Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Na, lieber Leser? Geht es Ihnen genauso wir mir? Hat Sie

auch das erste Wochenende umgehauen, was Überraschungen und sogar Sensationen

anbelangte?

Womit soll man anfangen, womit aufhören? Das 9:10 der

Iserlohn Roosters gegen die fränkischen Fabeltiere (oder haben Sie schon mal

einen Eistiger gesehen?) aus Nürnberg bedeutete sogar Torrekord in Deutschlands

Vorzeigeliga. Der mit großen Vorschusslorbeeren bedachte Rooster-Keeper Norm

Maracle hatte bereits nach dem 0:3 die Faxen satt und nahm auf der Bank Platz.

„So etwas habe ich noch nicht gesehen“, war Hauptschiedsrichter Daniel

Piechaczek noch Stunden nach dem Match völlig hin und weg. Sein engagierter

Linesman Robert Schelewski mit einem breiten Grinsen im Hinblick auf die Länge

des Matches wegen der ständigen Unterbrechnungen: „Schade nur, dass wir keine

Überstunden bezahlt bekommen.“ Es war ohnehin ein Tigerwochenende, denn die

„richtigen“ Raubkatzen aus dem niederbayerischen Straubing machten es ihren

Fabel-Artgenossen nach und ergatterten das Punkte-Optimum aus den beiden ersten

Spielen, wobei beide Male die Iserlohner die Gegner waren. Die „Kampfhähne“

werden wohl in nächster Zeit auf Misthaufen oder sonstwohin flüchten und nur

ganz leise krähen, wenn das Wort „Tiger“ fällt.

Was halten Sie von der (noch nicht aussagefähigen) Tabelle?

Da zieren die Adler Mannheim doch tatsächlich das Ende der aktuellen Hitliste.

Am nächsten Freitag kommt es daher zum Kellerduell Hamburg gegen Mannheim,

einfach unglaublich! Wie sagte noch vorige Woche DEG-Manager Lance Nethery, der

von Tabellen in der Anfangsphase überhaupt nichts hält? „Hoffentlich sind wir

am Freitagabend nicht Letzter, denn gegen Mannheim kann man schließlich

verlieren.“ Neuling Wolfsburg zeigte seinen Januskopf. In Krefeld wagten sich

die Niedersachsen vor lauter Ehrfurcht vor der neuen Umgebung kaum über die

eigene „Blaue“; zwei Tage später jedoch wachten die Grizzlys endlich aus ihrem

Sommerschlaf auf, zeigten die Zähne und bissen sich gegen die Haie von 0:3 auf

4:3.

Das Schönste: einige Partien hatten bereits ein erstaunlich

hohes Niveau. Jedermann schwärmte von der Partie der Düsseldorfer gegen

Mannheim. Großes Lob gab es auch für die Kölner, die beim Auftaktmatch gegen Hamburg

Eishockeykunst vom feinsten zelebrierten. Auf der anderen Seite enttäuschten

die Ingolstädter, die in Duisburg recht pomadig auftraten. Gegen Außenseiter

wie Augsburg und Duisburg nur zwei Punkte, das ist recht wenig. Dass Hamburg

wiederum in den Seilen hängt, ist schon bedenklich. Ob die Anschutz-Leute nach

wie vor zum nichtspielenden Personal einschließlich Manager Borko Capla auch in

Zukunft stehen? Immerhin hieß der herausragende Spieler des Wochenendes Ahren

Spylo, der in der Vorsaison noch den Freezer-Dress trug. Unter dem Strich: Das

erste Wochenende hat Lust auf mehr gemacht, keine Frage!

Bei all den positiven Begleiterscheinungen fällt daher nur

am Rande ins Gewicht, dass der DEL-Live-Ticker seinem Namen nicht gerecht wurde

(Interessenten drangen kaum durch, und die Aktualisierungen ließen zu wünschen

übrig), der DEB nicht in der Lage ist, die Spielpläne der Junioren-,

Jugend- und Schüler-Bundesliga (Gruppe Nord) auf seine Internetseite zu

bringen, obgleich seit mehr als zwei Wochen schon gespielt wird, der Stadionsprecher in Duisburg weiterhin die Namen der

Gäste ins Mikrofon murmelt und ein Verstehen, besonders auf der Pressetribüne,

nach wie vor unmöglich macht. Dringende Appelle Richtung Pressesprecher werden

stets freundlich aufgenommen, bezwecken aber augenscheinlich das Gegenteil.

Und noch eines: Mein langjähriger Freund Viktor Knoll,

der  a l l e  Weltmeisterschaften seit 1977 erlebte (wer kann das

schon von sich behaupten?) und auch bei einigen Olympischen Winterspielen

präsent war, ist in diesem Sommer gestorben. Nicht wenige Fans und Freunde

werden ihm ein Andenken bewahren.