Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

War es purer Zufall oder gar ein

Fingerzeig dafür, wie sich die Dinge in unserer DEL entwickeln? Wird gar „Go

East“ zum griffigen Slogan für die nahe Zukunft? Immerhin verpflichteten

innerhalb weniger Tage die rheinischen Rivalen Köln und Düsseldorf völlig

untypisch für ihre sonstige Vereinspolitik zwei tschechische Cracks. Während den

Haie-Dress der 28-jährige Böhme mit dem hübschen ungarischen Namen Kamil Piros

überstreift, wird der zwei Jahre ältere Mährer Robert Kantor in den

traditionellen rot-gelben DEG-Farben verteidigen. Mit ganz wenigen Ausnahmen

haben zumindest in der jüngsten Vergangenheit beider Vereine Akteure aus dem

Osten keine Rolle gespielt, im Falle der Tschechen auch aus geografischen

Gründen. Die Ära Gordijuk/Kudaschow war bei Düsseldorf ebenso Episode wie in

Köln das Auftreten (damals aus schnöden finanziellen Gründen) des Duos

Chaidarow/Dorochin. Dass es seinerzeit in Essen mit der Anhäufung tschechischer

Spieler nicht klappte, hatte eher etwas mit der sportlichen Leitung denn mit der

Leistung der Akteure zu tun. Der gleiche Grund darf im Fall Duisburg angeführt

werden, wo die Russen den DEL-Ansprüchen nicht genügten.

 

Dabei wechselte noch vor einem

Jahr Supertechniker Jan Alinc, aus welchen Gründen auch immer, von Köln ein paar

Kilometer rheinabwärts nach Krefeld. Dort spielte er bis zu seiner Verletzung

ligaweit eine hervorragende Rolle, führte gar die DEL-Scorerliste an. Da mag

sich bestimmt schon mancher Kölner Entscheidungsträger seine eigenen Gedanken

gemacht haben. Doch auch in Düsseldorf setzte man viel lieber fast

ausschließlich auf Nordamerikaner.

 

Auch bei der Besetzung der

wichtigen Torwartpositionen ließen die Neuzugänge aufhorchen. Zwar

unterschrieben in Iserlohn und Köln (schon wieder Köln!) mit Norm Maracle bzw.

Travis Scott zwei Nordamerikaner die entsprechenden Kontrakte, doch beide

hielten in der Vorsaison bei Magnitogorsk bzw. Omsk ihre Kästen mehr oder

weniger sauber. Ich persönlich bin gespannt, was sich in Hannover noch tun wird,

wo Chefcoach Hans Zach oft genug aus seiner Abneigung gegen Osteuropäer (mit

Ausnahme von Russen) keinen Hehl machte.

 

Der große Trend Richtung Osten

ist sicherlich nicht zu erkennen, aber immerhin scheinen die Chefeinkäufer das

Motto „ein Eishockeyspieler hat aus Nordamerika zu kommen“ zu den Akten gelegt

zu haben. Auch die neue Regelauslegung kommt den Europäern zugute. Ein

Verteidiger, der die überseeischen kleinen Eisflächen gewohnt ist, hat

beispielsweise angesichts der größeren Spielfelder halt die berühmten ein, zwei

Schritte mehr zu machen, bevor er auf seinen Kontrahenten trifft. Ein

Nordamerikaner ist daher öfter als ihm lieb ist, nicht schnell genug „am Feind“,

und es ist nicht selten, dass er dann zu verbotenen Mitteln greift. Das ist oft

genug mit eigener Unterzahl und Gegentoren verbunden.  

 

Was es allerdings noch schwerer

macht, gute, besser DEL-fähige Akteure aus Übersee zu bekommen, ist wohl die

Absicht, die Minors (Profiligen unterhalb der allgewaltigen NHL) mit drei

zusätzlichen Vereinen an den Start gehen zu lassen. In dem Falle würde der Markt

rund 90 Cracks aufsaugen wird, die sich vornehmlich aus Kanada/USA rekrutieren

würden.

 

Letztendlich sei die Frage

erlaubt, ob es tatsächlich so wichtig ist, welcher Provenienz die von den Fans

vergötterten oder verdammten Akteure entstammen. Solange die Kufencracks mit

Herz spielen, sind sie stets bei uns willkommen und können sogar mit dem Verein

identifiziert werden. Nehmen sie anderen jedoch nur den Futterkorb weg, haben

die Manager (und leider auch die Fans) mit Zitronen gehandelt.  

Werner Nieleck


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