Wenn die Hauptsache (fast) zur Nebensache wird Eishockey-Gala 2018

Das Silber-Wunder lebte noch einmal auf bei der Gala der Deutschen Eishockey Liga am vergangenen Wochenende. (picture-allinace)Das Silber-Wunder lebte noch einmal auf bei der Gala der Deutschen Eishockey Liga am vergangenen Wochenende. (picture-allinace)
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Wie sehr das Silber-Wunder von Pyeongchang die deutsche Eishockey-Welt aufgewühlt hat, bewies - bei weitem nicht als Einziger, aber besonders eindrücklich – DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold, der die gesamten Emotionen dieses golden glänzenden Turniers der Deutschen Mannschaft auf der Bühne eines Straubinger Hotels noch einmal durchlebte. Mit einer Gestik wie ein italienschischer Taxifahrer in der Rush Hour berichtete er aufgewühlt davon, wie er mit seiner Frau im heimischen Ehebett das Finale angeschaut hat: „Und als der Jonas Müller dann das 3:2 geschossen hat, habe ich wild auf meine Frau eingeschlagen und ‚Wir schaffen es, wir holen Gold’ geschrien.“ Wir gehen davon aus, dass er sie im Überschwang der Gefühle vielleicht ein bisschen heftiger als beabsichtigt wachgerüttelt hat, aber an diesem Abend wurden eben verbal auch nochmal alle Schleusen geöffnet. Einmalig – unglaublich – sensationell waren die gefühlt die meistgehörten Vokabeln, in den Reden auf der Bühne, in den Gesprächen an den Tischen, am Buffet und an der Bar.



Die Reise begann nach dem ersten Schweden-Spiel

Und obwohl an diesem Abend „nur“ die Spieler des Jahres der DEL und der DEL2 gekürt werden sollten, war die Silbermedaille von Südkorea das Hauptthema – mehr Glanz war selten, auch weil stellvertretend für das gesamte deutsche Team die Münchner Frank Mauer, Patrick Hager, Danny aus den Birken, Dominik Kahun und Yannic Seidenberg sowie Patrick Reimer aus Nürnberg und natürlich der Bundestrainer noch einmal offiziell geehrt werden für diese unvergessliche Reise zur Silbermedaille, die laut Marco Sturm nach der Niederlage in der Gruppenphase gegen Schweden so richtig begann. Yannic Seidenberg hatte ohnehin einen Pflichttermin, denn er wurde nach seiner ersten kompletten Spielzeit als Defender zum Verteidiger des Jahres gekrönt. Läuft bei ihm, könnte man sagen, denn dass in den nächsten Wochen womöglich noch ein Titel mit seinem Club Red Bull München hinzukommt, kann niemand, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, ausschließen. Unabhängig vom Ausgang der Play-offs sagte Seidenberg am Rande der Gala, dass er wohl noch ein bisschen brauchen werde, um die Ereignisse der letzten Wochen zu verarbeiten – und das, obwohl es die Münchner Spieler vergleichsweise luxuriös erwischt haben und die ersten beiden Spiele nach Olympia noch pausieren durften und erst zum großen Schaulaufen am letzten Spieltag gegen Iserlohn wieder auf das Eis gehen mussten.

Im Gegensatz dazu hatte der neue Trainer des Jahres echte Reisestrapazen zu bewältigen: Am Vorabend hatten die Fischtown Pinguins mit einem dramatischen Overtime-Sieg gegen die Iserlohn Roosters in ihrem zweiten DEL-Jahr den zweiten Viertelfinaleinzug perfekt gemacht und treffen wie im vergangenen Jahr auf den amtierenden Meister aus München. Und genau dafür gab es die Auszeichnung: Wie es den Verantwortlichen in den vergangenen beiden Spielzeiten gelungen ist, sportlich konkurrenzfähige Teams aus dem Hut zu zaubern, verdient allerhöchsten Respekt. Denn dass eine große Ansammlung nordamerikanischer Spieler nicht automatisch ein funktionierendes Team ergibt, dafür gibt es zahllose Beispiele aus der Vergangenheit – insofern ist diese Auszeichnung mehr als verdient. Ebenfalls verdient – und vor allem doppelt – ausgezeichnet wurde Keith Aucoin wurde von den Bullen aus München. Seit seiner Ankunft in München produziert er kontinuierlich, hat immer den Blick für den Mitspieler und trotz seiner 39 Jahre einer der absoluten Leader beim zweifachen Deutschen Meister. Der Mann mit der Schiebermütze erhielt die Auszeichnungen als Stürmer des Jahres und als Spieler des Jahres. Nicht ganz so glücklich erschien Dustin Strahlmeier zu der Gala: Zwar wurde er wegen seiner Leistungen, mit denen er entscheidenden Anteil an der grandiosen der Saison seiner Schwennniger Wild Wings hatte, völlig zu Recht als Torhüter des Jahres ausgezeichnet. Allerdings hatten die Grizzlys Wolfsburg rund 24 Stunden zuvor die Saison der Wild Wings beendet. So war das erste Play-off-Spiel der Wild Wings nach mehr als 20 Jahren auch das vorerst letzte.

Phil Hungerecker wird Rookie des Jahres

Neue Mitglieder der Hall Of Fame sind Robert Hock, der langjährige DEL-Topscorer und in Iserlohner Zeiten kongeniale Sturmpartner von Münchens Kapitän Michael Wolf, und Tobias Abstreiter, der noch die Zeiten kennt, als Deutschland sich durch die B-WM kämpfen musste. Umso bedauerlicher für ihn, dass er die Olympischen Spiele sausen lassen musste, um – von seinem Arbeitgeber DEG zum Cheftrainer befördert – seinem Team noch den letzten Schliff für den Angriff auf die Play-off-Plätze zu geben. Laudator Günther Oswald, der Tobias Abstreiter von Kindesbeinen an kennt und mittlerweile auch sein Schwager ist, erzählte die eine oder andere Anekdote aus der gemeinsamen Jugend – und würdigte natürlich auch die Silber-Helden, zu denen sein Schwager auch ein bisschen zählt.

Weitere Ehrungen erhielten die Schwenninger Wild Wings als fairstes Team der Liga, der SC Rießersee als Hauptrundensieger der DEL2 und SCR-Stürmer Andreas Driendl als Spieler des Jahres der zweithöchsten Spielklasse. Phil Hungerecker, vielleicht mit dem Straubinger Stefan Loibl, das heißeste Talent der Liga zur Zeit, wurde als Rookie des Jahres gekürt.

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