Was macht eigentlich... Patrick Ehelechner?Spieler, Trainer, Funktionäre von einst

Patrick Ehelechner in Action für die Augsburger Panther (Foto: Dagmar Kielhorn)Patrick Ehelechner in Action für die Augsburger Panther (Foto: Dagmar Kielhorn)
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Hockeyweb: Hallo Patrick Ehelechner, wie verbringen Sie die Zeit ohne Eishockey? Woran arbeiten Sie gerade?

Ehelechner: Gute Frage! Während Corona war natürlich nicht so viel los, wobei wir bei Magenta Sport einige Instagram live Videos gemacht haben, um die Fans bei der Stange zu halten, doch so länger es ging, hat es sich abgeflacht, sodass wir eine Eishockey Pause gemacht haben. Währenddessen habe ich an einer Merchandising-Kleidung-Kollektion gearbeitet mit T-Shirts, Kappen und vielem mehr. Außerdem haben wir dafür eine neue Website mit Online-Store gefertigt!

Hockeyweb: Viele sagen, als Torwart war er talentiert, aber sein wahres Talent kam mit dem Seitenwechsel hinter das Mikro: Wie schätzen Sie es ein, was macht Ihnen mehr Spaß?

Ehelechner: Mehr Spaß? Als aktiver Torhüter, wenn du deiner Mannschaft in einem engen Spiel drei Punkte gerettet hast, war das natürlich ein mega geiles Gefühl. Ich durfte viel erleben im Eishockey, DEL, die Nationalmannschaft… aber neben oder vor der Kamera? Dass mir das mal soviel Spass machen würde, das hätte ich nie für möglich gehalten!

Hockeyweb: Viele Profis schlagen nach der Karriere den Weg als Trainer oder Ähnliches ein, wie kamen Sie in die jetzige Rolle und wann haben Sie gedacht, Moment, das kann ich auch?

Ehelechner: Wenn ich ehrlich bin, ging es 2009 los, dafür muss ich länger ausholen. Damals hatte ich in Nürnberg einen Kreuzbandriss und dabei hatte ich mit dem Fernsehen, mit Franken-Fernsehen, mit Patricks kleiner Eishockey-Welt, meine ersten Erfahrungen im TV sammeln können. Damals wollten wir einen neuen Hauptsponsor suchen und es hieß: Patrick, mach doch du mal was! Und das hat mir sehr gut gefallen. In Rosenheim damals kam Philip Wohlfahrt, der damalige Live-Sport-Chef von Servus TV auf mich zu, mit einem Trainee-Angebot des Red-Bull Media House, und ich lernte von der Pike auf alles im Schnelldurchlauf und ich war sehr überrascht, denn ich dachte, ich höre doch nicht mit dem Eishockey auf? Also machte ich eine „Pro und Contra-Liste“, typisch deutsch, und die Pro-Argumente für das Fernsehen überwogen und so entschloss ich, aufzuhören. Relativ früh, denn ich hätte sicher noch vier oder fünf Jahre spielen können. Damit bin ich „all in“ gegangen, denn man weiss ja nicht, wie es wird, und ich hing meinen sportlichen Ehrgeiz hin und so kam eines zum Anderen, denn Servus TV gab die Rechte auf und Magenta TV wollte etwas „Frisches und Neues“, und so passte alles zusammen!

Hockeyweb: Die Berichterstattung ist mit Formaten wie der „Kühlbox“ um eine Rubrik reicher und kreativer geworden – wie kommen Ihre Ideen zustande?

Ehelechner: Ein wirkliches langes Brainstorming. Wenn man lange dasitzt, kommt meistens gar nichts bei raus. Aber wenn man gemütlich am Strand oder beim Essen sitzt, kommen die Gedanken ganz einfach!

Hockeyweb: Dem breiten Publikum bekannt wurden Sie ja auch durch das Fernsehen während Olympia 2018 – wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ehelechner: Ich glaube, auch wenn ich nicht spielte, war es sportlich der schönste Moment meines Lebens. Dass ich dabei sein durfte und die Freude teilen konnte, die Emotionen nach Deutschland nach Hause zu transportieren in den 18 Tagen in Pyongchang. Deutschland im Eishockey-Finale? Da haut es dir ja den Vogel raus! Das war das Schönste in meinem Leben!

Hockeyweb: Gibt es Pläne Ihrerseits für die Zukunft, evtl. Formate, die Sie gerne machen würden oder ist auch eine ganz andere Entwicklung denkbar? Etwa Trainer, Manager o.ä?

Ehelechner: So wie es momentan läuft, bin ich sehr zufrieden. Ich habe ein mega cooles Team um mich herum, denn das bin ja nicht nur ich alleine, wir haben wirklich ein tolles Team! Auch das Kommentieren ist wirklich „voll meins“. Außerdem bin ich ja noch Torwart–Trainer, denn das ist das, wo ich herkomme und wenn die Zeit es zulässt, macht mir das auch einfach einen Riesenspaß! So kann ich den „kleinen Knirpsen“ oder auch Hobby- Trainern einfach das mitgeben, was ich in 30 Jahren erlernt habe. Hinsichtlich Formate sind wir derzeit wieder drauf und dran, andere oder neue Formate zu entwickeln! Wir schlafen nicht, aber was es wird, bleibt noch geheim und die Eishockey Fans können sich auf eine Kühlbox 4.0 freuen!

Hockeyweb: Eine Eishockey-Schule für Torhüter betreiben Sie auch – wie ist dort der aktuelle Stand, auch durch Corona, und was geben Sie den jungen Talenten mit auf den Weg? Wie entwickelt man junge Spieler bzw. wie macht sie besser?

Ehelechner: Gut, dass du fragst, denn mein Training hat gerade begonnen. Nicht in Deutschland, dafür in Österreich, in Telfs bei Innsbruck mit einem Sommertraining. Ich versuche, im jungen Alter den Jungs den Spass zu vermitteln, denn wir haben so viele starke Kontrahenten mit dem Fussball, Basketball oder Tennis. Natürlich sind Dinge wie Grundstellung oder Technik wichtig, aber für mich ist wichtig, die Jungs bis zu dem „kritischen“ Alter mit 14 oder 15 bei der Stange zu halten, denn für mich ist Eishockey der geilste Sport der Welt!

Hockeyweb: Wenn Sie an Ihre Zeit als Spieler zurückdenken, gab es eine Lieblingsstation oder die für sich beste Zeit der Karriere?   

Ehelechner: Beste Zeit? Das Problem bei mir ist, ich hatte an jedem Ort meiner Karriere eine „beste Zeit“. Ich war nur kurz in Duisburg, aber das war auch toll. Nürnberg hat für mich einen besonderen Stellenwert, ich war fünf Jahr dort und wir waren kurz vor dem Ende und es war eher fünf nach zwölf, der Insolvenzverwalter war schon da und ich war mit den Fans auf der Straße. Das schweißt zusammen! Dabei ging es für mich nicht nur „um den Sieg“, sondern dass der Nürnberger Eishockeysport im Allgemeinen gewann! Das war rückblickend der schönste Sieg und jetzt sind sie immer noch eine tolle Mannschaft. Auch die anderen Stationen wie Mannheim oder Sudbury waren eine tolle Zeit!

Hockeyweb: Gepickt wurden Sie recht spät, in Runde fünf, durch die San José Sharks: Wie lief der Austausch mit der Organisation, wie dicht dran waren Sie an der NHL? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Ehelechner: Das war mega geil, ich war sogar beim Draft in Nashville, ein tolles Gefühl. Ich war zwei Mal im Camp der Sharks und war auch noch in Pittsburgh, denn ich wurde ja getraded und so war ich mit Sidney Crosby und Evgeni Malkin auf dem Eis. Kürzlich war ich für die Kühlbox live in den Staaten und konnte Dominik Kahun dort besuchen. Angesprochen auf die Zeit damals hatte sich auch Crosby erinnert und die Zeit war einfach toll! Er liebt übrigens deutsches Bier und das Oktoberfest und die Wiesn, denn als Gastgeschenk brachte ich ihm ein Trachtenhemd mit seinen Initialen mit und er hat sich mega gefreut!

Hockeyweb: Nach Ihrer Tour haben Sie die Karriere in der Heimat Rosenheim ausklingen lassen – war das immer der Plan, nochmals für die Starbulls zu spielen?

Ehelechner: Plan nein, denn so etwas kannst du nicht planen, denn es kommt immer anders. Als aber das Angebot kam, dachte ich, da kann ich mich auf die Zeit nach der Karriere vorbereiten – doch es kam wie so oft alles anders.

Hockeyweb: Entweder – oder: Kommentator oder Experte?

Echelechner: Das ist ja fies! Kommentator…

Hockeyweb: Entweder – oder: New York, Rio oder Rosenheim?

Ehelechner: Rosenheim!

Hockeyweb: Entweder – oder: Social Media oder Fernsehen?

Ehelechner: Social Media!

Hockeyweb: Wie planen Sie aktuell, wenn die Saison nicht stattfinden sollte? Wie geht es für Sie weiter?

Ehelechner: Ich denke, dann würde ich wohl eher als Torhüter–Trainer weiter arbeiten…

Hockeyweb: Sie dürfen sich eine Fantasy Hockey „Top Six“ aus ehemaligen Mitspielern aufstellen, wer läuft auf?

Ehelechner: Dann ist mein Back-up Marc Andre Fleury! Aber der spielt nur, wenn ich mal krank bin! In der Verteidigung, mein Kapitän aus Sudbury Marc Staal und als „Tough Guy“ Dennis Seidenberg. Vorne im Sturm läuft Patrick Hager als Center auf, denn er kämpft vorne und hinten, ein echter Beißer. Ich brauche natürlich noch einen Scorer, so spielt Michi Wolf als Linksaußen und gegenüber starte ich mit Daniel Pietta.

Vielen Dank, Patrick Ehelechner, und alles Gute für die Zukunft und dass Sie sich die Zeit für das Interview nahmen!