Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck

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Noch heute stolperte ich wieder über das furchtbare „Denglisch“. „Die Mannschaft wird für ein Off-ice-Foto zur Verfügung stehen“, las ich in einer Pressemitteilung eines DEL-Klubs. Gerade in unserer Sportart wimmelt es nur so von englischen Ausdrücken. Manchmal basteln wir uns sogar selber welche, die weder im Vereinigten Königreich, noch in Nordamerika verstanden werden, wie zum Beispiel den „goalgetter“. Doch kommen wir zurück zu jenen Ausdrücken, die durchaus in Deutsch wiedergegeben werden können. Da ist von einem „Back-up-Goalie“ die Rede (neulich sagte einer zu mir, er wäre „Back-up-Sprecher“). Der Ausdruck „special teams“ ist auch sehr gebräuchlich oder, wie sich ein Fernsehreporter ausdrückte, er hätte kein „update“. „Penaltykilling“, „Powerplay“ (obwohl das Überzahlspiel manchmal ganz ohne „power“ geschieht), Referee oder zum Beispiel Assists sind Wörter, die ganz einfache deutsche Entsprechungen besitzen. Ich habe schon gehört, dass mir einer etwas, wenn er ganz vertraulich sein möchte, „out of records“ erzählen will, wobei er sicherlich „off records“ meinte (Warum er nicht „im Vertrauen“ sagt, ist mir ein Rätsel.)

 
Müssen gerade wir, die wir unsere Sportart dem Kunden näherbringen (oder zumindest wollen), uns unbedingt fremdländisch ausdrücken? Wir haben doch alle Deutsch gelernt und sollten daher unsere Muttersprache auch anwenden. Gerade Deutsch hat so viele Facetten, mit denen auch die allerfeinsten Unterschiede dem Publikum nähergebracht werden können. Ich habe nichts gegen irgendwelche Ausdrücke, so sie denn nicht zu vermeiden und bei uns quasi eingebürgert sind, wie „Foul“, meinetwegen auch „Bully“ (obwohl wir durchaus „Einwurf“ sagen und schreiben könnten) oder „Penalty“ für „Strafschuss“. Andere Nationen, besser gesagt, Sprachen, übernehmen nicht ohne weiteres die Weltsprache Nummer eins. Als ich vor ein paar Wochen eine Direktübertragung im ungarischen Fernsehen sah, stand oben links das Wort „elö“. Das bedeutet „lebend“, und ich brauchte ein paar Minuten, bis ich auf den Trichter kam, dass die Pusztasöhne damit „live“ meinten.

 
Was mich in diesem Zusammenhang auch stört, ist die Tatsache, dass die Namen jener Spieler, die aus Ländern mit kyrillischer Schrift kommen, mit englischer Transkription geschrieben werden. Mir fällt dabei stets der Name des sympathischen Nürnberger Stürmers Wadim Schachrajtschuk ein. In englischer Transkription hieß er „Shakhraichouk“, was ein normaler Deutscher, der des Englischen nicht mächtig ist, kaum aussprechen kann. Dabei wird sich nicht einmal entblödet, jene künstlichen Buchstabenverbindungen zu benutzen, die bei uns überflüssig sind. Für den Rachenlaut haben wir die Verbindung „ch“. Da dieser Laut im Englischen nicht existiert, wird die Buchstaben-Verbindung „kh“ benutzt. Mit anderen Worten: wir äffen etwas nach, was wir, die wir deutsch sprechen und schreiben, gar nicht nötig haben. Und dass wir für die Aussprache „tsch“ die Kombination „ch“ anstatt dieser vier Buchstaben benutzen, will mir einfach nicht in den dicken Schädel.

 
Und zum Schluss: Fluss-, Städte- und Gebirgsnamen werden oft, vor allen Dingen wenn es sich um jene aus Mittelosteuropa handelt, in deren Landessprache geschrieben. Jahrhundertelang wurde die deutsche Bezeichnung verwendet, teilweise gehörten diese sogar zu Deutschland. Mitunter ist die Aussprache so lächerlich, dass ein Einheimischer gar nicht weiß, dass es sich um diese oder jene Stadt handelt. Wenn da „Wroclaw“ wie Wrocklaw („Wrotzuaf“ ist die richtige Aussprache) ausgesprochen wird, weiß man schon, wessen Geistes Kind der- oder diejenige Person ist. Das hat nichts mit Revanchismus, Nationalismus oder irgendeinem anderen –ismus zu tun. Wir sagen schließlich auch nicht „Roma“, „Firenze“ oder „Genova“, weil wir seit Jahrhunderten hierfür deutsche Ausdrücke haben.

 
In dem Sinne: Let´s speak and write “Doitsh”!

Werner Nieleck