Tobias Wörle: „Play-offs sind das Schönste, was es gibt“Spielerplausch

Der Füssener Tobias Wörle fühlt sich in Straubing wohl. (Foto: Heribert Böckl)Der Füssener Tobias Wörle fühlt sich in Straubing wohl. (Foto: Heribert Böckl)
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Nicht nur die sportliche Heimat von Tobias Wörle ist der 16-fache Deutsche Meister und zweifache Spengler-Cup-Sieger. „Füssen ist Eishockey“, meint der Neustraubinger und sagt weiter: „Mein Vater hat früher selbst Eishockey gespielt und hat mich einfach in jeden Sportverein gesteckt, den es gab, damit ich meine Hyperaktivität loswerde. Aber als es dann immer intensiver wurde, musste ich mich entscheiden und habe mich für Eishockey entschieden, weil es mir einfach am meisten Spaß macht. Ich bin, Gott sei Dank, dabei geblieben und konnte es zu meinem Beruf machen.“ Er versuchte sich auch im Fußball und beim Skifahren: „Im Skifahren war ich in der Auswahl. Am Vormittag hast du ein Skirennen gehabt und am Nachmittag war es ein Eishockeyspiel. Das ging halt dann nicht mehr.“

Seine DEL-Laufbahn begann er in der Spielzeit 2005/06 bei den Kassel Huskies. Über die Stationen Frankfurt Lions und Iserlohn Roosters ist er im Sommer bei den Straubing Tigers gelandet. Dort wurde er mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. Im ersten Jahr einen Drei-Jahres-Vertrag zu bekommen, ist in dem Geschäft eher ungewöhnlich. „Das ist eine tolle Wertschätzung von Straubing, die aber natürlich eine Vorgeschichte hat. Die Tigers waren schon immer hinter mir her und wollten mich vorher schon mal von Iserlohn abwerben. Da habe ich mich noch für Iserlohn entschieden. Letztes Jahr, als es für mich am Anfang sehr gut lief, sind sie schon recht früh an mich herangetreten und haben mir dann diesen Vertrag angeboten. Nach längerer Überlegung und mit Absprache mit anderen Leuten, habe ich mich dann für Straubing entschieden.“ Doch nicht nur die lange Vertragslaufzeit gab den Ausschlag. „Ich wollte einfach einen Tapetenwechsel. Die Zeit in Iserlohn war wirklich super für mich. Ich habe mich als Spieler weiterentwickelt, habe viel Verantwortung gehabt und auch gepunktet. Aber mannschaftlich haben wir nie diesen Erfolg gehabt. Als erfolgsorientierter Profisportler will man natürlich auch mannschaftlich Erfolg haben. Play-offs sind einfach das schönste, das es gibt, da arbeitest du 52 Spiele dafür. In Iserlohn hat das leider nicht sollen sein. Aus meiner Sicht hätte sich das die nächsten Jahre auch nicht geändert. In Straubing habe ich für mich die beste Chance gesehen. Es ist ja fast derselbe Verein wie Iserlohn, nur eben die letzten zwei Jahre sportlich erfolgreicher, das waren dann die Entscheidungsgründe.“ Iserlohn und Straubing verbinden vor allem zwei Dinge. Zum einen sind beides keine Großstädte und zum anderen wird dort Eishockey noch in Eishallen, die auch den Namen verdienen, gespielt. Beides kommt Wörle entgegen und beides weiß er zu schätzen „Ja, ich mag das recht gerne. Ich war in Frankfurt, das war ja schon eher eine Großstadt. Da hat es mir sehr gut gefallen, aber da ich ja aus dem kleinen Ort Füssen komme, sagen mir solche Städte wie Straubing mehr zu.“

Wie viele andere findet es auch Wörle schwer, über die eigenen Qualitäten zu sprechen. Fragen wir also erst mal die Mitspieler. Michael Endraß meint: „Er ist ein harter Arbeiter auf dem Eis, ist technisch sehr stark.“ Marcel Brandt sagt: „Er spielt einen sehr guten Pass und hat ein gutes Auge fürs Spiel.“ Brandt und Wörle spielen zweitweise in derselben Reihe, darüber erzählt Brandt: „Bis jetzt hat es immer gut geklappt. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut das mit Tobi immer wieder klappt, egal ob wir durchgemischt werden oder nicht.“ Zu den Aussagen seiner Mitspieler sagt Wörle: „Ja, das ist das Einmaleins eines Eishockeyspielers. Ich glaube, meine Übersicht ist ganz okay, aber es ist nicht die Beste, ich kann den Mitspieler schon sehen, aber oft suche ich den Abschluss schon selber.“ Ansonsten sieht sich Wörle so: „Ich glaube, dass ich ein guter Schlittschuhläufer bin, und wenn ich mein Eishockey spiele, dass ich spielen kann, kann ich der Mannschaft sehr viel Energie geben.“

Auch aufgrund der aktuellen Verletztenlage werden in Straubing zurzeit die Reihen öfter mal, auch im laufenden Spiel gemischt. So auch gestern in der Begegnung mit die Hamburg Freezers. Angefangen hat er in der dritten Reihe mit Peter Flache und Thomas Brandl, später schickte ihn Coach Dan Ratushny dann in die erste Reihe zu Carsen Germyn und Laurent Meunier. Einfach ist das für den Ostallgäuer aber nicht. „Nein, das ist schon recht schwierig. Das war das erste Mal, dass ich mit Carsen und Manis zusammenspielen durfte. Das hat, glaube ich, ganz gut geklappt. Leider ist Downer (Blaine Down - Anm. des Verfassers) verletzt, deshalb haben wir da eine freie Stelle. Ich wurde dann reingewechselt und glaube, dass wir ganz gute Chancen kreiert haben. Aber ansonsten ist es eigentlich schon sehr schwierig, wenn man in eine neue Reihe kommt. Gerade die erste Reihe ist darauf aus, Chancen zu kreieren und Tore zu schießen. Normalerweise haben wir das System, das zwei Mann in der Ecke sind und der dritte Mann hoch. Aber die erste Reihe hat da mehr Freiheiten, weil sie eben offensiv sehr gut sind. Darauf habe ich mich gestern etwas konzentrieren müssen, dass ich nicht immer nur oben stehe und etwas absichere, sondern auch im Drittel ins offensive Geschehen eingreife. Leider Gottes funktioniert nur eine Reihe konstant, die Tore schießt. Die anderen Reihen haben ein bisschen Probleme mit dem Toreschießen. Aber wenn wir die richtige Mischung gefunden haben, dann geht das auch aufwärts.“

Aufwärts geht es auch bei Tobi Wörle selbst. Im Spiel gegen die Düsseldorfer EG gelang ihm vor kurzem gar ein Hattrick. Am Anfang hatte er, wie die meisten Spieler die den Club wechseln, seine Probleme sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Insgesamt lagen wir mit unserer Einschätzung nach der Saisonvorbereitung aber wohl richtig. Dort schrieben wir unter anderem: „Tobias Wörle wird sich in absehbarer Zeit auch in Straubing zurechtfinden und ebenso wertvoll wie zuvor in Iserlohn werden.“ Trotzdem stand der 29-Jährige immer mal wieder in der Kritik, zumindest nahm er das so wahr, denn Pfiffe oder ähnliches schlugen ihm am Pulvertrum nicht entgegen. „Dass Gott sei Dank nicht, aber man merkt es natürlich. Man liest es in der Fachzeitung und da standen dann nicht so schöne Sätze über die Mannschaft drin, dass wir keine gute Mannschaft sind. Aber ich glaube, die letzten Wochen haben wir eine ganz gute Antwort darauf gegeben. Wir haben in den letzten Spielen mehr gewonnen als verloren. Das ist unser Anspruch. Ich weiß, dass ich Eishockey spielen kann, es war einfach eine Frage der Zeit, bis es wieder klappt. Ich würde sagen, dass ich von den Toren her im Soll bin, aber man will immer mehr Tore schießen, als man hat. Ich merke, dass es bergauf geht. Es geht nicht steil bergauf, aber man merkt, dass man wieder mehr im Spiel integriert ist und mehr Chancen kreiert und so auch wieder mehr Vertrauen bekommt.“

In der Kabine gehört auch Wörle zu denen, die versuchen die Stimmung hochzuhalten. Michael Endraß, der einen Platz neben ihm hat, meint mit einem schelmischen Lächeln: „Der Tobi? Der Tobi ist ein cooler Typ, der immer gut drauf ist. Er ist Superkerl, mit dem ich mich super verstehe. Er ist ja auch aus Füssen, mehr muss ich da eigentlich nicht sagen.“ Dazu sagt Tobi: „Es ist wichtig, dass es Spieler gibt, gerade wenn es nicht so läuft, die die Stimmung aufrechterhalten. Wenn es auf dem Eis nicht so läuft, wäre es noch fataler wenn es in der Kabine auch noch schlechte Stimmung gibt. Ich glaube, da bin ich immer einer, der da dagegenwirkt. Auch für den Mannschaftszusammenhalt ist das wichtig.“

Zurzeit ziert Wörles Oberlippe auch ein „schicker“ Oberlippenbart. Nicht nur damit unterstützt er die 2003 in Melbourne, Australien, entstandene Movember-Organisation. Seit vier Jahren engagiert er sich dort und sammelt Spenden: „Ich finde, das ist einfach eine gute Aktion, da ist auch viel Spaß dabei. Wenn man sich zum Depp macht und dann Geld für einen guten Zweck sammeln kann, ist es umso besser. Da bin ich für jeden Spaß zu haben. Ich habe die letzten Jahre immer die Initiative übernommen, dass man eine Mannschaft stellt und Geld sammelt. Das war im letzten Jahr super, da waren wir auch zu sechst aus der Mannschaft und haben über 1.500 Euro eingesammelt, das ist schon eine Hausnummer. Die Leute können da gerne noch spenden.“ Wörle macht das, ohne einen persönlichen Berührungspunkt zum Thema Krebs zu haben. „Es gibt zum Glück keine Vorgeschichte dazu. Aber es muss ja nicht immer eine Vorgeschichte geben, dass man für einen guten Zweck was macht. Es gibt genug Spieler oder sportliche Größen, die sich für solche Zwecke einsetzten, da sind wir vom Eishockey eher die kleinen Fische, die ja normalerweise nicht das Geld haben. Da ist eine Aktion wie Movember, die immer größer und größer wird und immer mehr Beliebtheit genießt, eine Super-Aktion.“

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