Uwe Krupp im großen Hockeyweb-Interview - Teil 3

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Für die Deutsche Nationalmannschaft startet mit dem Deutschland-Cup (6.-8.November in München - Hier verschenkt Hockeyweb Karten) eine ereignisreiche Saison. Schon im Februar schließen sich die Olympischen Spiele in Vancouver/Kanada an, ehe Anfang Mai die Eishockey-Weltmeisterschaften in Deutschland beginnen. Grund genug für Hockeyweb-Redakteur Oliver Koch bei Bundestrainer Uwe Krupp mal genauer nachzufragen.

Das Interview wurde in drei Teile gegliedert. Beginnend mit dem Thema Deutschland-Cup (>>Hier<<), rissen wir gestern das Thema Olympische Spiele und Weltmeisterschaften an (>>Hier<<). Im letzten Teil geht es heute um den Nachwuchs sowie um Uwe Krupps Zukunft als Bundestrainer.

Teil 3: Nachwuchs und Krupps Zukunft

Herr Krupp, schauen wir noch etwas auf den Nachwuchs. Wie zufrieden sind Sie mit der Nachwuchsarbeit hierzulande und was hat sich seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2005 in ihren Augen verändert?

Leider hat sich nicht so viel verändert. Neue Talente kommen immer noch aus den selben Gegenden wie bisher. Es sind meist die bayrischen Vereine, welche die Kinder erst einmal zu Talenten entwickeln. Die Besten von denen gehen dann zu den Klubs, die aktive Nachwuchsarbeit betreiben. Berlin, Mannheim oder Köln seien hier mal genannt. Das war zu Beginn meiner Tätigkeit beim DEB schon so und ändert sich nur sehr schleppend. Positiv anzumerken ist aber die auf den Weg gebrachte Kooperation zwischen dem DEB und der DEL zur Nachwuchsförderung.
Sie nannten Mannheim im Zuge der Nachwuchsarbeit. Vielleicht sollten wir das Jungadlerprojekt etwas kritischer betrachten? In der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) spielen dort die besten Talente Deutschlands. Allerdings stockt es nach dem altersbedingten Ausscheiden der Spieler von Seiten der Adler her etwas. Die besten Talente werden nur sehr stotternd in ihr DEL-Team integriert.

Fakt ist, die Mannheimer machen eine gute Nachwuchsarbeit. Ich glaube es würde noch schlechter um den deutschen Nachwuchs stehen, wenn es dieses Jungadler-Projekt nicht geben würde. Die Spieler werden dort gefördert und können sich gut aufs Eishockey konzentrieren. Das hilft uns auch in unseren Nachwuchs-Nationalmannschaften weiter. Wie Talente in das DEL-Team integriert werden, geht uns als DEB nichts an. Das ist die Arbeit des Klubs. Es ist aber auch nicht gesagt, dass ein DNL-Topscorer im nächsten Schritt auf dem selben Level bleibt.

Was wäre denn der beste nächste Schritt für einen jungen Spieler, der mit 18 oder 19 Jahren aus der DNL kommt?

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die es gleich in die DEL schaffen. Aber der beste Weg wäre es sicher, wenn sich die Spieler langsam von der Oberliga her, über die 2.Bundesliga für die DEL entwickeln. Bestes Beispiel dafür ist Michael Wolf. Er spielte sich über beide Ligen bis in die DEL und ist heute wahrscheinlich der beste deutsche Stürmer.

Allerdings locken ja auch schon DEL-Klubs mit Verträgen?

Mag sein. Aber  wie viele können sich dort letztendlich durchsetzen? Wenn man drei Jahre nur vierte Reihe spielt und es als Aufgabe hat, die Scheibe tief zu spielen, der kann sich nicht wirklich weiterentwickeln. Das Problem ist aber auch, dass einigen Spielern das schon genügt. Dann haben sie noch ein vom Klub gestelltes Auto und fühlen sich dann gut. Aber spielerisch nutzt es ihnen nichts, wenn sie nach dem Training die Pucks einsammeln und nur sporadisch zum Einsatz kommen.

Ein Fokus liegt auf das U20 DEB-Team, welches am Pokalwettbewerb der Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft ESBG teilnimmt. Immerhin wurde ein nicht so schlecht aufgestelltes Dresdner Zweitliga-Team geschlagen. Wie ist dieser Sieg zu bewerten?

Zunächst ist es für mich absolut positiv zu bewerten, dass sich die ESBG-Klubs so schnell zusammengeschlossen haben und  diesen Pokalwettbewerb fix ins Leben riefen. Es ist beeindruckend zu sehen, dass sich diese Klubs im Bezug auf den Nachwuchs in der Pflicht sehen. Der Sieg in Dresden war natürlich eine tolle Sache für uns. Eigentlich, dass wir überhaupt spielen konnten. Auch die Bedingungen dort waren für uns als U20-Team fantastisch. Auch Dank Dresdens Sportchef Steffen Ziesche, der nicht nur ein Förderer des Nachwuchses ist, sondern uns auch  in vielerlei Hinsicht geholfen hatte. Der Sieg soll uns natürlich Schwung für weitere Aufgaben geben.

Ist es denn als Bundestrainer schwierig, zu den Trainern der einzelnen Klubs oder Vereine Kontakt zu haben?

Überhaupt nicht. Die Trainer von den Klubs die Nationalspieler abstellen, sind absolut offen mir gegenüber. Dadurch das ich jetzt in Deutschland lebe, besuche ich viele Spiele und habe viel Kontakt mit den Klubs.

Wäre es für Sie nicht reizvoll, selbst einmal in einem DEL-Klub mit Entwicklungspotenzial zu arbeiten? Mal selber an der Basis mit anzupacken?

Momentan konzentriere ich mich voll und ganz auf die anstehenden Turniere. Nach den Weltmeisterschaften bin ich dann schon fünf Jahre dabei. Eine ganz schön lange Zeit. Vielleicht will ich dann etwas verändern. Ob dann aber die DEL die erste Option für mich ist, kann ich auch noch nicht sagen.

Der Name Krupp tauchte dieser Tage in den Hamburger Medien im Zusammenhang mit der Suche der Hamburg Freezers nach einem Sportdirektor auf. Nur ein Gerücht oder gibt es Kontakte mit den Freezers-Verantwortlichen?

Ich hatte keinen Kontakt.

Herr Krupp, vielen dank für das ausführliche Interview.

Kein Problem.

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