Tomás Duba: „Eigentlich wollte ich Motorradrennen fahren“Interview mit dem Torhüter der Krefeld Pinguine

Krefelds Torhüter Tomás Duba. (Foto: Imago)Krefelds Torhüter Tomás Duba. (Foto: Imago)
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Tomás, wie kamen Sie zum Eishockey?

Eigentlich wollte ich Motorradfahrer werden, aber meine Mutter war strikt dagegen. Der Bruder meines besten Freundes wollte Eishockey zu spielen, aber nur, wenn ich mitmachte. So kam ich zum Hockey. Torwart wurde ich dann, weil die Mannschaft einen brauchte und dem Trainer meine  geraden Beine gefielen und weil ich ein verantwortungsbewusster Spieler war. Zuvor hatte ich schon beim Handball und Fußball im Tor gestanden, darum war ich einverstanden.

Wie hat der Sport mit der Schule bzw. Ausbildung zusammengepasst?

Ich habe zuerst meine Schulausbildung abgeschlossen und mich dann ganz auf den Sport konzentriert.

2001 wurden Sie von Pittsburgh gedraftet, sind aber nach Lappeenranta gegangen. Warum?

Mein Club war Sparta Prag, wo Petr Briza spielte, also brauchten sie mich nicht, sondern verliehen mich an andere Clubs. Schon vor dem Draft hatte ich das Angebot bekommen, in die finnische Elite-Liga zu wechseln. Es war eine sehr gute Erfahrung, und die Jahre bzw. Spielzeiten  in Finnland, Schweden, anderen tschechischen Vereinen der Extra-Liga und in der KHL waren sehr gut für mich. Viele Wechsel helfen einem bei der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Ich glaube daran, dass man sich selbst erziehen und weiterbilden muss, und vertraue nicht nur auf akademische Grade und Titel. Es gab für mich eine zweite Chance, nach Pittsburgh zu gehen, aber die fiel dem Lockout zum Opfer. Damals war ich zuerst bereit, das Hockeyspielen aufzugeben, aber dann kam das Angebot, für den HC Bozen zu spielen, und ich sagte mir: Warum nicht? Schließlich war Italien eine neue Erfahrung. Als ich dort anfing, war das Team an Position zehn mit 17 Punkten Rückstand auf die Spitze, am Ende waren wir Erster mit zehn Punkten Vorsprung. Dann lagen mir drei Angebote aus Schweden, Finnland und Deutschland vor. Mein Bauchgefühl ließ mich in Krefeld unterschreiben, und ich habe es nicht bereut.

Was ist am deutschen Eishockey anders im Vergleich zu anderen Ländern?

Das deutsche Eishockey ist körperlicher. Das liegt auch daran, dass hier viele nordamerikanische Spieler den Stil eines Spiels beeinflussen. Die skandinavischen Spieler halten den Puck länger, was es für den Torwart viel schwerer macht zu reagieren. Ich meine auch, dass die deutschen Spieler härter arbeiten, was für mich auch ein Charakterzug der Deutschen ganz allgemein ist. Außerdem gefällt mir besonders die Show vor Beginn eines Spiels, insbesondere in Krefeld, aber auch die in Berlin.

Tomás, manche halten Sie für einen Spezialisten für die Abwehr von Penaltys und Breaks.

Ich empfinde es als leichter, nur einem Spieler gegenüber zu stehen, als wenn die Abwehrzone voller Spieler ist. Ich versuche dann, den Gegenspieler zu veranlassen, das zu tun, was ich möchte bzw. dahin zu laufen, wohin ich ihn haben möchte.

Im Spiel gegen die DEG am vergangenen Sonntag waren Sie und Istvàn Sofron die Matchwinner. Wie beurteilen Sie die Leistung  der Pinguine bzw. Ihre eigene?

Ich denke, es war eins unserer besseren Spiele. Es war sogar ziemlich gut, wir haben uns in den letzten Spielen verbessert. Ich selbst war nach dem Spiel ganz glücklich, obwohl ich mich vorher nicht so gut gefühlt hatte.

Auch gegen die DEG gab es ein frühes Gegentor wie schon mehrfach in dieser Saison (München, Hamburg, Schwenningen) oder zumindest eine frühe Strafzeit (Köln). Fehlt den Pinguinen die Konzentration bei Spielbeginn?

Wir sind sehr früh nach Hamburg aufgebrochen. Das Problem ist natürlich, nicht das erste Tor zu kassieren. In Schwenningen haben wir die Strafzeiten gehabt. Es ist frustrierend, hinter dem Führungstor herzulaufen.

Trotz guter Unterzahlstatistik  wundert sich mancher Zuschauer, wie häufig es den Pinguinen nicht gelingt, bei  Scheibenkontrolle im eigenen Drittel den Puck einfach aus der Abwehrzone zu schlagen, wie es  auch Spitzenmannschaften in Unterzahlsituationen tun.

Das liegt zum einen an der Müdigkeit von Spielern, zum anderen z.B. daran, dass man den / die Gegenspieler unterschätzt.

Wenn Sie Ihr Tor verlassen (müssen), entsteht manch brenzlige Situation und man hat den Eindruck, dass Sie nicht genug Unterstützung von den Feldspielern bekommen (z.B. im letzten Spiel gegen Düsseldorf oder zu Saisonauftakt in Iserlohn). Mangelt es hier an Verständnis oder Kooperation?

In so einer Situation muss man immer improvisieren. Das kann man nicht richtig üben und die Kommunikation ist sehr schwierig.

Ist Ihnen das Abwehrspiel der Pinguine körperbetont genug?

Wir sind mehr eine technische Mannschaft, das war auch unsere Schwäche in den Play-offs.

Krefeld liegt momentan auf Platz 8 der Strafenstatistik. Nehmen die Pinguine zu viele Strafen?

Das liegt auch an den individuellen Fähigkeiten der Einzelspieler und ist generell der Preis, den die kleineren Clubs (z.B. Schwenningen und Straubing) zahlen, die sich auf dem Spielermarkt finanziell einschränken müssen.

Was sagen Sie zu den Schiedsrichtern in der DEL?

Im Allgemeinen bin ich zufrieden, aber es gibt natürlich einige, die brauche ich nur zu sehen, um zu wissen, dass wir ein schwieriges Spiel haben werden. Zum Beispiel ist eine Strafzeitenverteilung wie in Schwenningen (6:1 gegen Krefeld) oder Wolfsburg (9:1) einfach lächerlich.

Wie beurteilen Sie das Abschneiden der Pinguine in der CHL?

Insgesamt waren die CHL-Spiele eine großartige Erfahrung. Die Vorbereitung der skandinavischen Mannschaften beginnt um einiges früher als hier bei uns (3.8.), in Finnland trainieren sie oft den ganzen Sommer. Auch in Tschechien beginnt man im Juli. Sie waren für die Spiele bereiter als wir.

Die DEL- Schussstatistik zeigt, dass die Pinguine trotz ihres bislang nicht schlechten Abschneidens mehr Schüsse kassieren als abgeben. Also kann die Torwartleistung nicht so schlecht sein.

Am Anfang der Saison waren wir nicht in der Lage, genug Druck nach vorne zu erzeugen, also waren wir viel in der Verteidigung. Für mich sind 40 Schüsse von der blauen Linie kein Problem, aber viele Situationen in der Gefahrenzone vor dem Tor lassen den Torwart oft dumm aussehen. Das Fehlen so vieler gelernter Verteidiger war ein Faktor, aber es hat die Mannschaft auch zusammen wachsen lassen.

Tomás, was denken Sie von den Krefelder Fans? Sind sie etwas Besonderes?

Die Fans der Pinguine haben mehr Spielverständnis als andere, sie engagieren sich und identifizieren sich mehr mit uns. Ich liebe die Unterstützung der Fans, sie motiviert mich stark. Aber ich spiele auch gerne auswärts, denn da ich nicht so gut Deutsch spreche und nicht verstehe, was dort gerufen wird, stelle ich mir vor, dass die Fans mich anfeuern wollen…

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