Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Geschafft! Die Saison, soweit sie unsere

höchste Spielklasse betrifft, ist vorbei. Und was war das für eine Spielzeit

oder, besser gesagt, was waren das für Play-offs! Dass ich mich total verhauen

habe mit meinem Endspieltipp (Nürnberg gegen Mannheim), beschämt mich noch nicht

einmal. Ich befinde mich nämlich in guter Gesellschaft; denn viele meiner

Kollegen haben einen solchen  E i n lauf und vor allen Dingen, solch einen  V e

r  lauf nicht vorausgesehen. 

In packenden und dramatischen wurden die

Eisbären Berlin wurden zum dritten Mal nach 2005 und 2006 Deutscher Meister. Die

Resultate waren stets knapp: zweimal wurde der Sieger erst in der Verlängerung

ermittelt und zweimal machte nach 60 Minuten nur ein einziges Tor den

Unterschied aus. Keine Frage: Die Männer aus Hohenschönhausen, die als einzige

Mannschaft der Liga während der Spielzeit keine Fluktuation in ihren Reihen (von

der temporären Leihgabe Richard Mueller abgesehen) erlebten, haben in der

Abschiedssaison vom Wellblechpalast die alte Heimstätte noch einmal richtig

krachen lassen. Wer weiß, wie es in der kommenden Saison in der mondänen O2

Arena aussehen wird? 

Die Halbfinals liefen zum erstenmal seit

ihrem 27-jährigen Bestehen über die volle Distanz, wobei die dritte Partie der

Kölner Haie gegen die Adler Mannheim als drittes Marathon-Match in die

Geschichte einging. Um 18.30 Uhr wurde Karsamstag das erste Bully vollzogen, um

0.10 Uhr lagen sich am Ostersonntag die Domstädter nach Philip Gogullas Treffer

in den Armen. 168;16 Minuten reiner Spielzeit lagen hinter den Kontrahenten.

Mindestens ein Jahr wird dieser Rekord Gültigkeit haben. Noch nie hörte ich

vorher Aussprüche wie „hoffentlich schießt irgendjemand bald ein Tor, egal wer.“

Das Kuriose an der Vorschlussrunde. Alle Partien endeten mit Heimsiegen. Dieses

Jahr war der Heimvorteil also auch in den Play-offs wichtig. 

Schon die Viertelfinals bargen Spannung

genug. Nach zwei Spielen stand es bei allen Begegnungen 1:1, wobei Iserlohn erst

nach 117;45 Minuten durch Michael Wolf das entscheidende Tor gelang. In drei

Auseinandersetzungen ging es dann jedoch schnell. Die vierte Serie zwischen

Frankfurt und Iserlohn hatte es allerdings in sich. Das Sensationsteam aus dem

Sauerland führte schon 3:1 und hatte am Ende trotzdem das Nachsehen. Der 

Höhepunkt der Serie war trotz des neuen Rekordes das Ausscheiden der Nürnberger

als punktbeste Mannschaft durch die Düsseldorfer.

Da war es auch nicht verwunderlich, dass

die Qualifikation auch keinen „Sweep“ sah, wie man in Nordamerika sagt. Nach

jeweils zwei Spielen stand es bei Hannover gegen Düsseldorf sowie Hamburg gegen

Ingolstadt 1:1. Düsseldorf qualifizierte sich durch ein Tor von Brandon Reid

nach 91;44 Minuten reiner Spielzeit. Wer hätte damals gedacht, dass dieser

Rekord nur vier Tage Bestand haben und dazu noch zweimal verbessert werden

würde? 

Und zu guter Letzt sollten wir nicht

vergessen, dass es sich in den allermeisten Fällen um saubere Spiele handelte.

Die Schiedsrichter ließen, was vollkommen richtig war, auch schon ´mal Fünfe

gerade sein. Sie handelten meist nach dem Prinzip unseres Altinternationalen

Gerhard Müller. „Ich frage mich in den ersten Minuten, wollen sie spielen oder

wollen sie hauen? Und dementsprechend pfeife ich“, sagte der gebürtige Harzer

vor Jahren während einer WM. Heuer wollten sie spielen, und das taten sie

allesamt gut. 

Nach diesen atemberaubenden Play-offs

richten sich unsere Blicke langsam, aber sicher nach Kanada, wo unser

Nationalteam versuchen wird, in der internationalen Rangliste zu klettern. Ich

bin mir sicher, dass die Trainer-Troika und das Team selbst mit dem nötigen

Ernst an die Sache herangehen und die Angelegenheit nicht so larifari behandeln

wie einige aus dem Umfeld. In der Medieninformation zum Testspiel gegen

Weißrussland am letzten Samstag in Crimmitschau beispielsweise standen

wundersame Dinge: Da war der Augsburger Patrick Buzas in Duisburg geboren, da

machte Debütant Patrick Hager sein erstes Länderspiel bereits im vergangenen

Jahr, da absolvierte der dritte Patrick, nämlich der DEG-Stürmer Reimer sein

erstes Länderspiel beim 2:0-Sieg gegen Schweden in Riesa. Nur schade, dass gegen

die Schweden in Riesa nicht 2:0 gewonnen wurde. Und vielleicht sollte sich die

neue Pressesprecherin ein bisschen mehr auf den „Stuhl gegenüber“ setzen. Nach

dem englischen Kommentar des weißrussischen Coaches erteilte die junge Dame Uwe

Krupp das Wort, wohl (oder vielleicht unwohl?) wissend, dass es sich bei den

älteren Kollegen in Sachsen durchweg um Personen handelt, die der englischen

Sprache nicht mächtig sind. Ob sie überhaupt vom Eishockey kommt, erscheint

zumindest fraglich, wenn man die Texte ihrer Pressemitteilungen liest. Gehört

auf diesen Posten nicht etwas „Gestandeneres“?

Werner Nieleck 


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