Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die DEL hat nachgelegt, was ich

gut finde: Die Play-offs werden bei uns im Vier-Mann-System geleitet. Zwei

Spieltage vorher wird das System installiert, damit sich die Beteiligten daran

gewöhnen. „Chef“ Holger Gerstberger: „Wir wollen ein Stück der Brisanz aus den

Play-offs nehmen.“ Die Entscheidung war schon lange fällig. Denn unsere Sportart

ist in den letzten 30 Jahren erheblich schneller, athletischer und auch

komplizierter (beispielsweise „Schwalbe“ oder nicht) geworden. Und bei haarigen

und schwer überschaubaren Situationen bemerke ich viel zu oft, dass der Mann mit

den Streifen einen oder beide seiner Kollegen ohne Streifen fragt und diese den

oder die Köpfe schütteln.

 

Da fragt sich der Mann mit den

roten Streifen oft genug: „Wo muss ich stehen oder mich befinden? Hinter dem

Geschehen, damit ich die Nickligkeiten mitbekomme, die fernab vom Puck

passieren? Dann könnte ich zu weit weg sein. Direkt beim Spiel, damit ich genau

das Spiel mit der Scheibe verfolgen kann? Dann wird sich vielleicht hinter

meinem Rücken ´gefetzt´.“ Wir hatten einmal einen Unparteiischen in der DEL, der

Bucala hieß und aus Herrischried kam. Er war meist schneller als der Puck, wie

viele seiner Kollegen dessen Laufvermögen einstuften. Stets blitzschnell an der

Scheibe, sah er oft genug die „Nebenkriegsschauplätze“ nicht.

 

Nein, der vierte Mann, besser,

der zweite Unparteiische, ist überfällig gewesen. Ich gebe zu, dass es beim

letzten Deutschland-Cup in Hannover noch recht holprig zuging, als sich vier

Schwarz-Weiße zum ersten Mal nach langer Zeit (vor rund zehn Jahren ist dieses

System über das Versuchsstadium nicht hinausgekommen) wieder dem Publikum

präsentierten. Aber es war ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die

Beauftragten sich schwer taten, mir die verschiedenen Aufgaben zu erklären.

Einer der Beiden (ich verschweige mit Absicht die Namen der Betreffenden)

erzählte etwas von anderen Laufwegen, der Zweite redete vom genauen Gegenteil.

Man sieht: Erklärungsbedarf schien (oder scheint noch) vorhanden zu sein. Zum

besseren Verständnis: Es ist keineswegs so, dass, wie beim Handball, einer für

die verteidigende Mannschaft und der andere für die angreifende zuständig

ist.

 

Eingeführt wurde das

Drei-Mann-System in der Bundesliga-Saison 1976/77. So leitete zum Beispiel der

Bad Tölzer Ex-Torwart (Goalie sagte man damals noch nicht) Willi „Witschi“

Edelmann am 17. September 1976 das Match der Kölner Haie gegen den SC

Riessersee, welches die Rheinländer mit 5:1 gewannen. Diese Zahlen verdanke ich

Hans-Hubert Keßler, dem wandelnden Eishockey-Lexikon. Ich hätte gar nicht

gewusst, wo ich dieses historische Datum hätte nachschlagen können. Zwei Tage

später traten die Domstädter in Düsseldorf an, und da pfiff „natürlich“…

richtig: Schiedsrichter-Legende Josef Kompalla.

 

Schön zu sehen, dass diesmal die

Verantwortlichen in Europa bzw. Deutschland schneller auf die in der NHL

eingeführten Veränderungen reagierten als in der Vergangenheit. Immerhin gab es

dort einen Hauptschiedsrichter seit der Spielzeit 1941/42. Wie bekannt, zog die

Bundesliga erst genau 25 Jahre später nach. Acht Jahre zuvor wurde in der

härtesten Liga der Welt die erste Änderung praktiziert. Da wechselten die

NHL-Verantwortlichen vom Grundsatz „ein Schiedsrichter, ein Linienrichter“ zum

bekannten Zwei-Mann-System, wie es bei uns weiterhin unterklassig und ab der

Altersklasse Jugend gepfiffen wird.

 

Was momentan vielleicht ein

Problem darstellt, ist die mangelnde Anzahl qualifizierte Kräfte. Doch andere

Länder, sogar Eishockey-Nationen schlechthin, scheinen noch größere Defizite zu

haben. Ein Unparteiischer aus der Slowakei hatte freitags vor einigen Wochen in

Krefeld Probleme, Torschützen und Mithelfer zu unterschieden. Zwei Tage später

in Düsseldorf dauerte es eine Viertelstunde, bis er das Match nach einer

Unterbrechung wegen Fouls wieder aufnehmen konnte. Ungefähr zur gleichen Zeit

entschuldigte sich ein finnischer Pfeifenmann in Duisburg gar bei

den Beteiligten, dass er einen ganz miesen Tag gehabt hätte. Die Leistung war

wirklich sehenswert schlecht. Übrigens, solche Schmonzetten hat man aus dem

Ausland noch nicht über unsere Austausch-Schiedsrichter gehört oder gelesen.

Werner Nieleck 

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