Von der Schwalbe Podollan und anderen schrägen Vögeln - 3:1 gegen Köln

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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"Na, bitte, es geht doch", sagte ein Ordner nach Spielende und strahlt. Die Mannheimer Adler haben die Haie mit 3:1 geputzt, für die meisten der 6600 Fans scheint die Welt wieder rosarot in Ordnung zu sein. Wie gesagt, für die meisten, denn andere fragten durchaus nach. Warum geht es denn jetzt wieder? Etwa, weil der deutsche, technisch hochversierte Trainer weg ist und zwei Kanadier das Sagen haben? "Nein, weil uns das System besser liegt", sagen viele Spieler, die in Mannheim gutes Geld verdienen, teilweise großartige Eishockeykönner sind, aber nicht fähig sind, sich umzustellen? Auf ein System, das auf Sturm baut und damit auch den Zuschauern Freude verspricht.

Doch Freude haben die Fans schließlich bei jedem Sieg, für die meisten scheint es vollständig egal zu sein, wie er errungen wurde. Friede, Freude, Eierkuchen also im Eisstadion am Friedrichspark, Helmut de Raaf ist nicht dabei, er wird ab 1. Januar erneut die Jungadler trainieren, bei denen er so viel geleistet hat. Damals, es ist noch gar nicht so lange her, feierten ihn viele Mannheimer als ihren Helden. Die Zeiten ändern sich rasant in diesem Geschäft. Das weiß auch der neue Coach Stephane Richer, und sein Co Mike Rosati, denen man alles Gute wünschen darf. Beide aus einer Spielergeneration, die sich noch den Hintern aufgerissen hat für die Adler, die selbst ein Team formte und die begeistern konnte. Diese beiden haben nun also das Sagen, hoffentlich bekommen sie auch diejenigen in den Griff, die murrend in der Kabine gestänkert haben.

Zum Spiel: Es sah starke Adler im ersten Drittel, zwei überragende Torleute

Huet und Rogles, später stärker aufkommende Haie, die, Hut ab, nicht eine

Sekunde aufgaben, die sich vom Rückstand nicht schrecken ließen, wie das

manche andere Teams so zu tun pflegen. Schöne Einzelaktionen, aber auch eine gute Mannschaftsleistung von Hans Zach’s Mannschaft, gute Chancen, dabei wenig Glück oder eben Christobal Huet als Gegner, der an seine hervorragenden Leistungen anknüpfte.

Außerdem gab es jede Menge Strafzeiten, es hagelte sie nur so, das Spiel wurde durchs ewige Pfeifen nicht schöner, fünf gegen fünf, das war fast

Mangelware. Die Kurioseste: Jason Podollan flog raus wegen einer Schwalbe.

Merkwürdig nur, dass sein Kontrahent gleich mit musste. Wenn es eine Schwalbe war, hatte der ja wohl nichts verbrochen.

Nach 2 Minuten und 45 Sekunden traf Jochen Hecht für die Adler, bedient

worden war er von Delmore und Edgerton. In der 16. Minute traf Edgerton auf

Zuspiel von Corbet und Aab. Die Haie scorten in der 18. Minute, Lewandowski

hieß der Torschütze in Unterzahl. In der 35. Minute schließlich machten die Mannheimer alles klar durch Delmore, der von Healey und Hecht bedient worden war. Riesiger Jubel im Friedrichspark, die Sonne schien aufzugehen nach großer Dunkelheit, obwohl es noch gar nicht so lange her ist, da jubelten die Massen noch für ein anderes System. Aber, wie gesagt, Hauptsache Siegen.

Einer, der sich immer abkämpft für die Adler ist Jochen Hecht. Der Sohn

Mannheims verfügt offensichtlich über die richtige Berufseinstellung, setzt

sich ein, wenn er Gehalt bezieht und ist außerdem auch noch mit dem Herzen

dabei. Schließlich hat er hier sein Handwerk gelernt. Arroganz ist ihm

vollständig fremd, Hecht ist eine wahre Bereicherung für dieses Team, was

man nicht von allen anderen Spielern, zumindest in charakterlicher Hinsicht, sagen kann, wie es scheint. Für Hecht ist der Erfolg auf das geänderte System zurückzuführen: "Das passt besser zu uns, das wird in Übersee gespielt." Dass die jungen Deutschen, die fast alle in Heilbronn eingesetzt waren, auch unter einem kanadischen Trainer eine Chance erhalten, das hofft Hecht: "Sie können in Heilbronn beweisen, wie gut sie sind, dann treten sie auch im DEL-Team an."

Hans Zach sah die Niederlage seiner Haie auch im Überzahl-Spiel begründet,

bei fünf gegen drei seien die Adler einfach stärker gewesen als die Haie in gleicher Konstellation. Das Glück habe auch gefehlt, aber für eine umfassende Analyse brauche er noch Zeit, meinte der Kölner Coach, der anschließend auf die Frage, ob er nach wie vor für einen

Schiedsrichter-Tausch mit anderen europäischen Nachbarn sei, meinte: "Meine

Meinung ändert sich nur selten oder nie, ich bin meinungsstark." Was einige

Journalisten mit etwas ratlosen Blicken zurückließ. Zach hatte dann noch

eine Begegnung der unangenehmen Art, als ihn ein Besucher des VIP-Clubs als

arrogant bezeichnete und noch ein wenig feines Wort anfügte. Das hörte

ausgerechnet die Frau von Hans Zach, machte ihren Mann aufmerksam, brachte

ihn dann zu dem Schimpfer. Letztendlich schied man glücklicherweise in

Frieden.

Einer, der seinen Weg macht, ist der Kölner Kai Hospelt. Der junge Mann

zeigte schon Großes unter DNL-Coach Rodion Pauels, übrigens einem sehr

angenehmen und immer höflichen Vertreter der Kölner Haie, der jetzt dem

DEL-Team zur Seite steht. Hospelt wunderte sich über manche

Schiedsrichterentscheidungen, fand die Haie, aber auch die Adler bisweilen

benachteiligt. "Wir müssen unser Power Play besser nutzen", zog er ein Fazit und bescheinigte beiden Torhütern super Leistungen. Ein wenig Pech sei bei den Haien schon mit im Spiel gewesen, meinte er, aber das könne sich ja schon beim nächsten Spiel ändern. Unter Hans Zach spiele er ausgesprochen gerne, fügte Hospelt an, in Köln erhielten junge, deutsche Spieler wirklich gute Chancen. Bei den Eisbären im übrigen auch, erwähnte der Kölner. Er sei froh, in Köln alle Chancen zu haben ein Stammspieler zu werden. In allererster Linie aber freute sich der sympathische Crack, dass er so gut über die Runden käme derzeit. Hospelt hatte sich im August einen

Kreuzbandriss zugezogen, sei von Dr. Peter Schäferhoff in Köln operiert

worden ("ein großartiger Arzt") und habe nun sein zweites Spiel bestritten.

Er sei eigentlich zufrieden mit den Fortschritten.

Auf Mannheimer Seite war Frankie Groleau, auch einer, der unter jedem

Trainer versucht, sein Bestes zu geben, zufrieden mit dem Sieg. "Die Jungs

fühlen sich mit diesem System weniger unsicher", gab er zu Protokoll.

Helmuts System sei wunderbar, wenn alle gut spielten, aber Fehler könnte man sich nicht erlauben dabei, die würden sich sofort rächen. Er hatte einige Konfusion im Team in den letzten Wochen ausgemacht. Auf Helmut de Raaf würde er nie etwas kommen lassen: "Er hat uns Spieler ausgesprochen gut und fair behandelt." Vielleicht ein wenig zu gut, wird gemunkelt, nur eine harte Hand könne hier durchgreifen. Das weiß auch Stephane Richer, der ganz klar den "bad guy" geben will. "Es geht manchmal gar nicht so sehr um die Technik", sagt er zu Hockeyweb, "sondern darum, wie man mit den Spielern zurechtkommt". Für Richer ist klar, dass er unter Helmut jede Menge gelernt habe, er sei seinem Vorgänger sehr dankbar und bedauere dessen Weggang. Er habe vor, ganz klare Linien zu ziehen, wer sich nicht einsetze, der spiele nicht. Kein Wenn und Aber. Mike Rosati dürfe netter sein zu den Cracks, lächelt Richer, schließlich müsse es auch die Rolle des good guy geben und die liege Mike eh besser.

Rosati selber freute sich über den Sieg, sah noch jede Menge Arbeit aufs

Trainer-Duo zukommen und war sich im Klaren darüber, dass die Sicht der

Dinge sich ändere mit der Seite, auf der man stünde. Als Trainer brauche es

eine gewisse Distanz und Respekt - von beiden Seiten. Auch Rosati ist einer, der Helmut de Raaf für einen großartigen Trainer hält. Allerdings irrte sich der akribische Techniker de Raaf, der wie kaum ein anderer versuchte, Spielfreude und Erfolg unter einen Hut zu bringen, als er meinte, Erwachsene wie Erwachsene behandeln zu können. Was

ganz offensichtlich nicht der Fall war. Jetzt laufen sie also, setzen sich

ein, spielen ihr altvertrautes System. Und Adlerfreunde hoffen, dass die

beiden jetzigen Trainer, inzwischen schon fast Mannheimer Urgesteine mit

einer großen Geschichte des Einsatzes für die Adler, den richtigen Ton für

diese Truppe finden. (Angelika von Bülow)

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