Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

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„Die Kirche im Dorf lassen“, das war und ist der Tenor der meisten in der deutschen Öffentlichkeit stehenden Personen im „Fall Busch“. Diese Meinung vertrat ich zunächst auch, weil die Verweigerung in meinen Augen die Trotzreaktion eines Menschen war, der mitunter auch gegen den Strom schwimmt. Doch dieser „Fall“ scheint immer weitere Kreise zu ziehen. Während der DEB in die Offensive geht und gerichtliche Schritte gegen den Dopingexperten Werner Franke einleiten will, sprach der Bundestrainer, der von Anfang an keinen Hehl aus seinem Willen machte, mit Busch zur WM zu fliegen, laut sid von einem „gigantischen Fehler“ seines Schützlings. Doch wenn der Fehler tatsächlich so „gigantisch“ war, muss es sich der Bundestrainer gefallen lassen, dass die Retourkutsche auch vorgenannte Größe einnimmt. Gerade Uwe Krupp weiß doch, was alles entstehen kann, wenn nur das Wort „Doping“ im Spiel ist. Bei der WM 1991 musste der damalige Akteur der Buffalo Sabres die Heimreise antreten, weil er positiv getestet wurde. Hierbei war allerdings nachzuvollziehen, dass den Spieler keine Schuld traf. Oder denken wir an den Fall Sikora bei der WM 1987 in Wien. „Wir wünschen Ihnen mit Ihrem Spieler viel Erfolg“, schrieb damals IIHF-Generalsekretär Jan-Ake Edvinsson dem DEB. Was war später? Das Mitwirken des damaligen Kölner Außenstürmer in einer polnischen Juniorenmannschaft (was die IIHF wusste) wurde im Nachhinein so ausgelegt, dass er keinesfalls für Deutschland bzw. die BRD an den Start gehen durfte. Die Punkte waren in Wien weg, die toll gestarteten Adlerträger fanden sich in der Abstiegsrunde wieder. Oder der Fall Schloder bei Olympia 1972 in Sapporo, als der Landshuter Ephedrin einnahm. Jedesmal waren die DEB-Vertreter die Dummen.
 
Ich verstehe, dass die Leute von Organisationen wie der WADA ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen müssen. Dabei habe ich mitunter den Eindruck, als warten die Leute nur auf solch eigensinnige Typen wie den gebürtigen Tegernseer, damit sie ihm so richtig eins auswischen können. Mir ist ein Fall bekannt, in welchem eine Nationalspielerin in ihrem „Tagebuch“ einen verkehrten Trainingsort eintrug. Da sie sowohl in einer Männer- als auch in einer Frauenmannschaft spielt, verwechselte sie ganz einfach die Trainingsplätze. Die „Leute mit dem Koffer“ warteten dort, wo die junge Dame laut Tagebuch trainieren sollte. Nachdem sie zerknirscht ihren Fehler eingestand, waren die Tester so nett und begaben sich zu dem zweiten Trainingsort. Der Fall hatte keine Nachwirkungen, vielleicht auch deshalb, weil die Dame nicht so burschikos war wie der Berliner Eisbär.
 
Dass auf der anderen Seite Vertreter anderer Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren Dopingkontrollen verweigern, sich quasi in die Büsche stehlen (obwohl sie anderswo gesichtet wurden) und dann trotzdem bei diversen Wettbewerben frisch, fromm, fröhlich, frei mitmachen, steht jetzt nicht zur Debatte. Zur Debatte steht nur, ob es tatsächlich dem Ganzen förderlich ist, wenn der DEB die Muskeln spielen und es auf eine Kraftprobe ankommen lässt. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe ein ganz mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache. Der Vergleich mit „hohem Stock mit Verletzungsfolge“ sei mir gestattet. Den Schiedsrichtern wird gesagt, dass sie in den allermeisten Fällen Absicht zu unterstellen haben. „Der Spieler ist für seinen Stock verantwortlich“, so Schiedsrichter-Boss Holger Gerstberger. Im „Fall Busch“ müsste dann der Spruch lauten, dass der Spieler ebenso für sein Fehlverhalten verantwortlich ist. Und das besagt nunmal, dass eine Verweigerung so zu behandeln ist wie ein positiver Test. 

Und jetzt freuen wir uns auf hoffentlich ebenso spektakuläre WM-Partien mit den jeweils „richtigen“ Ausgängen.