Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Sie, liebe Fans und Leser,

kennen das: Da wird eine Pressekonferenz ins Stadion übertragen und Sie treten

wieder einmal frustriert (vielleicht hat Ihr Team auch noch verloren, das ist

dann doppelt schlimm) den Heimweg an. Nehmen wir einmal ein nicht nur für den

Fan furchtbares Match, welches vor Langweile geradezu zum Schlafen verführte

und in welchem Torszenen Mangelware blieben: Der Trainer gratuliert seinem

Kollegen zum Sieg, bescheinigt seiner Truppe, dass sie in einem guten Spiel

leider glücklos gekämpft habe, wird dann noch ein paar „nette“ Bemerkungen

Richtung Schiedsrichter los und übergibt anschließend seinem Kontrahenten (den

er in der Regel gut kennt, weil die DEL schon seit einigen Jahren zum

Saisonbeginn wenige neue Bandenchefs hat) das Mikrofon. Dieser bedankt sich für

die Gratulation, spricht seinen Jungens ein Kompliment aus, vergisst nicht, dem

Gegner Respekt zu zollen, wünscht seinem Gegenüber alles Gute für die Zukunft

und verabschiedet sich. Auf die Frage des Moderators nach Wortmeldungen herrscht

meist eisiges Schweigen. Das bringt Sie manchmal auf die Palme, weil Sie in den

meisten Fällen meinen Kollegen Desinteresse unterstellen.

Das ist nicht ganz richtig,

denn was sollen wir fragen, ohne dass es in diesem Falle bei der verehrten Konkurrenz

auch nachzulesen ist? Sie müssten sich diese Pressekonferenz als ein Spiel in

drei Dritteln (da sind wir wieder beim Thema) vorstellen. Erstes Drittel: siehe

oben, (Gratulation, Respekt, „tough game“, Kompliment); zweites Drittel: die

Medienvertreter bewegen sich nach der offiziellen Pressekonferenz Richtung

„ihres“ Trainers und gehen mehr ins Detail; Schlussdrittel: man schnappt sich

Trainer, Manager, Co-Trainer oder einen anderen wichtigen Menschen und hat ihn

ganz für sich allein. Dann gibt es manchmal noch eine „Verlängerung“ (für

Leute, die den Ausdruck nicht verstehen: ich meine die Overtime). Da geben die

Zuständigen schon einmal Geheimnisse preis, die sich nicht gern wiederlesen

möchten, sondern nur zum besseren Verständnis des soeben Gesagten dienen. Die

allermeisten Kollegen halten sich auch an die Bitte und behandelt die Aussagen

vertraulich. Und genau deswegen gehen Sie, ohne wichtige Informationen über das

Mikrofon erhalten zu haben, nach Hause. Aus vorgenannten Gründen bitte ich Sie,

auch im Namen der meisten meiner Kollegen, um Ihr Verständnis. 

Scorpions-Trainer Hans Zach

ist ein Musterbeispiel für den Ablauf der Pressekonferenz, die eigentlich

„Traineranalyse“ heißen sollte, denn eine Konferenz ist die Veranstaltung

sicherlich nicht. So gut wie stets bescheinigt der Isarwinkler auch im Falle

einer Niederlage seiner Mannschaft, dass sie mit hocherhobenem Haupt die

Eisfläche verlassen könne, weil sie um jeden Zentimeter gekämpft habe. In der

Kabine wird die Beurteilung sicherlich deftiger ausfallen, aber nach außen hin

stellt sich der Isarwinkler in der Regel vor seine Truppe. Das grenzt natürlich

an Veralberung des Publikums, stärkt aber das Zusammengehörigkeitsgefühl

innerhalb des Teams. Viele Kollegen sind schon allein deswegen auf den

ehemaligen Bundestrainer nicht besonders gut zu sprechen.

 Da fällt mir eine nette, aber

eigentlich zum Nachdenken anregende Geschichte ein: Ein Fast-Neuling in der

Branche (ich verschweige seinen Namen, weil er mittlerweile eine höhere

Stellung bekleidet und ich ihn nicht bloßstellen möchte) brüstete sich einmal

damit, dass der damalige Bundestrainer George Kingston eine, seinem Empfinden

nach, zusätzliche Pressekonferenz „nur mit ausgesuchten Leuten“ abgehalten

hatte und diesen dann die entsprechenden Informationen vermittelte. „Du, der

Kingston hat die PK (Pressekonferenz/Anm.d.Red.) nur für mich und ein paar

andere gemacht“, erzählte er stolz meiner Frau Peggy, die als Fotografin auch

schon eine Reihe von Dienstjahren auf dem Buckel hat. „Nee, das ist völlig

normal bei einer Pressekonferenz“, beschied sie ihn grinsend, wohl wissend,

dass der damalige Kollege von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte und dies

noch, wenn auch ohne jede Sachkenntnis „getrübt“, kundtat.

 Werner Nieleck


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