„Wenn es mir hier gefällt, bleibe ich“ - Interview mit Derrick Walser

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Jedes Jahr auf ein Neues vertreiben sich die Fans die eishockeylose Zeit mit dem Durchforsten kanadischer und amerikanischer Websites nach möglichen Neuzugängen für ihre Lieblingsvereine. Nicht nur TSN.ca und NHL.com erfreuen sich einer großen Beliebtheit, nein, auch die Online-Auftritte von bekannten Spielerberatern bis hin zur nordamerikanischen Regionalpresse werden von den „Privatagenten“ gern frequentiert. Wahre Netzwerke zur Informationsbeschaffung werden geknüpft und die Gerüchtebörsen in Form von einschlägigen Internetforen erreichen in den Monaten zwischen zwei Spielzeiten einen erstaunlichen Traffic. Bei soviel Umtriebigkeit darf es nicht verwundern, dass die Trefferquote der Online-Fans relativ hoch ist. Sommer für Sommer tauchen Spielernamen mal bei dem einen mal beim anderen Verein auf. Derrick Walsers Name war schon häufiger Gegenstand eben jener Fan-Spekulationen. Kurz nach Abschluss der vergangenen Saison hatte das ein Ende – der am 12. Mai 1978 in New Glasgow in der kanadischen Provinz Nova Scotia geborene Verteidiger entschied sich, seine Karriere in Europa weiter zu verfolgen und setzte seine Unterschrift unter einen Vertrag des EHC Eisbären Berlin. Was aber machte den nie gedrafteten Walser bei den Fans zum begehrten Wunschspieler, ging er doch seinem Job überwiegend in der unterhalb der NHL angesiedelten Minor League AHL nach, von der selbst in der hiesigen Fachpresse höchst selten ausführlich zu lesen ist, geschweige denn bewegte Bilder im Fernsehen zu sehen sind?

Zum einen sicher die im World Wide Web nachzulesenden Einschätzungen professioneller Spielerbeobachter, die ihn als einen schnellen, offensivstarken Verteidiger mit guter Spielübersicht und somit als nahezu kompletten Spieler beschreiben. Bereits 1998 waren die Calgary Flames auf den jungen Mann aus Nova Scotia aufmerksam geworden, die ihn im Oktober des selben Jahres unter Vertrag nahmen. Zum Einsatz kam er allerdings zunächst nur bei den Johnstown Chiefs in der ECHL und beim Farmteam des letztjährigen Stanley-Cupfinalisten, den „kleinen“ Flames aus Saint John. Für das durch Europa von Turnier zu Turnier tingelnde Team Canada empfahl sich Walser nicht zuletzt durch seine sehr guten Leistungen bei den Johnstown Chiefs, für die er zudem mit einer Einladung zum ECHL-All Star Game 1999/ 2000 belohnt wurde. Auch bei Saint John agierte Walser nicht weniger erfolgreich: 2001 gewann er mit seinem Team den Calder Cup. In der darauffolgenden Saison schien sich der Durchbruch anzubahnen: Am 17. September 2001 unterzeichnete er beim NHL-Expansionsteam Columbus Blue Jackets einen neuen Vertrag. Jedoch führte Walsers Weg auch hier zunächst in die AHL zu den Syracuse Crunch, für die er in 73 Spielen 23 Tore und 38 Assits erzielte.

Am 10. April 2002 war es aber endlich so weit: Derrick Walser feierte im Match gegen die San José Sharks sein Debüt in der besten Liga der Welt – endlich war er in der „Show“ angekommen! Schon zwei Tage später traf er erstmals in einem NHL-Spiel in Gegners Netz. Milan Hnilicka im Tor der Atlanta Thrashers war hier der bezwungene Leidtragende. In der Spielzeit 2002/03 folgten 53 NHL-Einsätze mit 4 Treffern und 13 Beihilfen und weitere 28 Spiele für die Crunch (7 Tore/14 Assists). Alles schien für Walser den erhofften Gang zu gehen, die Chance sich etablieren zu können war real. Doch schon im nächsten Jahr wendete sich das Blatt: Nur noch 27 Mal waren Walsers Fähigkeiten von den Machern der Blue Jackets im NHL-Spielbetrieb gefragt, die Crunch stellten für 48 Spiele nun wieder überwiegend sein sportliches Betätigungsfeld dar. In Columbus´ eher defensiv ausgerichtetem Spielsystem, das sehr wesentlich vom jetzigen Coach der Hamburg Freezers Dave King geprägt wurde, war für einen Verteidiger mit ausgeprägten Offensivqualitäten offensichtlich kein Platz mehr.

Grund genug zu überlegen, wie es nun weiter gehen soll für den 1,78 Meter großen und 88 Kilogramm schweren Kanadier. Gerade zur rechten Zeit also richtete sich der EHC Eisbären Berlin mit seinem Angebot an Walser. Derrick Walser würde gut zum Offensivsystem der Hauptstädter passen, so die Hoffnungen von Trainer Pierre Pagé und Manager Peter John Lee. In den ersten fünf Partien der neuen Saison blieb Walser allerdings den Beweis seiner Fähigkeiten noch weitestgehend schuldig und wirkte wie ein Fremdkörper im Spiel seiner Mannschaft, die aber selbst auch noch ihrer eigentlichen Form hinterher läuft. Immerhin konnte er am vergangenen Sonntag gegen die Krefeld Pinguine seinen ersten Assistpunkt erzielen und seine bis dato negative Plus/ Minus-Bilanz ausgleichen. Der erste Schritt in die richtige Richtung? Dass der 26-jährige, der von seinen Freunden „Wally“ gerufen wird, aber für reichlich Furore sorgen kann, bewies er schon in jungen Jahren noch für die Rimouski Ocenanics spielend: Mit sage und schreibe 41 Toren und 69 Vorlagen aus 70 Spielen trug er sich 1997/98 in die Geschichtsbücher der anerkannten Nachwuchsliga QMJHL ein – 110 Verteidigerpunkte, die noch heute einen Bestwert darstellen. Bleibt zu hoffen, dass Walser bald an solche Leistungen anknüpfen kann und die lauter werdenden Kritiker Lügen straft. Zuvor heißt es aber schnell in Berlin, bei den Eisbären und in der DEL anzukommen!

Derrick Walser stellte sich dieser Tage den Fragen von Hockeyweb:

Hockeyweb: Herr Walser, haben Sie sich schon an Ihr neues Umfeld gewöhnt ?

Derrick Walser : Ja. Ich finde mich in der Stadt jetzt schon ganz gut zurecht. Ich weiß, wie ich zum Flughafen komme und zum Potsdamer Platz, das ist schon ganz schön.

Gibt es Umstellungen, die Ihnen besonders schwer fallen?

Klar. Dadurch, dass ich kein Deutsch spreche, ist es verdammt schwierig. Zum Beispiel beim Einkaufen. Welchen Käse kann man essen, was für Chips, was für Limonade kauft man oder die Sache mit diesem grausamen Wasser mit Kohlensäure.


Herr Walser, in der vergangenen Saison haben Sie für die Columbus Blue Jackets immerhin 27 NHL - Spiele bestritten. Welche Umstände führten dazu, dass Sie jetzt in Deutschland eine neue Herausforderung suchen?

Vor allem liegt das am Lockout. Ich wollte einen sicheren Arbeitsplatz haben. Sicher hätte ich noch zwei Jahre AHL/NHL spielen können, aber durch diesen Lockout wurde das alles viel zu kompliziert. Nun gucke ich es mir mal hier in Europa an und wenn es mir gefällt, dann bleibe ich.


Welches Argument sprach am meisten dafür, zu den Eisbären zu wechseln? Kannten Sie einen Ihrer neuen Teamkameraden bereits von früher?

Die Eisbären waren ziemlich gerade heraus. Es waren keine langen Verhandlungen, weil sie ehrlich waren. Sie sagten, das ist unser Budget und soviel können wir dir geben. Das hat mir gefallen und machte es mir sehr leicht. Ja, gegen manche habe ich schon gespielt. Mit Micki DuPont habe ich zusammen den Calder-Cup gewonnen.


Wie kam der Kontakt zu den Eisbären zustande, spielte Ihr jetziger Kollege Micki Du Pont eine Rolle?

Nein, das lief ganz normal über meinen Agenten. Die Eisbären sind eine gute Organisation und in den letzten Jahren weit oben, deshalb brauchte ich nicht lange überlegen. Zudem ist Berlin eine internationale Stadt und man hat alles auf einmal hier. Das ist auch ein wichtiges Argument.


Welche Erkenntnisse haben Sie aus den ersten Wochen Ihres Berlinaufenthalts gewonnen?

Wie sind Ihre ersten Eindrücke von der DEL und vom EHC?

Die Fans sind unglaublich. Bei dieser Unterstützung macht es wirklich Spaß zu spielen. Man freut sich auf jedes Spiel, weil man weiß, dass es laut wird. Außerdem kann man viel kreativer spielen. Man muss nicht nur den Puck schießen, sondern kann auch mal schöne

Kombinationen spielen, das macht Spaß.


Wie sehen Ihre persönlichen Zielstellungen aus und was, glauben Sie, können die Eisbären in dieser Saison erreichen?

Mein großes Ziel ist es konstant zu spielen. Das Team? Wenn wir hart und konstant spielen gibt es keine Grenze. Wir wollen in die Play-offs und dann so weit , wie möglich. Die Top 3 sind drin, aber auch mehr.


Hat man als 26-jähriger Profisportler noch Vorbilder und wenn ja, wer wäre das in Ihrem Fall und warum ist es gerade dieser Spieler?

Mein großes Vorbild ist Tiger Woods. Früher war es Ray Bourque, aber jetzt bewundere ich Tiger sehr.


Obwohl Sie ein erfolgreicher Nachwuchsspieler waren, wurden Sie nie von einem NHL- Club gedraftet. Wie ist das zu erklären, waren die Scouts blind?

In der Zeit als ich 19 Jahre alt war (eigentlich heute auch noch), also für den Draft dran, waren nur große und breite Verteidiger gefragt. Das war aber nicht schlimm, so konnte ich mir wenigstens selbst aussuchen, was ich mache, als ich die Angebote hatte. Immerhin habe ich dadurch schon einen Titel gewonnen.


Welche Chancen rechnen Sie sich aus, in absehbarer Zeit wieder in der NHL zu spielen?

Mal sehen, was mit dem Lockout und dem ganzen Zeug passiert. Momentan schaue ich nicht so weit nach vorne. Wenn in die Richtung etwas geschieht, dann kann ich mich immer noch damit beschäftigen.


Vielen Dank für das Interview. (Matthias Eckart/ Oliver Koch)

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