Vom Spieler zum Schiedsrichter (1/2)Lars Brüggemann

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Bereits mit 17 Jahren zog es den Verteidiger Lars Brüggemann nach Übersee zu den Hull Olympiques. „Das Junioren-Eishockey damals in Kanada war ganz anders und war mit dem in Deutschland gar nicht zu vergleichen. Es war teilweise sehr ruppig und nicht so sehr auf das Spielerische ausgelegt. Keilereien waren an der Tagesordnung. Dazu die Masse der Spiele. Wir habe in dem Jahr mit Vorbereitung, Saison und Play-offs knapp 100 Spiele gemacht. Ich habe zwar nicht alle mitgemacht, aber es war jede Menge. Inzwischen spielen drüben aber einige junge Deutsche sehr erfolgreich.“ Dass der heutige Profischiedsrichter nach einem Jahr wieder zurück nach Deutschland gekommen ist, war geplant, „aber wenn drüben bessere Perspektiven gewesen wären, wäre ich vielleicht in Kanada geblieben.“

Die Rückkehr wurde ihm aber auch leicht gemacht, denn der Spieler Brüggemann stand schon auf dem Zetteln der DEL-Clubs. „Ich hatte ein Angebot von Mannheim, das habe ich dann angenommen.“

Nach Mannheim und einer weiteren Station in Nürnberg ging es mit 21 Jahren wieder zurück über den großen Teich. Diesmal zu den Jacksonville Lizard Kings. „Los ging das in einem Camp von Indianapolis Ice, ein Farmteam aus der Organisation der Chicago Blackhawks. Danach bin ich dann runter in die East Coast Hockey League und habe dort ein Jahr gespielt. Das war zwar eine sehr gute Liga, die auch Spaß gemacht hat, aber auch dort war es sehr hart. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung, im Ausland zu spielen.“

Verteidiger Lars Brüggemann kann nicht so schlecht gewesen sein, denn bereits mit 19 Lenzen bestritt er sein erstes A-Länderspiel und erinnert sich: „Ich glaube, es war in Bad Nauheim, mein Verteidigungspartner war Andy Niederberger. Insgesamt war das aber keine leichte Zeit für junge deutsche Spieler.“ Gerade zu dieser Zeit, Mitte der 90er Jahre, schlug das Bosman-Urteil mit voller Wucht auch in der DEL ein. Schaut man in alte Kaderlisten, geht die Anzahl der deutschen Spieler rapide bergab. Brüggemann schaffte es jedoch, sich über die Stationen Krefeld, Essen, Iserlohn, Hannover und Wolfsburg in der DEL zu behaupten. Aufgrund der Hallensituation schied Wolfsburg nach der Spielzeit 2005/06 jedoch aus der höchsten deutschen Spielklasse aus. „Wolfsburg hat mir als Spieler sehr viel Spaß gemacht, darum war es eigentlich klar, dass ich auch in die 2. Liga mitgehen und wieder mitaufsteigen will.“

Als größten sportlichen Erfolg nennt der heute 36-Jährige seine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1998 im japanischen Nagano. Deutschland wurde nach einem 4:2-Sieg über die Slowakei Neunter. „Das war wohl die beste Zeit, die ich als Spieler hatte. Sich mit den besten der Welt messen zu dürfen, war eine großartige Erfahrung.“

Mit nur 31 Jahren beendete Brüggemann seine Spielerlaufbahn, aufgrund von Verletzungen, nicht ganz freiwillig und bereits ein Jahr später ging er für den Landes-Eissport-Verband (LEV) Nordrhein-Westfalen als Schiedsrichter aufs Eis. „Ich musste ja relativ früh mit dem Spielen aufhören, aber ich habe mir gedacht, dass es das doch nicht gewesen sein kann. Ich wollte auf jeden Fall im Bereich Eishockey weitermachen. Es gab auch die Option, dass ich Trainer werde.“ Der Inhaber der B-Lizenz dürfte in allen ESBG- und DEB-Ligen, also bis zur 2. Bundesliga, jederzeit als Coach hinter der Bande stehen. „Ich hatte aber auch einen guten Draht zu Gerd Müller, Mitglied des DEB-Schiedsrichterausschusses. Während eines Gespräches über Regelauslegung kamen wir über das Thema `Was braucht ein Schiedsrichter überhaupt?´, weil ich eigentlich gar keine Ahnung davon hatte.“ Das einer der besten deutschen Referees diese Aussage trifft, ist beachtlich. „Im Nachhinein trifft das auf jeden Fall zu. Die Vorstellung darüber, wie ein Schiedsrichter arbeitet, war zu meinen Spielerzeiten eine völlig andere.“ Aber Lars Brüggemanns Profil passte schon damals zu 100 Prozent zu einem Schiedsrichter. Als ehemaliger Spieler kann er hervorragend Schlittschuhlaufen, zudem spricht er perfekt Englisch und kennt die Regeln. Letztere kennt er inzwischen wie kaum ein anderer. „Ich habe mir gesagt, ich bin jung und kann noch was erreichen und wenn es mir keinen Spaß macht, kann ich immer noch etwas anderes machen. Aber es hat mich interessiert und gereizt.“

Lars Brüggemann ist jedoch niemand, der halbe Sachen macht. „Wenn ich das mache, mache ich das wie als Spieler. Ich konzentriere mich darauf und will nicht nur mal hier und da ein Spielchen pfeifen. Es hat dann aber auch sofort Spaß gemacht.“

Wenn einer schon zugibt, keine Ahnung gehabt zu haben, dann kann man ihn ja auch fragen, wie er sich aus heutiger Schiedsrichtersicht als damaliger Spieler beurteilen würde. „Die Frage ist gemein“, schmunzelt der Profi, „aber als Spieler hat man eine völlig andere Zielsetzung. Als Spieler und Trainer versucht man natürlich alles, um das Spiel zu gewinnen, denn darum geht es letztendlich. Ich habe als Spieler auch alles getan, um zu gewinnen, daraus ergeben sich nun mal Diskrepanzen.“ Aber genau dieses Wissen um das Innenleben eines DEL-Spielers könnte der größte Vorteil von Lars Brüggemann sein. „Ich kann mich schon in die Spieler hineindenken und glaube auch zu wissen, was in ihnen vorgeht.“

Zumindest ein Nachteil kann es nicht sein. Denn genauso rasant wie der Spieler Brüggemann die Karriereleiter hinaufstieg, war der Aufstieg des Schiedsrichters Brüggemann.

Über den Werdegang des Schiedsrichters bis hin zu bevorstehenden Teilnahme an der A-WM erfahren Sie am morgigen Sonntag mehr.


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