Verletzungen bereiten SorgenTeamcheck Krefeld Pinguine

Die Krefeld Pinguine in der Saison 2015/16. Hinten von links: Christian Menningen (Betreuer), Hunter Bishop, Henrik Eriksson, Robin Weihager, Andreas Driendl, Mike Schmitz, Norman Hauner, Steve Hanusch, Christian Kretschmann, Lukas Koziol. Mitte von linksDie Krefeld Pinguine in der Saison 2015/16. Hinten von links: Christian Menningen (Betreuer), Hunter Bishop, Henrik Eriksson, Robin Weihager, Andreas Driendl, Mike Schmitz, Norman Hauner, Steve Hanusch, Christian Kretschmann, Lukas Koziol. Mitte von links
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Als die sich die Krefeld Pinguine, die am Karnevalsdienstag die Pre-Play-offs ansteuerten, auf eigenem Eis ihrem schärfsten Rivalen um Platz 10, den Kölner Haien, mit 3:5 geschlagen geben und die Haie vorbeiziehen lassen mussten,  glaubte mancher nicht, dass die Mannschaft vier Wochen später denkbar knapp und unglücklich gegen den späteren Halbfinalisten Wolfsburg den Einzug ins Viertelfinale verpassen würde. Das Minimalziel der Saison war damit jedoch erreicht, von weitergehenden Zielen hatte man wegen der Querelen mit der Stadt Krefeld um den Mietvertrag für den König-Palast, die den Eishockeystandort Krefeld ernsthaft  gefährdeten, und  nach den personellen Verlusten während der Saison kaum zu träumen gewagt.

Zunächst hatte man sich kurz vor Weihnachten 2014 ohne Angabe von Gründen von Francois Methot getrennt, dann wurde drei Wochen später der Vertrag von Torjäger Alex Courchaine aufgelöst. Die kurzfristige Verpflichtung von Ex-Hai Marcel Müller trug zwar wesentlich zum Erreichen des zehnten Platzes bei, doch befürchteten die Realisten von Anfang an, was sich im Frühjahr dann bewahrheitete: die ohne finanzkräftigen Großsponsor agierenden Pinguine konnten Müller nicht halten, er ging – wie Kevin Clark, der Krefelder Topscorer der Vorsaison – nach Hamburg. Die Verträge von Tyler Beechey, Colin Long und Joel Perrault, von denen man sich wesentlich mehr versprochen hatte, wurden nicht verlängert, womit die  Pinguine-Offensivabteilung auf acht Stürmer (Ende Januar hatten die Pinguine noch den Schweden Yared Hagos nachverpflichtet) schrumpfte. Aus der Defensive verabschiedete sich der zeitweilige Kapitän Josh Meyers, dessen Saison aufgrund von Verletzungen suboptimal verlaufen war, und den dritten Torhüter der Pinguine, Felix Bick, zog es nach Düsseldorf.

Im Tor vertrauen die Krefelder auch in dieser Saison auf die gewohnt gute Leistung von Tomás Duba, der schon in den Vorbereitungs- und  CHL-Spielen zeigte, dass er in einer überzeugenden Frühform ist. Allerdings  musste sein Vertreter Patrick Klein schon im letzten CHL-Spiel einspringen, da Duba sich verletzte und den DEL-Saisonanfang  dem Nachwuchsmann wird überlassen müssen. Gemäß ihrer Tradition der Nachwuchsförderung ist der mit einer Förderlizenz ausgestattete 20-jährige Lucas di Berardo aus dem eigenen Nachwuchs  derzeit der dritte (aktuell: zweite) Torhüter der Pinguine.

In der Verteidigung der Pinguine gibt es keine großen Veränderungen. Neu im Kader sind lediglich die Förderlizenzspieler  Mike Schmitz (20)  und Tom Schmitz (18). Der in der Vorbereitungsphase verletzte Robin Weihager konnte schon beim letzten Vorbereitungsspiel am 5. September in Köln (6:2 für Krefeld) zeigen, dass mit ihm wieder zu rechnen ist und er als Blueliner den Krefelder Angriff wesentlich druckvoller machen kann.

Die Krefelder Offensive bereitet Trainer Rick Adduono, dem dienstältesten DEL-Trainer, augenblicklich die meiste Arbeit, da er nicht nur vier Neuzugänge in die Mannschaft integrieren, sondern auch verletzungsbedingt  noch mehrere Wochen auf  István Sofron verzichten muss. Vom Paradesturm der Pinguine aus den Monaten Januar bis März steht vorläufig also nur Nationalspieler und Neu-Kapitän Daniel  Pietta zur Verfügung, der zu allem Überfluss  im letzten CHL-Spiel verletzt ausschied.  Umso mehr wird der Erfolg der Pinguine davon abhängen, dass die Neuzugänge sich rasch an das DEL-Niveau gewöhnen und ihre Leistungen abrufen können. Als  Topverpflichtung holten die Pinguine Mike Collins (25) aus der DEL2 an den Niederrhein, an dem aufgrund seines sehr starken Jahrs bei den Kassel Huskies auch andere DEL-Clubs interessiert waren. Collins ist spielstark und war im Vorjahr der Topscorer der DEL2. Von Olimpija Ljubljana aus der EBEL verpflichtete man deren Topscorer Hunter Bishop (28), dessen Schnelligkeit und gutes Defensivverhalten die Pinguin-Verantwortlichen überzeugten. Der 27-jährige Schwede Henrik Eriksson, letztjähriger Topscorer der dänischen Eliteliga, komplettiert das Trio der Hoffnungsträger der Pinguine, von denen man nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Torgefährlichkeit erhofft. Ein wenig DEL2- und DEL-Luft  hat auch schon der vierte Neuzugang, der 19-jährige Lukas Koziol, geschnuppert, der  von der Spree an den Rhein wechselte.

Was kann man von den Pinguinen in dieser Saison erwarten?

Spektakuläre Neuverpflichtungen sind – wie es bei einem Verein mit begrenzten Mitteln nicht erstaunt – auch dieses Jahr nicht zu verzeichnen. Die Pinguine sind eines der jüngsten Teams der Liga (26,6 Jahre) und werden Schnelligkeit, Begeisterung und unbedingten Einsatzwillen in die Waagschale werfen müssen, um Defizite in den Bereichen Erfahrung, Physis oder individuelle Qualität gegebenenfalls ausgleichen zu können. Vor dem Hintergrund der  Sicherung des  Eishockeystandorts  Krefeld und mit einem neuen engagierten Geschäftsführer im Rücken wird sich hoffentlich wieder der Mannschaftsgeist entwickeln, mit dem man schon manchen Überraschungscoup landen konnte. Dies  wird besonders wichtig sein, damit man den Saisonanfang trotz der Verletzungen von Duba und Sofron gut übersteht. Im Vorjahr bekam die Mannschaft die fünftmeisten Strafzeiten, ein Wert, der sich verbessern muss, wie auch das Ausscheiden in der CHL-Vorrunde belegt. Wenn sich dann noch mehr Effizienz beim Überzahlspiel einstellt und die Pinguine endlich einmal von größeren Verletzungen ihrer Leistungsträger  verschont bleiben, sollten  zumindest die Pre-Play-offs erreicht werden.