Von Kurzarbeitern und Marathon-MännernVorschau DEL-Halbfinale

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EHC Red Bull München – Eisbären Berlin

Vielleicht wird es am Ende dieser Serie auch eine Frage der Kraft: Meister München hatte vor dem Viertelfinale gegen Bremerhaven schon eine kurze Pause und konnte sich jetzt nach dem Sweep gleichsam vom Feldherrenhügel aus anschauen, wie sich die anderen Mannschaften über die volle Distanz bekämpften. Die Eisbären Berlin haben, inklusive Pre-Play-offs und vier Verlängerungen, davon zwei „XXL-Partien“ gegen Straubing und Mannheim, beinahe elf Spiele in den Beinen, Red Bull München hingegen ganze vier Begegnungen.

Natürlich wird man auf Berliner Seite sagen, dass das keine Rolle spielt, aber es könnte gerade gegen Drittelende wegen der großen Belastung eben zu kleinen Unaufmerksamkeiten kommen.

Die Hauptrunde wie auch das Viertelfinale gegen Bremerhaven haben gezeigt, dass München sich in solchen Fällen nicht zweimal bitten lässt und minimale Schwächen gnadenlos ausnutzt. Zudem lesen sich die Statistiken der Bullen aus dem Viertelfinale einigermaßen beängstigend für die Berliner: Über 40 Prozent Erfolgsquote im Powerplay, kein einziges Tor in Unterzahl bekommen und selbst einen Shorthander erzielt, dazu ist Danny aus den Birken mit 1,25 Gegentoren im Schnitt und einer Fangquote von fast 95 Prozent in glänzender Verfassung. Insbesondere das starke Powerplay sollte den Berlinern zu denken geben, denn viele Strafzeiten passieren, weil der verteidigende Spieler den entscheidenden Moment zu spät ist und deswegen foulen bzw. foulen muss – häufig ist diese Timing im Zweikampf auch eine Frage der Kraft und der geistigen Frische. Ob die Marathon-Männer aus Berlin über die ganze Serie hinweg die Fehlerquote gering halten können, wird ein wichtiger Faktor werden.

Zudem gilt es für den DEL-Rekordmeister, den München-Fluch zu überwinden: In dieser Saison haben sie noch kein Spiel gegen den amtierenden Meister gewonnen. Aber wie heißt es so schön: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wer auf den Schwung der Haupstädter vertraut, der wird auch von den Buchmachern belohnt. 888Sport zahlt bei 10 € Einsatz sage und schreibe 41,50 € für einen Auswärtssieg der Eisbären. Noch interessanter bei den Verlängerungskönigen aus Berlin, ist sicherlich der Tipp auf ein unentschieden nach regulärer Spielzeit hier gibt es sogar 46 €.

Thomas Sabo Ice Tigers – Grizzlys Wolfsburg

Diese Serie scheint deutlich ausgeglichener. Das Buchmacher-Orakel favorisiert heute Abend nur knapp das fränkische Heimteam. Bei 10 € Einsatz zahlt 888Sport 21 € für einen Sieg der Nürnberger und 27,50 € für einen Erfolg der Gäste aus Wolfsburg. Auch hier gibt es bei einem unentschieden mit 42,50 € am meisten zu holen.

„Wir haben uns in der gesamten Serie schwer getan, Tore zu schießen – und sind deswegen ausgeschieden“, sagte ein sichtlich enttäuschter Haie-Kapitän Moritz Müller nach dem verlorenen Spiel 7 gegen Wolfsburg. Darauf wird es für die Wolfsburger auch in der Halbfinalserie gegen Nürnberg entscheidend ankommen: Gelingt es der Abwehr um Super-Goalie Felix Brückmann (96,63 Prozent Fangquote, exakt ein Gegentor im Schnitt!), die Nürnberger Offensiv-Power um Spieler und Stürmer des Jahres Patrick Reimer einigermaßen im Zaum zu halten? Insbesondere für die Nürnberger gilt es, von der Strafbank wegzubleiben, denn in Überzahl war Wolfsburg im Viertelfinale mit einer Erfolgsquote von mehr 23 Prozent sehr effizient. Nürnberg hingegen bekam gegen die Augsburger Panther in jeder dritten Unterzahl ein Tor, konnte selbst aber nicht mal jedes zehnte Powerplay zu einem Treffer verwerten. Die Defensive und die Special Teams werden also – wie so oft – den Unterschied machen.

Für beide Teams geht es vor allem darum, den Schwung aus dem erfolgreich bestrittenen Spiel 7 vom Anfang der Woche ins Halbfinale mitzunehmen. Kleiner Vorteil für Nürnberg: Während die Niedersachsen im Dienstag nach Köln fahren mussten und heute nach Nürnberg reisen, haben die Franken zwei Heimspiele hintereinander.

München empfängt heute Abend zum ersten Spiel der Halbfinalserie die Eisbären Berlin am heimischen Oberwiesenfeld, Nürnberg erwartet die Wolfsburger in ihrer Arena. Spielbeginn ist bei beiden Begegnungen um 19.30 Uhr.