Wie ich es sehe - Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

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Ich muss nämlich zuweilen an den Witz denken, nach welchem eine Gastmannschaft mit Verspätung das Stadion in Franken erreichte, weil der Busfahrer (und auch das Navigationsgerät) nicht wusste, wo „Sinupret“ liegt.

Dabei denken die Akteure, die sich der Hauptstadt Frankens nähern, sicherlich nicht an Witze oder ähnliche lustige Begebenheiten. Denn dafür müssen die dortigen „Ice Tigers“ schon seit Jahren zu ernst genommen werden.

In dieser Saison ist es nicht anders: Ein zweiter Tabellenplatz fordert bei der Konkurrenz erneut Respekt heraus. „Wenn man eine Tabelle der letzten sieben Jahre erstellen würde, stünden wir auf dem ersten Rang“, stellt Manager Otto Sykora nüchtern fest. Das ist erstaunlich und nötigt Respekt ab. Die Franken zählen nicht gerade zu den Nabobs der Liga. Trotzdem landeten die Männer aus der Noris seit der Saison 1998/99 nur ein einziges Mal nicht unter den ersten Fünf nach Abschluss der Punktrunde.

Noch einmal Sykora, der im slowakischen Eishockeyort Banska Bystrica geboren wurde und während seiner aktiven Zeit für die Frankfurter Eintracht und den EHC 80 Nürnberg die Schlittschuhe schnürte: „In diesem Sommer brauchten wir zum ersten Mal keine Angst zu haben, unser Team nicht zusammenhalten zu können. Das hat uns Sicherheit in den Play-offs gegeben. Zuvor hatten so ab Dezember die Jungs schon anderswo unterschrieben.“ Er denkt da vor allen Dingen an Jame Pollock (Washington/NHL), Francois Méthot, Tomas Martinec, Pascal Trepanier (alle Mannheim), Brad Tapper (Hannover/Iserlohn), Mike Green (Hannover) und Stéphane Julien (Köln), die das Tigerfell vor zwei Jahren ausgezogen und sich andere Gewänder zugelegt hatten.

Die Einkaufspolitik der Franken bzw. des Gespanns Sykora/(Trainer)Laporte lässt tief blicken. „Ich nehme einmal zwei Akteure als Beispiel“, erklärt der Tigers-Manager. „Bei Ahren Spylo haben wir angeklopft, und er hat, bildlich gesprochen, sofort die Tür aufgemacht. Bei seinen Fähigkeiten verstehe ich einfach nicht, dass andere sich nicht für ihn interessierten. Dmitrij Kotschnew hat in der vergangenen Saison in Iserlohn viel Druck aushalten müssen und ist unter Beschuss geraten. Dabei hat der Junge seine Chance verdient. Jetzt steht er an erster Stelle der Torwartstatistik“, schiebt er süffisant nach.

Dass er keine Landsleute verpflichtete, hält Otto Sykora für einen Zufall. „An Richard Pavlikovsky war ich dran. Aber unser damaliger Trainer Greg Poss hat sich gegen ihn ausgesprochen. Dann habe ich die Finger von ihm gelassen. Und dem Ivan Ciernik konnte ich nur die Hälfte von dem bieten, was er in Köln bekommt.“ Das Verhältnis zu Chefcoach Benoit Laporte? „Er tickt wie ich.“ Denn ganz einfach macht es Sykora, den ich seit rund 20 Jahren kenne, seinen „Untergebenen“ nicht. Dabei ist es ihm auch gleich, ob Trainer und/oder Spieler aus dem Osten oder Westen kommen. Mit Landsmann und NHL-Crack Peter Ihnacak lieferte er sich einst auf einer Heimfahrt nach einem Auswärtsspiel im Bus eine handfeste Auseinandersetzung, wenn den Gerüchten zu glauben ist. Und auch Greg Poss war sicherlich nicht sein bester Freund.

Um nochmals auf den Anfang zurückzukommen: Ich halte nach wie vor den Teamnamen der Ice Tigers für nicht attraktiv, weil die Stadt wie weiland bei den Revier Löwen nicht auftaucht. Der Name selbst besteht aus zwei Bezeichnungen, was sicherlich auch nicht nach Jedermanns Geschmack ist. Sinupret Nürnberg, das wäre in Ordnung, Ice Tigers Nürnberg geht auch. Aber der Name des Sponsors mit einem (dazu auch noch künstlichen) Tiernamen, das ist zuviel des Guten. Den Nürnbergern ist das sicher wurscht. Es zählt der Erfolg, und der ist da.