Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Neulich fiel mir vor Schreck

beinahe die Kaffeetasse aus der Hand. Da sagte doch tatsächlich ein gestandener

DEL-Crack (ich verschweige sowohl den Namen des Spielers als auch jenen des

Radiosenders) sinngemäß während eines Interviews, dass er und seine

Teamgefährten jetzt wissen, worauf es ankommt. Jetzt, kurz vor den Play-offs

(für die sich der in Rede stehende Spieler mit seinem Verein übrigens

qualifiziert hat) und nach rund 50 Punktspielen wusste er zumindest, worauf es

ankommt. Das ist entweder Blödheit oder Arroganz. Ich war so perplex, dass ich

mich nicht einmal mehr erinnern kann, ob der Moderator ein paar spitzfindige

Fragen zu diesem Zitat nachlegte.

 

Ich möchte nicht wissen, wie

viele Fans diesen bemerkenswerten Ausspruch mitbekommen haben und wie viele

Kaffeetassen tatsächlich den Boden aufgesucht haben, weil deren Halter die

Muskeln versagten. Die Interessenten, die Woche für Woche (bei dem lächerlichen

Spielplan war der Ausdruck „Woche für Woche“ ein bisschen deplatziert) ihren

Eintrittspreis entrichten, sie haben zu wissen, auf was es kommt: Sie müssen

nämlich, falls sie keine Dauerkarte besitzen, vor den Kassen ihr meist sauer

verdientes Geld abdrücken, um in den „Genuss“ des Zuschauens zu kommen. Sie sind

wenigstens motiviert genug gewesen, zu jedem Match die Stadiontore oder andere

„Checkpoints“ zu passieren. Bei einigen Akteuren scheint das nicht der Fall zu

sein. Sie haben ihre Verträge, und damit ist es vorerst genug, bis derjenige

Akteur (oder soll man nicht lieber sagen „Passeur“) sich wieder motiviert genug

fühlt, um für das neue Papier oder deren Verlängerung zu kämpfen.

 

Motivation muss doch in

ausreichendem Maße vorhanden sein, wenn er den Kontoauszug mit den hohen

Beträgen überprüft. Dieser sagt ihm jedesmal, dass er wesentlich mehr „verdient“

als ein normaler Arbeitnehmer, der im übrigen so motiviert an seinen Job

herangehen muss, dass ihm keine Probleme an seinem Arbeitsplatz bereitet werden

und er möglicherweise sogar fliegt.

 

Am letzten Wochenende habe ich

die beiden Tabellenletzten der Liga gesehen, die ja bekanntermaßen nicht

absteigen können. Was die zahnlosen Tiger aus Niederbayern und die

(arbeits)scheuen Füchse aus dem Ruhrgebiet geboten haben, war weiß Gott

erwähnenswert. Ich möchte keinem der Aktiven zu nahe treten, und es waren

beileibe nicht alle Cracks im Tigerfell und Fuchspelz, die Dienst nach

Vorschrift machten. Aber die Spielweise dieser beiden Teams fiel halt auf. Die

Füchse hatten keine Chance mehr, die in Duisburg zur Tradition gewordene Rote

Laterne abzugeben, und Straubing war der Aufenthalt im Westen (man gastierte am

Freitag zuvor ausgerechnet in Duisburg) wohl ein bisschen zu fad geworden. Ich

redete in diesem Zusammenhang über das Thema „Motivation“ mit einem

Nordamerikaner, für den dieses Wort ohnehin nicht existiert. Er wollte

offensichtlich gar nicht verstehen, was ich meinte. „Ob man Letzter ist oder

nicht, man muss doch kämpfen. Eishockey bedeutet ´harter Kampf´“, schloss er

seine Ausführungen.

 

Es ist nur schade, dass es leider

nicht ganz wenige Akteure gibt, die sich nicht einmal in den drei mal 20 Minuten

zusammenreißen können.

 

Bei diesem Radiointerview, und

nicht nur dort, fiel mir noch etwas auf: Es wird immer von Medienpartnern eines

Vereins geredet. Aber wenn man Partner ist, fällt es doch schwer, kritisch über

den anderen zu reden bzw. zu berichten. Ist das denn überhaupt noch mit einer

ausgewogenen Beurteilung in Einklang zu bringen? Ich will hier um Gottes Willen

keinem Kollegen auf die Krawatte treten, aber wie geht das vonstatten? Müssen

die Medienpartner anstatt negativer Kritik die Faust in der Tasche machen und

sich quasi selbst den Mund verbieten? Ich kann mir gut vorstellen, dass hier

auch eine gewisse Art von Zensur vorherrscht. Will sich der Fan geschönte

Beiträge zu Gemüte führen oder eine neutrale Berichterstattung konsumieren? Das

dürfte die Kernfrage sein.

Werner Nieleck