Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Sommer 2007: Ein selbstbewusster Haie-Chefcoach Doug Mason

erläutert den rund 40(!) Medienvertretern während der schon traditionellen Pressekonferenz,

die stets vor dem offiziellen Fototermin stattfindet, die Vorzüge seiner

Mannschaft und gibt Einblick in seine Prognosen bezüglich der anstehenden

Spielzeit. Mason hat vier Titelfavoriten präsent. Meister Mannheim, („die

Mannheimer haben nur zwei neue Spieler und außer Robinson alles behalten“),

Düsseldorf, („sie haben sich vor allen Dingen in der Defensive mit Peter

Ratchuk und Andy Hedlund gut verstärkt“), Hamburg („sie haben ihre Schwächen im

Powerplay an der blauen Linie ausgebügelt") und natürlich „seine“ Haie („wir

haben in Intelligenz und Technik zugelegt und müssen zehn bis 15 Tore mehr

schießen als in der Vorsaison“). Der Mann mit den zwei Staatsangehörigkeiten

(niederländisch und kanadisch) hat offenbar den Sprung vom Übungsleiter eines

Außenseiterklubs in die Beletage der DEL-Trainergilde geschafft.

 

Dabei fing alles nicht gerade optimal für den Mann mit dem

Don-Camillo-Aussehen an. Als Notstopfen musste er vor rund neun Jahren in

Krefeld herhalten, als der eigentlich schon unter Vertrag stehende finnische

Erfolgscoach Alpo Suhonen, den der damalige Manager Rüdiger Noack stolz während

der WM in der Schweiz präsentierte, sich Richtung NHL veränderte und den

Rheinländern das Nachsehen gab. Für den Weltbürger Suhonen kam einer, der zwar

in Kanada geboren wurde, die allermeiste Zeit seiner Karriere in den

Niederlanden verbrachte, und zwar sowohl auf dem Eis, als auch an der Bande.

Und das Oranje-Team gehört nun bestimmt nicht zu den besten Adressen in der

Eishockey-Welt. Daher wurde Mason, der auch noch zu allem Überfluss mit Tommie

Hartogs einen Landsmann im Gepäck hatte, in Krefeld nicht gerade mit offenen

Armen empfangen, und es dauerte lange, bis der Mann mit dem Rudi-Carell-Deutsch

von den meisten schwarz-gelben Verantwortlichen akzeptiert wurde. Dass er

hinterher (zusammen übrigens mit seinem Vorgesetzten Noack) entlassen wurde,

hatte weiß Gott nichts mit den fehlenden Qualitäten von Doug Mason zu tun. Denn

als sich Stammtorwart Roger Nordström verletzte und vom 42-jährigen Oldtimer

Karel Lang ersetzt werden musste, war in Masons dritter Saison der

Play-off-Platz und sein Arbeitsplatz in der Seidenstadt dahin.

 

Die Iserlohner zögerten lange, bis sie, aufgeschreckt durch

den Fehlgriff mit Dave Whistle (Whistle heißt bekanntlich „Pfeife“), zu Anfang

der Saison 2003/4 auf den akribischen Arbeiter zurückgriffen, der den

Sauerländern schon vorher von Fachleuten empfohlen wurde. Mit seinem Engagement

in Köln vor einem Jahr eröffnete sich ihm eine neue Welt, denn schließlich

zählte das Umfeld in Krefeld und Iserlohn die Siege, während in der Domstadt,

entsprechend der allgemeinen Erwartungshaltung, nur die Niederlagen von Belang

sind.

 

Der Ehemann einer Krankenschwester, der von seiner Frau Mia

einmal sagte, dass sie ihren Beruf beibehalten solle, weil er nicht wüsste, wie

lange er Trainer bleiben kann, hat eine Menge in seiner DEL-Laufbahn

hinzugelernt. Als ihn einmal während einer Pressekonferenz ein Besserwisser mit

einer entsprechenden Bemerkung störte, war er sich nicht zu fein, um mit

blanken Fäusten diese Person zu attackieren. Nur mit Mühe konnte der

aufgebrachte Mason zurückgehalten werden, sein boxerisches Können zu

demonstrieren. Diese Zeiten sind längst vorbei, und der Haie-Coach kämpft jetzt

mehr mit den Sprechwerkzeugen als mit den Fäusten.

 

Als ich ihn in der Vorsaison während eines DNL-Matches auf

der Tribüne traf, ließen wir die Dienstzeiten seiner Kollegen Revue passieren.

„Mensch, Werner, ick ben hinter Hans (Zach/Anm.d.Red.) die Nummer zwei“,

entfuhr es ihm. Wer weiß, wohin der Weg des Mannes aus Sudbury (Provinz

Ontario) noch führen wird.

 

Werner Nieleck - Foto by City-Press


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