Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die Spannung steigt, die Stimmung

kocht (mitunter sogar über), das Ende der Saison und, damit einhergehend die

Entscheidung, rücken näher. Über Langeweile in der DEL können wir uns nun

wirklich nicht beklagen. Eine (zwar überlange) Punktrunde, die es zum Ende hin

in sich hatte, teilweise mehr als überraschende Viertelfinalspiele, die mit drei

Rekorden einhergingen und als bisherige Höhepunkte die sechs

Vorschlussrundenmatches.

 

Dass bei all dieser Hektik auch

die Schiedsrichter in die Diskussion rücken, ist nur normal. Zwei Vorfälle waren

in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert. Sowohl im Berliner

Wellblechpalast in Hohenschönhausen, der seine letzte DEL-Saison vor dem

Eisbären-Umzug in die neue o2-World erlebt, als auch in der proppenvollen

Kölnarena fielen Tore, die keine waren.

 

In Berlin erzielten die

Hausherren einen Treffer mit einem „kleinen“ Schönheitsfehler, denn die

Unparteiischen hatten das Match bereits wegen Torraumabseits unterbrochen. Als

Beweis, dass es sich nicht um einen Regelverstoß handelt, war die umstrittene

Szene auf dem Würfel verbotenerweise zu sehen. Doch auch nach Videobeschau

entschieden die Schiedsrichter auf „kein Tor“. Warum? Ganz einfach. Sie hatten

vorher das Match unterbrochen. Damit ist die Scheibe einfach nicht mehr im

Spiel, was ja durch den Pfiff gestoppt wurde. Nachträglich kann aus diesem

Grunde  n i e m a l s  ein Tor anerkannt werden.    

 

In Köln wurde bei einer ähnlichen

Szene die Partie ebenfalls unterbrochen. Erst nach Ertönen des Pfiffes fand die

Scheibe ihren Weg über die Torlinie. Gegner Frankfurt protestierte sogar, weil

die Scheibe laut Ansicht der Gäste noch hätte gespielt werden können. Dabei sind

die Schiedsrichter angehalten, das Spiel sofort zu unterbrechen, wenn sich der

Puck außerhalb ihrer Sicht befindet. Also auch hier eine völlig logische

Entscheidung: kein Tor, weil Scheibe außer Sicht!

 

Ich bin mir völlig sicher, dass

die Entscheidungen, würden wir uns nicht in den Play-offs befinden, nicht anders

gelautet hätten. Tatsachenentscheidungen sind eben Tatsachenentscheidungen, ob

ein paar Rechtsanwälte anderer Ansicht sind oder nicht. Wo kämen wir da hin,

wenn jeder Pfiff, mag er für manches Team noch so schmerzlich sein, zu

Auftritten vor irgendeinem Gericht herhalten müsste. Rudi Assauer, Ex-Manager

des Fußballvereines FC Schalke 04, der einmal seine Rolle als Gastgeber einer

Jahreshauptversammlung der westdeutschen Journalisten spielte, sagte dort dem

Sinne nach: „Fußball lebt von Fehlentscheidungen.“ Es regte sich keine einzige

Gegenstimme, was ich ganz schön befremdlich fand. Ich war versucht zu sagen:

„Eishockey aber nicht“, unterließ es aber, weil ich mich ohnehin allein auf

weiter Flur befand. Nein, soweit sind wir bei unserer Sportart sicherlich nicht,

dass sie von Fehlentscheidungen lebt.

 

Was mir in diesen Play-offs

auffällt, ist der (positive) Trend, dass die Schiedsrichter längst nicht mehr

dem Heimverein gewisse Vorrechte einräumen. Wir wissen alle selbst, dass sie

nach eigenem Empfinden pfeifen, vor allen Dingen nach der optischen Wahrnehmung.

Daneben gibt es für die schwarz-weiße Zunft wie für uns alle auch eine

akustische Wahrnehmung. Wenn, sagen wir, rund 10.000 pfeifen, ist es für jeden

Menschen ganz schwer, stark zu bleiben und das Gehörte zu verdrängen. Ich habe

den (guten) Eindruck, dass sie meist ihre Ohren auf Durchzug stellen und sich

auf das, was sie sehen, verlassen. Und das nötigt meinen Respekt ab.

 

Und noch eines: Der kleine, feine

Unterschied zwischen einem erfolggewohnten Cheftrainer und einem Newcomer im

Halbfinal- bzw. vielleicht sogar „Finalgeschäft“ wurde in diesen Tagen wieder

deutlich. Während der mit allen Hunden gehetzte DEG-Coach Lance Nethery bei

einer Pressekonferenz sinngemäß

sagte, dass er alle Strafen, die gegen sein Team im Spiel ausgesprochen wurden,

korrekt gewesen seien, zetert sein Kölner Kollege Doug Mason in verschiedenen

Tageszeitungen der Domstadt über die Schiedsrichter. Dabei sind die

Schwarz-Weißen doch auch nur Menschen und machen sich bestimmt ihre Gedanken,

besonders bei kniffligen Situationen.

 

Hoffen wir, dass unser Eishockey

weiterhin ohne Fehlentscheidungen leben kann!

Werner Nieleck 

 


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