Wie ich es sehe - Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Das „Saisonsoll“ der Liga, einen einzigen Trainer zu

entlassen, ist seit heute erfüllt, wenn man sich sarkastisch ausdrücken will.

Denn die Füchse Duisburg trennten sich in beiderseitigem Einvernehmen von

Dieter Hegen. Die geschlossene Gesellschaft, die Trennungen von Bandenchefs

während der Spielzeit kaum noch kennt (sicherlich kein schlechtes Zeichen),

verzeichnete in der Vorsaison lediglich einen Wechsel. Bei den Hamburg

Freezers, ohnehin ein Kapitel für sich, kam seinerzeit Bill Stewart für Mike

Schmidt, der als Spieler wesentlich mehr Erfolg hatte denn als Übungsleiter.

Wechsel der Chefcoaches oder gar Hinauswürfe gelten nicht

mehr als zeitgemäß. Im Sommer mussten sich die Fans mit Slavomir Lener

(Düsseldorf) und Rick Adduono (Iserlohn) lediglich zwei neue Gesichter und

Namen merken. Ansonsten blieb alles bei den Alten. Und deswegen ist ein

Trainerwechsel in unserer höchsten Liga etwas ganz Besonderes. Dass es darüber

hinaus auch noch den einstigen Weltklassestürmer Didi Hegen erwischte, der in

seiner sechsten Saison bei den Duisburgern an der Bande stand, ist weiß Gott

nicht stinknormal. Die Verantwortlichen, allen voran Alleingesellschafter Ralf

Pape, wussten von den Qualitäten, aber auch von den Defiziten des gebürtigen

Kaufbeurers. Was hat sie bewogen, in der noch frühen Saison die Pferde zu

wechseln und das Gespann Fritzmeier/Mühlenhaus gegen Hegen/Schmid zu tauschen?

Pape meldete sich heute aus dem fernen Mallorca. „Wir hatten

drei Center an der Angel, darunter Jesse Niinimäki, und einen Verteidiger. Es

hat aus verschiedenen Gründen bei keinem mit der Verpflichtung geklappt.

Deswegen werden wir auf dem Spielersektor bis Anfang November

höchstwahrscheinlich nichts mehr unternehmen. Wir haben nicht schlecht

gespielt, sind aber zur Auffassung gekommen, dass wir etwas unternehmen müssen.

Daher haben wir uns gestern alle zusammengesetzt und sind zu dem Schluss

gekommen, dass wir uns von Didi und seinem Co Udo Schmid trennen und unseren

Manager Franz Fritzmeier als Cheftrainer installieren.“ Bis zur Deutschland-Cup-Pause

Anfang November wolle man in Duisburg, so Pape weiter, ein Fazit ziehen und

sehen, wie es anschließend weitergehe. Vorrangig geht es darum, Platz zehn

nicht aus den Augen zu verlieren.

Das Timing ist trotz der frühen Phase in der Spielzeit

sicherlich nachzuvollziehen. Vor den Duisburgern liegen in den nächsten

Begegnungen Aufgaben, die bei optimalem Verlauf zu meistern sind. Zweimal

Wolfsburg, je einmal Krefeld und Iserlohn heißen vier Gegner der nächsten fünf

Spiele. Dazu kommt, dass Fritzmeier als Kurzzeitcoach keine schlechte

Reputation genießt. Bei den Krefeld Pinguinen verließ er in der Saison

2004/2005 als Interimscoach mit seiner Truppe in sechs Partien viermal als

Sieger das Eis.

Natürlich ist Skepsis angebracht, ob sich der Erfolg

einstellt. Schließlich handelt es sich bei Duisburg um ein Team, was seit der

Aufnahme (ich vermeide das Wort „Aufstieg“) in die DEL stets die Rote Laterne

in den Händen hielt oder sich zumindest in Sichtweite davon befand. Aber

vielleicht bewirkt der umtriebige Isarwinkler einen Schub und führt die Füchse

aus ihrem Bau (mit Blick auf die Zustände in der Halle auch als Feuchtbiotop zu

bezeichnen) heraus.  

Aus diesem Grunde bin ich der Meinung, dass Pape richtig

gehandelt hat. Wenn schon Trainerwechsel, dann jetzt und nicht später, wenn

ohnehin kaum noch etwas zu retten ist. Dass Fritzmeier keine leichte Aufgabe

hat, weiß er selbst. Schade nur um Dieter Hegen, dem keine lange

Arbeitslosigkeit zu gönnen sei.

Werner Nieleck 

 


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