Von Hoffnungsträgern zu Papiertigern – oder was war das?Saisonaus für die Straubing Tigers

Trainer Tom Pokel holte letztlich viel aus den Straubing Tigers heraus. (Foto: dpa/picture alliance)Trainer Tom Pokel holte letztlich viel aus den Straubing Tigers heraus. (Foto: dpa/picture alliance)
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Dass es am Ende nicht klappte, hatte sicher verschiedene Gründe. Der entscheidende war aber wohl die Verpflichtung von Bill Stewart, dessen System nicht Erfolg bringend umgesetzt werden konnte. Oft wirkte das Straubinger Spiel unter Stewart planlos, Spieler hatten viel zu oft Positionen, in denen sie nicht mehr ins Spiel eingreifen konnten und somit war Straubings Abwehr meist offen wie das berühmte Scheunentor. Zudem war aus dem Powerplay, das in der Vorsaison eines der Besten der Liga war, komplett die Luft raus. Zeitweise musste man an der DEL-Tauglichkeit einiger Akteure zweifeln. Außerdem soll das Verhältnis zwischen Coach und Team nicht das Beste gewesen sein, so zumindest war es aus dem Spielerkreis zu hören. Letztendlich war man drauf und dran, sich die Halle leer zu spielen. Von der einstigen Stimmungshochburg Pulverturm war nicht mehr viel übrig und einige Spiele erinnerten mehr an einen Friedhof, als an ein Eisstadion, von einem Hexenkessel gar nicht erst zu reden. Dabei stand das Torhüterduo Vogl/Pätzold in der Kritik, doch mit einer Abwehr die löchrig wie ein altes Fangnetz war, das bestenfalls für Wale geeignet war, kann man einfach keine Heringe fangen. Allzu oft waren die Goalies alleine und sich selbst überlassen. Daran änderte auch die Nachverpflichtung von Drew MacIntyre nichts. Dass man einen Torhüter statt eines Verteidigers, den man schon an der Hand hatte, holte, war letztlich wohl eine Entscheidung, die im Gesellschafterkreis entstand. Jason Dunham sagte dazu beim Fantreffen Anfang November: „Ich hatte zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung einen NHL-erfahrenen Verteidiger an der Hand, der nach Europa wollte. Den hätten wir eigentlich anstatt eines zusätzlichen Torhüters holen wollen. Aber die Torwartsituation hat das dann verändert.“ Wie heißt es schon im Sandkasten? Drei sind einer zu viel und so führte der Weg von Dimi Pätzold nach Krefeld und das, ohne eine echte Chance im Straubinger Tor bekommen zu haben. Auch wenn es einige Verantwortliche in Straubing nicht glauben und hören wollen, in dieser Phase war der Rückhalt des Sportlichen Leiters Jason Dunham im Fanlager auf einem Tiefpunkt und auch heute ist die Diskussion um seine Person noch nicht komplett verstummt. Die Erfolge der Vergangenheit sprach ihm dabei niemand ab, doch in dieser Saison ist etwas deutlich schief gelaufen. Besser wurde es erst, nachdem man sich von Bill Stewart trennte und Tom Pokel die Mannschaft übernahm. Er hat keine leichte Aufgabe übernommen, denn er traf auf ein völlig verunsichertes Team.

Er kam, sah und….

Doch was der Amerikaner daraus machte, ist aller Ehren wert. Tom Pokel stellte um, drehte das Team langsam auf links und errang den einen oder anderen Achtungserfolg und am Ende vielleicht sogar etwas mehr. Nun wurde aber auch klar, dass dem Team mehr fehlte als ein passendes System. Die Körpersprache nach Gegentoren war zum Teil verheerend, auch bei guten Spielen. Das Selbstvertrauen war ein zartes Pflänzchen, das bei dem leisesten Lüftlein einknickte. Eigentlich hätte jeder Spieler nach einem Gegentor zehn Minuten seelischen Beistand gebraucht, doch diese Zeit gibt es im Eishockey nicht, hier sind Männer gefragt. Mund abwischen und weiter machen, sah man auch unter Pokel anfangs selten. Den Tigers fehlte es an Eigenverantwortung und einem Leader, einem echten Anführer. Sandro Schönberger wird als Kapitän diese Rolle per se zugeschrieben, doch zum einen ist es ein Unding, diese Last nur auf die Schultern eines Einzelnen zu legen und zum anderen hat man gesehen was passiert, wenn er ausfällt. Dann wird es zappenduster. Hier muss zur nächsten Saison dringend gehandelt werden. Trotz dieser Unwägbarkeiten zeigte Pokel, dass er ein guter, vielleicht sogar ein sehr guter Trainer ist und oft stellte man sich die Frage, was möglich gewesen wäre, wenn Tom Pokel von Saisonanfang hinter der Straubinger Bande gestanden hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette – war er aber nicht. So bastelte Pokel mit kleinen Stückchen ein interessantes Mosaik. Ein schnelles Transitiongame gehört zum modernen Eishockey und aus dem leidigen Dump’n’Chase wurde langsam ein richtiges Entry. Zudem bewies er, dass er jederzeit einen Plan B aus der Tasche holen kann. Stürmermangel? Na und, geht halt Max Renner nach vorne, gegen Ende der Saison sah man dort auch James Bettauer oder zum Beispiel beim Spiel gegen Iserlohn ließ er jedes Drittel mit anderen Reihen spielen. Verteidigermangel? Papperlapapp, dann shiftet man halt noch schneller. Die Zahlen sprechen klar für Pokel. Das Überzahlspiel, das er mit etwa 7 % übernommen hatte, fand zu alter Stärke zurück und brachte es auf rund 20 %. Damit Platz zwei in dieser Wertung. Dabei ist der Aufwärtstrend deutlich zu erkennen. Schaut man auf die Tabelle der letzten 30 Spiele, wäre Straubing in der ersten Play-off-Runde, die der letzten 20 Spiele zeigt Straubing gar auf einem Viertelfinalplatz und beim Blick auf die letzten fünf Runden, müsste man die Tigers gar zu den Top-Teams zählen. Natürlich gibt es noch Baustellen, wie zum Beispiel das Unterzahlspiel, bei dem es wenig schwächere Teams gibt oder auch die Bullyquote ist mangelhaft und in der Verteidigung werden immer noch zu risikoreiche Pässe durch den Slot gespielt. In Nachwuchsmannschaften zahlt man dafür schon mal in die Mannschaftkasse.

Vorzeitige Abgänge

Ein jährlich heiß diskutiertes Thema, wenn die Abgeschlagenen gegen Saisonende noch Spieler abgeben. Die Tigers trennten sich vorzeitig von fünf Spielern, aus verschiedenen Gründen. Goalie Dimitri Pätzold saß nach der Verpflichtung von Drew MacIntyre nur noch auf der Tribüne, wollte wohl weg und fand im November in Krefeld eine neue Heimat. Unschöne Ausmaße nahm der Wechsel von René Röthke im Januar an. Der 35-jährige Stürmer hätte keinen neuen Vertrag mehr bekommen, machte das öffentlich und löste so ungewollt ein Beben aus. Daraufhin sah er in Deggendorf die Chance, noch mal etwas zu bewegen und unterschrieb bis 2020. Ebenfalls im Januar verließ Goalie Drew MacIntyre die Niederbayern wieder. Vogl war inzwischen die klare Nummer eins, sodass MacIntyre nach Zvolen wechselte und dort die Chance auf die Meisterschaft hat. MacIntyre war nur dreieinhalb Monate in Straubing. Stürmer Jeremy Williams wurde Anfang Februar nach Örebro verliehen. In Schwedens höchster Spielklasse spielt er gegen den Abstieg und will helfen diesen zu verhindern. Williams wird kommende Saison wieder für die Tigers auflaufen. Mitte Februar wechselte Austin Madaisky eine Klasse tiefer, zu Leksand und versucht auf zu steigen. Ohne genaue Zahlen zu kennen, entspricht das einer Einsparung von rund zehn Monatsgehälter und somit wohl ungefähr das Jahresgehalt eines Spielers.

Und jetzt?

Oberflächlich betrachtet müsste man ein Team, das gerade mal den vorletzten Platz erreicht hat, komplett runderneuern. Das wäre aber dann doch zu kurz gedacht, dazu kommt, dass Tom Pokel bewiesen hat, dass das Team nicht schlecht zusammengestellt war und dass einiges an Potenzial in ihm schlummerte. Daher muss der wichtigste Vertrag für Straubing, eigentlich der von Tom Pokel sein, ihn nicht weiter zu verpflichten, wäre fast schon fahrlässig. Pokel hat auch schon betont, dass er gerne bleiben würde und dass er mit dem Kern der Mannschaft gut arbeiten könnte, allerdings wünscht er sich natürlich auch die eine oder andere Verstärkung. Dabei bevorzugt der Amerikaner größere Spieler.

Morgen wollen wir beleuchten, wie wir die Saison der Spieler gesehen haben und wie wir deren Zukunft sehen.


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Düsseldorfer EG Düsseldorf
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Sonntag 25.02.2024
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