Ungebremste Kölner Aggressivität zerstört Krefelder SpielkunstKöln - Krefeld 6:2

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Nur 24 Sekunden waren gespielt, als es in der Lanxess-Arena die erste Aufregung und den ersten Hinweis darauf gab, wie Köln das Spiel gestalten wollte: schmutzig. Aus einer Spieler- und Unpar-teiischen-Traube, in der die Pinguine nach einer Spielunterbrechung offensichtlich versuchten, ihren Top-Torschützen vor den Angriffen mehrerer Kölner zu schützen, löste sich Kevin Clark, der dann von John Tripp angegangen wurde. Obwohl das Spiel längst abgepfiffenen war, erhielt Tripp lediglich eine kleine Strafe, die durch die von Clark kompensiert wurde. Und so ging es auch im ganzen Spiel: die Kölner foulten und provozierten ganz gezielt die Krefelder Spielmacher Clark, Voakes und Perrault, wobei sich Tripp und Trainer-Sohn Krupp ganz besonders hervortaten. Zwar verhängten die Schiedsrichter im Spiel drei 2+2 Minutenstrafen gegen die Kölner, aber das Krefelder Spiel litt besonders unter den Hinausstellungen von Mark Voakes.

Da im ersten Drittel  jede Kleinigkeit nur auf Krefelder Seite mit einer Hinausstellung geahndet wurde, war die Null auf dem Haben-Konto der Pinguine nicht so über-raschend. Trotzdem stellte das Zwischenergebnis von 3:0 den Spielverlauf gewissermaßen auf den Kopf: das 0:1 aus Krefelder Sicht in der fünften Minute fiel quasi aus dem Nichts: bei Krefelder Überlegenheit – vorher u.a. Pfostenschuss von Steve Hanusch – hämmerte Chris Minard  bei einem Konter den Puck über Dubas Fanghand in die rechte obere Ecke.  Als Steve Hanusch wenig später auf der Strafbank saß, profitierten die Haie von einem der bekannten Fehler der  Pinguine: anstatt in Unterzahl auf Sicherheit zu spielen und den mit Mühen im eigenen Drittel eroberten Puck hinauszuspielen, versuchte man einen Konter mit Aufbaupass in den eigenen Slot, der natürlich abgefangen wurde und wieder rechts oben hinter Tomás Duba im Krefelder Tor endete: 0:2. In der nun folgenden Kölner Drangphase waren Sinan Akdag und die Abwehr zu zögerlich: einen von hinter dem Tor in den Krefelder Slot gespielten Puck konnte Alexander Weiß praktisch  ungestört annehmen und rechts versenken: 0:3. Fünf Minuten vor Drittelende eine Wiederholung der Situation, die zum 0:2 führte, diesmal jedoch ohne Konsequenzen für Krefeld.

Im zweiten Drittel fielen keine Tore. Bei verteiltem Spiel mit Chancen auf beiden Seiten gab es nur drei kommentierungswürdige Szenen: die erste in der zwölften Minute, als John Tripp  2+2 Minuten erhielt, aber auch Mark Voakes mit einer Zwei-Minuten-Strafe belegt wurde, bei der die Schiedsrichter wohl die Notwendigkeit verspürten, sie dem Spieler selbst und der Bank endlos lange erklären zu müssen; die zweite dann in Minute 37, als Björn Krupp wiederum nach dem Abpfiff der Schiedsrichter Mark Voakes foulte und dafür wiederum nur zwei Minuten erhielt.  Nach dem Schlusspfiff verwickelte erneut Krupp Perrault in eine Rangelei, so dass beide Spieler den Beginn des letzten Drittels auf der Strafbank erlebten.

Die Pinguine machten im letzten Drittel mehr Druck: Adam Courchaine (2), und Francois Methot konnten Youri Ziffzer nicht überwinden und als er dann schon geschlagen war, kratzte ein Verteidiger den Puck von der Linie. Als in der 52. Minute zwei Kölner auf der Strafbank saßen, brauchten die Pinguine 14 Sekunden, um den längst verdienten Anschlusstreffer zu erzielen: Courchaine war mit einem feinen Schlagschuss in die rechte untere Ecke  erfolgreich. Kurz darauf wanderte Perrault auf die Bank: beim Spiel 4:4 behinderten sich zwei Pinguine hinter dem eigenen Tor gegenseitig, Collins stieß Oliver Mebus um und spielte die Scheibe zu Philip Gogulla im Slot, der ohne Probleme zum 4:1 verwandeln konnte. Nur 17 Sekunden später der endgültige K.o. für Krefeld: Tripp versucht, zwischen zwei Krefelder Verteidigern durchzugehen und legt sich den Puck weit vor, Tomás Duba kommt aus seinem Tor und – anstatt den Puck über die Bande aus der Gefahrenzone zu befördern – spielt ihn mitten ins Feld zurück, wo der hinterher laufende Charlie Stephens ihn aufnimmt und sofort zum 5:1 ins Tor befördert. Trotzdem spielen die Pinguine weiter, als ob die das Spiel noch drehen könnten: Perrault taucht frei vor Ziffzer auf, und in Minute 56 kann Christian Kretschmann nach schönem Zuspiel von Methot das 2:5 erzielen.  In der letzten Minute erhält Perrault seine vierte Zeitstrafe (die 11. für Krefeld), und Köln bedankt sich mit dem zweiten Treffer von Minard zum 6:2-Endstand.

Wenn die Pinguine in den Play-offs etwas erreichen wollen, müssen sie sich darauf einstellen, dass ihr großes Plus, nämlich ihre Spielstärke, vom Gegner mit allen fairen und unfairen Mitteln bekämpft werden wird.

Tore:
1:0 (5.) 
Minard (Ankert, Lüdemann)
2:0 (9.) Tjärnquist (Gogulla)  PP1
3:0 (14.) Weiss (Collins, Tjärnquist)
3:1 (52.) Courchaine (Methot, Perrault) PP2
4:1 (54.)  Gogulla (Collins)
5:1 (54.) Stephens
5:2 (56.) Kretschmann (Methot, Mebus)
6:2 (60.) Minard (Collins, Falk)

Strafen : Köln 16, Krefeld 22
Schiedsrichtter: Massi/Yazdi
Zuschauer: 11.528