Wie ich es sehe… Die Hockeyweb-Kolume von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Es ist schlimm, lieber Leser, was mit und um Fußball-Nationaltorwart

Robert Enke passierte. Auch ich empfand Trauer und Mitgefühl mit der Familie.

Ganz sicher bin ich mir, dass das Thema „Depression“ jetzt und in

Zukunft sensibler behandelt wird als zuvor. Im Bayerischen Fernsehen gab

gestern Augsburgs Manager Max Fedra als Betroffener eine Beurteilung ab, die zweifellos

nicht nur ich gut nachvollziehen konnte.

 

Trotzdem: Unbehagen bleibt, und zwar vor allen Dingen Unbehagen über

den Rummel, der in fast allen Medien tagelang mitunter auf reißerische Art

gemacht wurde. Jeder meldete sich zu Wort, jeder gab irgendwelche Kommentare

ab, ob sie nun ernst gemeint waren oder ob sie nur dazu dienten, auch etwas

gesagt zu haben. Wir dürfen bei all dem nicht vergessen, dass Robert Enke, aus

welchen Gründen auch immer, freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

 

Wie geht es eigentlich dem Lokführer, der jetzt damit leben muss, ein

Menschenleben quasi auf dem Gewissen zu haben? Hat sich darüber schon einer

Gedanken gemacht? So ist es halt: Der Lokführer war nicht prominent, das ist

sein Schicksal. Und deswegen ist er für die Allgemeinheit nicht wichtig genug. Mir

sagte nach einem tödlichen Unfall eines Formel-1-Rennens einmal ein Bekannter,

der keineswegs als zynisch einzustufen ist, sondern sogar als sehr

gottesfürchtig gilt: „Ach Werner, das war Gott sei Dank nur ein

Streckenposten, der gestorben ist, und kein Fahrer.“

 

Vor Jahren nahm sich ein Linienrichter das Leben. Dieser („linesman“

muss man ja wohl im Eishockey sagen) war ein wandelndes Regelbuch. Ihm

verdankte ich mehr oder weniger meine vielleicht ein bisschen über dem

Durchschnitt liegenden Regelkenntnisse. Zu seiner Beerdigung kamen ein paar

Kollegen, in NRW wurde er mit einer Gedenkminute bedacht. Des weiteren kenne

ich auch einen Eishockeyspieler, der wegen Depressionen seinen Beruf als

DEL-Crack nicht mehr ausüben kann. Mehr als eine Fußnote in der Geschichte

unserer Sportart war auch diese Episode nicht wert.

 

Mich berührte heute morgen viel mehr eine Meldung, die besagte, dass

täglich 17.000 Kinder vor Hunger sterben. Das sind alle fünf(!) Sekunden eines,

macht in Summe sechs Millionen pro Jahr. Und diese Kinder gehen nicht

freiwillig in den Tod. Verstehen Sie mich richtig, ich verurteile keineswegs

den Freitod des Robert E., sondern nur die Art, wie größtenteils damit

umgegangen wird und wurde.

 

Jetzt sind wir aber vom Thema „Eishockey“ weitab gekommen.

Dabei war gerade das Wochenende nach der ersten Länderspielpause interessant

genug. Wissen Sie auf Anhieb, wer als einziges Team die maximale Punktzahl

abräumte? Jawoll, die Kühlschränke von der Waterkant, die dem Tabellenende

„tschüüüß“ sagten! 2:1 bei der bisherigen Sensationsmannschaft

Augsburger Panther und daheim 3:2 gegen die unbequemen Sauerländer Kampfhähne.

Ich bin mir sicher, dass die Color Line Arena wieder mehr als die zuletzt

gezählten 6.880 Unentwegten anlocken wird. Die ersten positiven Signale in

puncto Zuschauer (wo die Fans aktiv um das Überleben des Klubs kämpfen) kommen aus

Köln: Immerhin passierten 14.098 Besucher beim Spiel gegen den Meister und

Spitzenreiter Eisbären Berlin die Eingänge der Kölnarena. Nach dem Match hatten

sie sogar allen Grund, ihre Lieblinge zu feiern. Und die Verantwortlichen der

Adler Mannheim durften gegen die bisher enttäuschenden Krefelder 11.323 Fans

begrüßen.

 

Beide Teams müssen am Wochenende übrigens nach Hamburg, die Kurpfälzer

am Donnerstag, die Rheinländer drei Tage später. Kann eines von ihnen die

Miniserie der Schützlinge von Cheftrainer Paul Gardner beenden? Spätestens am

Sonntag gegen Viertel vor Fünf werden wir es wissen.

 

 

 


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