Vor dem DEL-Finale

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Berlin gegen Düsseldorf heißt das diesjährige Finale in unserer Vorzeigeliga. Was heißt das im Klartext? Goliath gegen David? Der haushohe Favorit, der das DEL-Eishockey im 21. Jahrhundert so sehr beherrscht, gegen den Außenseiter, dessen hohe Zeit schon mehr als 15 Jahre zurückliegt? Die ausgeruhte Truppe gegen eine ausgepumpte Mannschaft, die sowohl im Viertel-, als auch im Halbfinale über die maximale Spielanzahl gehen musste?

Gemach, gemach, Freunde… Es kommt auf ganz viele Kleinigkeiten an. Düsseldorf ist sicherlich nicht per Zufall bis ins Finale vorgestoßen, um sich dann kampflos der Berliner Übermacht zu ergeben. Während die Berliner während der Play-offs kaum einmal in den Abgrund des Ausscheidens schauen mussten, standen die Rheinländer oft genug mit ihren Rücken an der Wand. Auf der anderen Seite spricht für die Berliner eindeutig die Historie. Es wäre nämlich das erste Mal in der DEL-Geschichte, dass ein Team die Meisterschaft erringt, das ein Dutzend Play-off-Begegnungen im Viertel- und Halbfinale absolvierte. Außerdem spricht gegen Düsseldorf die Tatsache, dass es ganz wenige Torschützen in der Truppe gibt. Zumindest sagen das die Experten.

Ich kann über dieses Argument nur schmunzeln. Vor sechs Jahren beispielsweise hatte Krefeld, was die Scorerpunkte betrifft, eine heterogene Mannschaft, denn Patrik Augusta, Brad Purdie und Christoph Brandner erledigten die Aufgabe „Toreschießen“ fast im Alleingang, waren daher leicht auszurechnen. Doch was geschah? Trotz dieser leichten Ausrechnerei wurden die Linksrheinischen Deutscher Meister.

Und wer gewinnt? Keine Ahnung, wie denn auch? Ich würde die Meisterschaft ganz vielen gönnen, beispielsweise „Felle“, dem letzten Dynamo, oder Patrick Reimer, der meines Erachtens auch vom Bundestrainer unterschätzt wird, oder Andy Roach, der vor fünf Jahren mit seinem Penalty die Tschechen in ihrem „Wohnzimmer“ aus dem WM-Turnier warf, oder Harold Kreis, den manche für zu vornehm für diese Sportart halten, oder, oder, oder.

P.S. Und noch eines zum Thema Schiedsrichter: Dass der entscheidende Treffer von Adam Courchaine in der Verlängerung von Spiel Nummer vier dem Vernehmen nach irregulär war, tut meiner positiven Kritik über die Unparteiischen zu meinem Bedauern nicht gerade den geringsten Abbruch. Ich hatte den Eindruck, dass das Tor hundertprozentig korrekt erzielt wurde, zumal einer der beiden Zebras mehrmals das Zeichen für „Treffer“ machte und ich daher glaubte, dass sich der Schiedsrichter absolut sicher war.

Verd… schade und dumm, dass ein solcher Lapsus ausgerechnet in einer spiel-, vielleicht sogar serien-, vielleicht sogar die Meisterschaft entscheidenden Szene vorkam! 

Werner Nieleck