Übertriebene Härte: Die Hockeyweb-Kolumne von Alexander Brandt

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Ein Wochenende ist in der DEL absolviert und der ERC Ingolstadt ist das Team der Stunde! Denn die Panther überzeugten nicht nur mit guten Ergebnissen, sie unterrichteten die Nation auch in Sachen sportgerechte Ernährung, nach dem Motto: Gib´ Deinem Körper zurück, was Du ihm genommen hast. Und wenn Du ihm noch gar nichts genommen hast, gib´s ihm trotzdem!

Alkoholfreies Bier gilt als optimales Getränk für Sportler, das so manchen Elektrolyt-Drink in den Schatten stellt. Doch anscheinend muss dem einen oder anderen Athleten noch erklärt werden, dass „Alkoholfreies Bier“ und „Freibier“ zwei gänzlich unterschiedliche Dinge sind. So wurden zwei Ingolstädter Spieler strunzblau von der Polizei erwischt. Als sie wieder nüchtern waren, hauten die Ingolstädter die Eisbären 5:0 vom Eis. Ob Pierre Pagé seinem Team daraufhin beim nächsten Training einen Kasten Schultheiss vor die Kabine stellte? Sieh´ sich einer diesen Jimmy Waite an: 1,6 Promille und zwei Shutouts! Ist das jetzt die Zauberformel für Torhüter?

Aber mal im Ernst: Es stimmt schon nachdenklich, wenn Profisportler nicht mit Drogen umgehen können. Andererseits: Deutschlands Obersportler Franz Beckenbauer macht Werbung für alkoholische Getränke, da kann schon der eine oder andere auf die Idee kommen, übermäßiger Bierkonsum sei etwas völlig normales. „Jaha, gibt´s was schöneres?“ Und der Mann ist Präsident des Vereins, der maßgeblich an der Entlarvung Christoph Daums als Drogenkonsument beteiligt war...

Aber zurück zum Eishockey: Eine einzige Frage beschäftigt derzeit Trainer und Manager: Soll man ausgesperrte NHLer verpflichten, oder nicht? Die einen sagen nö, wer weiß schon, wie lange die bleiben. Die anderen sagen na und, bis dahin haben die uns vielleicht genau die Punkte geholt, die wir am Ende der Saison brauchen, um die Play-offs zu erreichen oder die Abstiegsspiele zu vermeiden. Mir egal, aus Sicht des Zuschauers kann ich nur sagen: Her mit den Jungs! Stars füllen die Hallen, sie liefern das Spektakel, das wir sehen wollen! Beispiel HC Davos, die haben drei NHL-Stars geholt und die alte Davoser Holzhütte war rappelvoll wie sonst nur beim Spengler Cup (wenn die Stars dort spielen). Gerade wenn ich als Liga noch keinen TV-Vertrag habe, muss ich doch was bieten können! Und damit meine ich keine trällernden Eintagsfliegen im Vorprogramm der Partien (aus der Serie „Deutschland sucht den Superstar, von Finden war nie die Rede“), sondern Künstler auf dem Eis, Arbeiter haben wir mehr als genug in der Liga!
Wo wir gerade beim fehlenden TV-Vertrag sind: Hier hat die DEL schlicht und ergreifend versagt. Jeder Verein muss zum Saisonstart seinen Etat und auch seine Medienpartner unter Dach und Fach haben, das sollte auch für die Liga gelten. Und wenn man zum Saisonstart keinen anderen Partner als das Bezahl-Fernsehen hat, muss man dessen Bedingungen eben wohl oder übel akzeptieren. Die Codekarte für den Decoder wird zur Arschkarte, und die hat der Zuschauer. Wie immer. Wir zahlen jetzt monatlich eine Menge Geld für einen Decoder, der in der Ecke liegt und Staub fängt. Schönen Dank, Herr Tripcke! Ich will ja nicht ausschliessen, dass die DEL ihre Gründe hatte, aber in dem Fall hätte man es versäumt, diese Gründe für die Öffentlichkeit nachvollziehbar darzustellen, sorry. Wie wäre es mit einer kleinen Entschädigung für die geprellten Eishockeyfans? Zum Beispiel könnte man in den Hallen Staubtücher mit aufgedrucktem DEL-Logo verteilen...

Alexander Brandt

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