, der nach wie vor einem richtigen Erfolg hinterherläuft. Wurde das Erreichen des Viertelfinals bis 2003 mit Ausnahmen regelmäßig bejubelt (was bis vor rund 20 Jahren gang und gäbe war, weil nur acht Mannschaften in der A-Gruppe antraten), tun sich unsere Cracks immer schwerer mit der Qualifikation der letzten Acht. Sportlich erzogen in Nordamerika, wunderte er sich über Fans, die ihrem Unmut lauthals Luft machten und verständlicherweise nicht alles guthießen, was sich neben dem Eis abspielte. Trat er schon vor dem Turnier mit seiner Aussage ins Fettnäpfchen, dass man alles tun würde, um den in die negativen Schlagzeilen geratenen Florian Busch spielberechtigt zu bekommen, so legte er sich während der WM wie ein trotziger Junge mit den treuen Fans an.
 
Dann der Multifunktionär Franz Reindl, der wenigstens seine Fehler einsah, um Entschuldigung bat und dabei Größe bewies. Eine Checkliste lag dem höchsten DEB-Funktionär wohl nicht vor. Dann hätte er sicherlich die Rubrik „schon vier Jahre im DEB-Bereich tätig?“ bei Jason Holland nicht abgehakt. Der Garmischer spielte noch die beste Rolle in diesem Theater. Nicht zu verstehen ist allerdings, mit welchen (und wie vielen) Mitarbeitern er sich umgibt. Was hat zum Beispiel ein „Event Manager“ bei einem Turnier im Ausland zu tun? Gibt es „Events“, die eines Managers bedürfen? Hatte er einen Kegelabend oder etwas anderes Wichtiges zu organisieren?
 
Dann die Pressesprecherin. Mit der jungen Dame betrat eine Person die Szene, die Presseberichte im Stile von Schüleraufsätzen schrieb. Ob die Traktate pünktlich oder mit einer stundenlangen Verspätung ankamen, kratzte wohl keinen im wahrscheinlich furchtbar (wegen der „Personalnot“) gestressten DEB-Tross. Dazu entwickelte die „Neue“ ungeahnte Fähigkeiten, zu denen auch diejenige eines Hellsehers gehörte. „Nach dem 1:0 gegen die Slowakei war jedem klar, dass Deutschland gewinnt.“ So ähnlich drückte sie sich aus. Ganze Passagen waren schlicht und ergreifend peinlich. Die Namen der eigenen Spieler wurden nicht fehlerfrei wiedergegeben, eine Übersetzung (der Name der jungen Dame prangte unübersehbar über dem Werk) war schlicht und ergreifend falsch. Einige Ausdrücke bewiesen deutlich, dass sie auch sonst mit Sport nicht viel um die Ohren hatte, geschweige denn speziell vom Eishockey. Ich frage mich allen Ernstes, nach welchen Kriterien solche Leute, die immerhin Eishockey-Deutschland vertreten und nicht irgendeinen Laubenpieper-Verein, ausgesucht werden. Dies mache ich Reindl viel mehr zum Vorwurf als die Tatsache, dass er im Falle Holland nicht bis vier zählen konnte.


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