Uli Liebsch: „Es beginnt alles mit dem Schlittschuhlaufen“Der DEL-Nachwuchskoordinator im Hockeyweb-Interview

Uli Liebsch ist als Nachwuchskoordinator für die Deutsche Eishockey-Liga, aber auch für den Deutschen Eishockey-Bund tätig.  (Foto: DEL)Uli Liebsch ist als Nachwuchskoordinator für die Deutsche Eishockey-Liga, aber auch für den Deutschen Eishockey-Bund tätig. (Foto: DEL)
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Herr Liebsch, wie sind Sie DEL-Nachwuchskoordinator geworden?

Die DEL bzw. der Förderverein des Deutschen Eishockey Nachwuchses e.V. hat sich 2013/14 dazu entschieden, jemanden fest für die Unterstützung der Nachwuchsarbeit in den Klubs einzustellen. Die Verantwortlichen hatten mich kontaktiert und die Aufgabe kam mir sehr interessant vor – ich sagte zu und ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit.

Wie sieht ihr Alltag aus?

Ich bin viel unterwegs bei den DEL-Nachwuchsorganisationen. Ich gehe mit allen Altersgruppen auf das Eis und gebe den Trainern Feedback, Tipps und Programme für die Trainingsarbeit. Darüber hinaus bin ich federführend für das Fünf-Sterne-Zertifizierungsprogramm verantwortlich und prüfe die Umsetzung der Kriterien vor Ort. Die jährliche Organisation und Ausführung der DEL Future Camps gehört auch zu meinen Aufgaben.

Herberts Vasiljevs unterstützt Sie bei der Betreuung der Vereine. Wie sieht die Zusammenarbeit aus? Und wie würden Sie Herberts beschreiben?

Herberts ist für mich eine große Hilfe, er betreut die sieben DEL-Klubs im Norden. Dadurch kann ich mich auf die Südklubs konzentrieren und muss nicht so viel Zeit auf der Autobahn verschwenden. Herberts ist ein sehr angenehmer Kollege, er hat viel Erfahrung als ehemaliger Profi und er geht in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen auf.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei ihrer Tätigkeit?

Wir wollen uns im Nachwuchs ständig verbessern. Für mich ist immer die Basis das Wichtigste: Viele Kinder für das Eishockey gewinnen und im Klub binden – das ist die große Herausforderung. Dann wollen wir natürlich möglichst viele Klubs, die langfristig ein Konzept haben, um die jungen Spieler und Spielerinnen bestmöglich auszubilden. Ich versuche, eine gute Beziehung zu den Verantwortlichen der Klubs aufzubauen und Hilfe geben, aber nicht als Oberlehrer und Prüfer auftreten.

Darüber hinaus sind Sie auch für den DEB tätig. Welche Aufgaben übernehmen Sie für den Dachverband?

Früher habe ich die U16- und auch die U17-Nationalmannschaften trainiert. Auf Grund meiner hohen Reisetätigkeit wurde mir das aber zu viel. Jetzt helfe ich noch gerne als Referent bei der Trainerausbildung des DEB.

Wie sind Sie eigentlich zum Eishockeysport gekommen?

Ich habe in Geretsried nicht weit von der Eishalle gewohnt. Dort habe ich im Alter von sechs Jahren begonnen und bis zur Juniorenklasse gespielt. Dann bin ich für ein Jahr zum EC Bad Tölz in die Junioren-Bundesliga gewechselt. Der TuS Geretsried war meine Heimat, dort habe ich eine tolle Zeit im Nachwuchs erlebt.

Was war Ihr schönster Eishockeymoment?

Die Finalserie 1992 mit den Kölner Haien gegen die DEG war schon etwas Besonderes. Leider haben wir im fünften Spiel in der Overtime verloren. Die rheinischen Derbys sind einfach fantastisch. Als junger Spund mit dem EHC Freiburg in die 1. Bundesliga aufzusteigen, war auch ein Highlight. Dann ist natürlich jedes Länderspiel eine Ehre. Auch wenn es nur elf Spiele waren, bin ich stolz, für den DEB gespielt zu haben.

Wo befindet sich das deutsche Eishockey? Was läuft gut und was ist ausbaufähig?

Wir sind auf einem guten Weg. Die Nachwuchsarbeit wird flächendeckend besser und in der DEL bekommen immer mehr junge deutsche Spieler eine Chance. Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr deutsche Trainer in den höchsten Ligen geben würde und noch mehr auf deutsche Spieler gesetzt wird.

Seider, Stützle, Peterka, Reichel. Namen, die in der Eishockeywelt ihre Kreise ziehen. Zufall, Talent oder Produkt systematischer Nachwuchsarbeit deutscher Clubs?

Die Genannten sind Ausnahmespieler, das ist sicher nicht die Regel. Insgesamt ist es so, dass die Qualität ständig besser wird. Das ist an den Ergebnissen der U18- und U20-Nationalmannschaften zu erkennen. Da sind viele Spieler, die vielleicht kein NHL-Potenzial haben, aber sich auf jeden Fall in der DEL etablieren können.

Sehen Sie weitere Spieler dieser Extraklasse nachkommen?

Da muss man abwarten, im Jahrgang 2004 sehe ich Potenzial. Für eine Prognose bei den Jüngeren ist es jetzt zu früh.

Was sagen Sie einem jungen Athleten, der Sie fragt: Wie werde ich Eishockeyprofi?

Jeden Tag mit Fleiß und Begeisterung trainieren und ein guter Teamplayer sein.

Denken Sie, dass die Zusammenarbeit mit Verbänden anderer Hockeysportarten wie beispielsweise Skaterhockey, Floorball oder Hockey die Beteiligten zusätzlich beflügeln und für positive Energie sorgen könnte?

Auf lokaler Ebene gibt es schon sportartübergreifende Kooperationen. Ich glaube aber, dass unser Sport so komplex und trainingsintensiv ist, dass es kein entscheidender Faktor werden wird.

Ich habe einen Vortrag von Ihnen über die Defensive und das Abwehrverhalten gehört. Was macht zeitgemäße Verteidigung aus?

Ich schaue da immer auf die individuellen Fähigkeiten. Es beginnt alles mit dem Schlittschuhlaufen. Moritz Seider ist ein beeindruckender Skater: er ist immer in der richtigen Position und deshalb so stabil in der Defensive. Ich denke, als Team ist es das Beste, den Puck im Besitz zu haben, dann muss weniger verteidigt werden. Unsere Nationalmannschaft macht das sehr gut. Sie spielen selbstbewusst und wollen den Puck haben, deshalb sind sie auch nicht mehr so viel unter Druck wie früher.

Welcher Eishockeybegriff ist Ihr liebster und warum?

Long Term Development, langfristiger Leistungsaufbau, darum geht es im Nachwuchs. Nachwuchsentwicklung ist ein langer Prozess, es zählen keine Titel im U11- oder U13-Bereich.

Corona ist allgegenwärtig. Wie erleben Sie die gesamte Situation? Welche Auswirkungen für den Sport und speziell Eishockey hat es und wird es wohlmöglich noch haben?

Die ganze Situation ist sehr komplex. Es gibt so viele kommunale Unterschiede, was die Beschränkungen betrifft. Das macht es für alle Beteiligten sehr schwierig. Ich denke, alle Verantwortlichen, von den Klubs bis zum DEB und der DEL, machen im Moment einen guten Job und versuchen das Beste für unseren Sport. Ich befürchte, es wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen, gerade was einen geregelten Spielbetrieb betrifft. Ich hoffe, es bremst die gute Entwicklung, die unsere Sportart in den vergangenen Jahren genommen hat, nicht allzu lange.

Welche Hobbys neben dem Eishockey bereichern Ihr Leben?

Natürlich meine Familie. Mittlerweile habe ich Enkelkinder und die machen unglaublich viel Freude. Wenn ich Zeit habe, versuche ich Sport zu treiben. Ich schwimme, fahre Fahrrad und laufe viel. Ich habe sogar schon zweimal an einem Triathlon teilgenommen. Das macht echt Spaß und man bleibt fit.

Herr Liebsch, zum Abschluss sind noch schnelle Entscheidungen gefragt. Bitte entscheiden Sie sich:

Norwegen oder Portugal - Portugal

Angriff oder Verteidigung - Angriff

Radio oder Podcast - Podcast

Fahrrad oder Auto – Fahrrad, aber beruflich leider viel Auto

Ausschlafen oder Wecker - Wecker

Links oder rechts - lieber geradeaus

Süßes oder Saures - Süßes

Unter- oder Überzahl - Überzahl

DEL oder DEB - jetzt zum Glück gemeinsam stark

Zug oder Flug - Zug

Floorball oder Unihockey - kein Unterschied, den Kindern macht es Spaß


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