Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Ein würdiger Rahmen im

altehrwürdigen Wellblechpalast zu Berlin-Hohenschönhausen, wo sich einst die

beiden Dynamo-Teams Jahr für Jahr um den DDR-Titel stritten, und das manchmal im

wahrsten Sinne des Wortes, ein würdiger Pokalsieger mit dem Dynamo-Nachfolger

EHC Eisbären Berlin, ein würdiger Abschluss eines nur ein paar Jahre dauernden

Wettbewerbs? Nein, soweit sollte es nun doch wirklich nicht kommen!

 

Die ganz Alten, zu denen ich mich

auch zähle, mögen sich daran erinnern, dass sogar im Fußball, der in unserer

Republik sportlich mit Abstand den Ton angibt, der Pokal-Wettbewerb zu Anfang

mehr oder weniger nebenher lief. Erst als keine Endspiele um die Meisterschaft

wegen Gründung der Bundesliga mehr ausgespielt wurden und die Meisterschaft

mitunter bereits Wochen vor Saisonende feststeht, bekam der Cup eine andere,

höhere Wertung. Nun, beim Eishockey wird dies nie der Fall sein, weil diese

Sportart, Gott sei Dank, von den Play-offs lebt, eine Saison ohne Finalserie

also undenkbar wäre. Doch sollte deswegen der Pokal aus dem

Veranstaltungskalender (oder muss ich sagen „Event Calendar“?) herausgenommen

werden? Ich meine, nein.

 

Der jüngst vorgeschlagene Modus

mit acht Turnieren erscheint mir (und hoffentlich nicht nur mir) als

praktikabel, spektakulär und auch gewinnbringend. Acht Turniere à vier Teams

(jeweils zwei DEL-Vereine und zwei unterklassige), möglichst zeitgleich, gehen

in acht Zweit- und/oder Drittligaspielorten über die Bühne. Das wäre sicherlich

ein Spektakel für jedermann. Der jeweilige Sieger darf sich Viertelfinalist

nennen. Wenn zum Beispiel in Heilbronn neben Schwenningen auch noch Mannheim und

Frankfurt auflaufen würden, wäre dies sicherlich ein Klasseturnier mit vielen

Zuschauern. Natürlich wird es wegen der geografischen Nähe (oder wegen des

Fehlens einer solchen) wieder Härtefälle geben, aber die ganze Geschichte dürfte

sicherlich attraktiver sein als jetzt, wie es mit reinem Losentscheid und nur

einem Spiel der 1. Runde praktiziert wird.

 

Und vielleicht könnte man sogar

auch die Viertelfinals in Turnierform abwickeln. Beispielsweise übernähmen die

beiden jeweils punktbesten Vereine der 1. Runde die Rolle des Gastgebers, damit

bereits von Anfang an reichlich Motivation für alle Beteiligten vorhanden ist.

Dabei sollte auch hier das Teilnehmerfeld nach geografischen Gesichtspunkten

zusammengestellt werden. Die Fans, die speziell in dieser Spielzeit mit dem

„einmaligen“ Spielplan veralbert wurden, sollten schließlich auch von diesem

Wettbewerb profitieren. Zwei Spiele müssten die Viertelfinalisten nach

Erstellung des DEL-Spielplanes (vielleicht schafft es sogar ein ESBG-Mitglied)

im Nachhinein verlegen. Das wäre sicherlich nicht das Schlimmste, was der

Liga  passieren könnte.

 

Alles in allem wären das zwei

Wochenenden, die bestimmt gutes Eishockey versprechen würden. Denn immerhin geht

es schon im zweiten Turnier um die Finalteilnahme, und da dürften sich sogar

gestandene DEL-Teams motiviert genug fühlen. Wie das Endspiel auch in diesem

Jahr wieder zeigte, zählt der Titel trotz allem noch genug, auch wenn es „nur“

der des Pokalmeisters ist und sich dazu auf dem Briefbogen gut ausmacht.

Immerhin wären wir dann von den ungeliebten Wochentagsspielen noch ein gutes

Stückchen mehr weg, unabhängig davon, dass auch der neue DEL-Spielplan keine 60.

Spieltage mehr vorsieht.

 

Wir betreten mit der Einführung

der lukrativen CHL international Neuland, warum sollten wir dies nicht auch auf

nationaler Ebene tun? Vielleicht findet sich ja sogar ein Sponsor. Es muss ja

nicht direkt ein russischer Milliardär sein.

Werner Nieleck 

 

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