Wie Francois Sills mit Chris Lindberg zauberte75 Jahre Eishockey in Krefeld

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Karel Lang blickt nach oben. „Meine Gefühle“, sagt er kurze Zeit später, „waren gemischt.“ Die Trikots von vier Größen des Krefelder Eishockeys hängen unter dem Dach des König-Palastes. Nun sind Fahnen für die drei Meisterschaften Krefelder Mannschaften und eben für diese vier Spieler hinzugekommen. „Ich bin stolz, dass ich dabei bin“, sagt der Tscheche, der, wenn er so etwas sagt, es auch genauso meint. „Aber ich bin auch traurig, dass ich der einzige dieser Vier bin, der noch lebt. Und ich kannte sie alle.“ Noch einmal schaut er gedankenverloren nach oben. Er denkt an Ulli Jansen und an Lothar Kremershof, deutet aber auf die Fahne des viel zu jung verstorbenen Robert Müller.

Dann dreht sich Karel Lang wieder um. Er lächelt. Und sagt: „Das war ein schöner Abend.“

Die Krefelder Pinguine hatten viel getan, um dem 75-jährigen Jubiläum des Eissports und damit auch des Eishockeys in der Seidenstadt einen würdigen Rahmen zu geben. Höhepunkt war eben dieser Abend mit einem Allstar-Game zwischen einer Krefelder Mannschaft und einer Rheinland-Auswahl. Größen vergangener Jahre und aktuelle Spieler traten da in beiden Teams gegeneinander an. „Wir haben acht Spieler aus Übersee geholt, dazu noch Daniel Kunce aus Tschechien und Tore Hedwall als Trainer aus Schweden“, konnte sich Heinz-Peter Brux, der den Abend mitorganisiert hatte, zufrieden umschauen. 3175 Fans waren in den König-Palast gekommen. „Wir hatten mit 3000 bis 4000 Fans gerechnet, waren also im Soll.“ Einen Gang in die alte Rheinlandhalle hatten die Organisatoren nur kurz angedacht. „Die technischen Voraussetzungen stimmen einfach nicht mehr“, so Brux.

„Es war richtig schön, wieder hier zu sein“, sagte daher auch Francois Sills, der von 1988 bis 1998 in Deutschland spielte. 1990 kam er aus Duisburg zum KEV und blieb bis 1995. Übrigens sagte der Kanadier das auf perfektem Deutsch. „Ich habe ja auch noch Familie hier.“ Vom Eishockeystar wurde er inzwischen zu einem Elektro-Großhändler. „Ich habe ein Geschäft in Amos, Quebec“, berichtet er, schaut sich nochmal um und sagt: „Das war eine richtig schöne Zeit hier.“

Und Brux ist ganz offenbar nicht nur mit einem Blick für die Stars, die jeder kennt, sondern auch für die Geschichte ausgestattet. Denn auch Hubert Just war stolz, dabei zu sein. Der frühere Landgerichtspräsident in Duisburg hatte nie für den KEV gespielt, wohl aber viele Jahre für die glorreichen Preußen Krefeld. So war die erste Fahne, die unters Dach gezogen wurde, auch nicht schwarz-gelb, sondern rot und schwarz – für die Deutsche Meisterschaft der Preußen im Jahr 1951. Danach waren noch der KEV und die Pinguine für die Titel 1952 und 2003 an der Reihe. Dann deutet Just auf das Jubiläumslogo, wo auch das Emblem des KTSV Preußen zu sehen ist. „Immer wenn ich so ein Trikot unterschrieben habe, habe ich einen Haken an das Preußen-Logo gemacht.“ Seit 40 Jahren gibt es die alten Preußen nun schon nicht mehr. Der Oberliga-Partner der Pinguine, der EHC Krefeld, hat inzwischen „Preussen“ als Erinnerung in seinen Namen aufgenommen.

Auch das Spiel der alten Recken – verstärkt mit den „Jungspunden“ der aktuellen Pinguine – hat eine Menge Spaß gemacht. Allerdings waren neben der Fahnenzeremonie die Momente beim Einlauf schon die emotionalsten. „Als Chris Lindberg aufgerufen wurde, liefen ihm die Tränen herunter“, berichtet Brux. Neben Dick Decloe und Karel Lang wurde gerade Lindberg mit ungeheuer viel Applaus empfangen. Ähnlich laut war es bereits beim Einlauf des Trainergespanns. Kein Wunder, immerhin hatte Mike Zettel die Schwarz-Gelben zum Aufstieg in die 1. Bundesliga geführt. Ein wenig Klamauk war auch dabei. Denn als Ehrenspielführer Uwe Fabig beim Einlauf das Eis betrat, wurde er sofort von den Schiris „verhaftet“. Prophylaktisch, wie der Stadionsprecher mit einem Schmunzeln andeutete. Fabig ist eben einer dieser Spieler, die man lieber in der eigenen Mannschaft hat.

Als das Spiel dann losging, war gleich zu sehen, dass zwar der eine oder andere etwas langsamer als früher unterwegs ist, die Scheibe aber immer noch genauso flott und vor allem ansehnlich läuft. Herausragend war das 5:1 der Krefelder Allstars. Francois Sills passte die Scheibe zu Chris Lindberg, der den Puck aus unmöglichem Winkel in die Maschen zimmerte. Tic – Tac – Toe.

Dass Karel Lang während des Spiels die Welle mit den Fans machte und seinen berühmten Tanz aufführte, gehörte freilich zum – gern gesehenen – Pflichtprogramm. Nur zu gerne hätten die Fans und auch Karel Lang noch einen anderen Torhüter gesehen. So wurden stattdessen viele Augen feucht, als die Fahne mit der Nummer 80 nach oben gezogen wurde. Wer da noch nicht stand, erhob sich spätestens zu diesem Zeitpunkt von seinem Platz – in Erinnerung an Robert Müller.

Traurig zwar, aber eben auch sehr schön.

Diese Spieler liefen beim Allstar-Game aus, das die Krefelder gegen die Rheinländer mit 6:4 gewannen:

Krefeld Allstars:

Torhüter: Karel Lang, Scott Langkow, Ian Wood (konnte leider nicht spielen).

Feldspieler: Uwe Fabig, Martin Gebel, Jayson Meyer, Richard Pavlikovsky, Dusan Milo, Earl Spry, Daniel Kunce, Steve McNeil, Francois Sills, Chris Lindberg, Dick Decloe, Alexander Selivanov, Boris Blank, Herberts Vasiljevs, Roland Verwey, Reemt Pyka, Wolfgang Hellwig, Günther Kaczmarek, Helmut Guggemos, Hubert Just, Fritz Brunner.

Trainer: Tore Hedwall, Mike Zettel, Rick Adduono, Frank Brünsing.

Rheinland Allstars:

Torhüter: Toni Thiel, Thomas Wilmen.

Feldspieler: Andreas Pokorny, Shayne Wright, Uli Rudel (mit 68 Jahren der älteste Spieler auf dem Eis), Werner Kühn, Robert Schütz, Arno Brux, Bodo Müller-Boenigk, Uwe Schaub, Christian Flügge, Ingo Lenßen, Christoph Schmitz, Frank Antrecht, Roger Nicholas, Henrik Hölscher, Francois Methot, Michael Endraß.

Trainer: Greg Thomson.

Tore: 1:0 (20.) Roland Verwey, 2:0 (22.) Chris Lindberg, 2:1 (24.) Frank Antrecht, 3:1 (30.) Chris Lindberg, 4:1 (34.) Alexander Selivanov, 5:1 (36.) Chris Lindberg, 5:2 (42.) Arno Brux, 5:3 (43.) Frank Antrecht, 6:3 (45.) Alexander Selivanov, 6:4 (52.) Francois Methot.


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