Tief, tiefer, Adler: Der stete Fall der Mannheimer Raubvögel

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Stephane Richer kann einem leid tun: Kaum geht sein Team einen Schritt

vorwärts, taumelt es auch schon wieder zwei zurück. "Eigentlich", sinnierte

ein Fan an diesem bitterkalten Abend im alten Friedrichspark, "hatten wir ja

gedacht, das Spiel gegen Frankfurt sei das schlechteste gewesen, aber es

ging tatsächlich noch tiefer". Und ob es das ging, drei Drittel Gestochere

und, wie der Coach einräumte, "von der ersten bis zur letzten Minute

schlecht". Außerdem meinte Richer nach Spielende zu Hockeyweb,

"kein Spieler hat heute überzeugt". Was man denen, die sonst immer kämpfen

wie Corbet oder Kink, Ullmann oder Pyka, um nur vier Namen zu nennen, ja

noch nachsehen kann, den Stars wie Kelly oder Delmore aber eben nicht. Kelly glänzte höchstens mit einem

Alleingang im Zickzackkurs durch des Gegners Abwehr, um dann einmal mehr den

Puck zu verlieren. Eine ganz und gar unnötige Aktion. Und Delmore sorgte

für das erste Tor mit seinem Schlittschuh, leider ins eigene Tor. Da führte

dann Hannover 1:0, was bei den Scorpions für große Freude sorgte.

Verständlicherweise, denn die sorgten mit zwei eigenen Toren ins richtige

Netz, also in das der Adler, für das, was Coach Kevin Gaudet nachher "ein

Wunder" nannte, einen Sieg über die Mannheimer.

Allerdings hat es wenig Wunderbares, wenn ein finanzielles Top-Team der

Liga nur lustlos herumeiert, wenige Pässe beim richtigen Mann ankommen und

man streckenweise das Gefühl hatte, Hannover spiele in permanenter Überzahl.

Was nachweislich nicht der Fall war, die Scorpions machten aber etwas, was

die Adler schmerzlich vermissen ließen: Sie kämpften. Und zwar von der

ersten bis zur letzten Spielsekunde, was ihren Trainer stolz sein ließ auf

diese Mannschaft.

Stephane Richer wäre auch so gerne stolz auf sein Team. Stattdessen

schleichen er und Mike Rosati mit hängenden Köpfen vom Eis, die beiden sind

anderes gewöhnt aus ihren Spielertagen. Da zählte noch der Einsatz und wenn

das mal nicht klappte, dann motivierten sich die Jungs selber in der Kabine.

Nicht immer, aber oft. Doch wie soll ein Team motiviert werden, wenn

vermeintliche Leistungsträger sich für zu gut in dieser Liga halten, ohne

allerdings jemals den Beweis dafür zu erbringen.

Richer selbst gibt sein Bestes, er hat es mit Strafen versucht, ließ teure

Jungs auf der Bank sitzen, er versucht es mit Optimismus, will motivieren. Hat

zwischenzeitlich auch Erfolg, atmet auf und bekommt dann von dieser

Mannschaft einen solchen Querschlag ins Gedärm, dass man als Fan gerne

hinginge und einigen kräftig gegen das Schienbein treten würde. Allerdings darf

bezweifelt werden, ob einige derer, die jede Menge Geld verdienen in

Mannheim, das überhaupt merken würden. Aufschlussreich ein Blick in den

Kabinengang nach einem solchen miserablen Auftritt. Es gibt einige, die

leiden wirklich unter der Misere, die wollen mehr, die setzen sich auch ein.

Und es gibt die anderen, denen es schnurzegal zu sein scheint. Und keiner

soll sagen, die Kerlchen täten sich nur schwer damit, ihre Gefühle zu

zeigen.

Wie keiner mehr sagen soll, die Fans müssten halt mehr anfeuern. Die Fans

sind die letzten, die an diesem Trauerspiel irgendeine Schuld haben. Die

stehen nämlich wie ein Mann hinter dem Team, wenn es kämpft. Das beweisen

sie immer wieder. Egal, wie es vorher lief, wenn was rüberkommt vom Eis,

dann sind auch die Anhänger wieder da. So rum läuft der Hase und nicht

umgekehrt. Vielleicht aber sollte man weniger Geld ins Team stecken, dafür

dem Anhang etwas zahlen, damit er schreit. Wenns denn hilft.

Stephane Richer jedenfalls will weiter auf die Motivation setzen. Die Play

Offs hängen als Damoklesschwert über ihm, er weiß sehr genau, "dass man den

Schalter nicht einfach umlegen kann, wenn es losgeht". Wenn man so

weiterspiele, das hat er in der Pressekonferenz gesagt, wäre die Saison bald

um. Also versucht er alles, lässt trainieren, spricht mit den Cracks,

analysiert die Spiele, schiebt Überstunden und kann letztendlich doch nur

hoffen, dass die Cracks ein Einsehen haben. Und sei es nur, weil sie sich

empfehlen wollen für einen Job bei anderen Vereinen. Mit einem Auftritt wie

diesem gegen Hannover empfiehlt man sich höchstens in die Arbeitslosigkeit.

Was zumindest bei einigen Hochdotierten aus Übersee auch keinen Schweiß

fließen ließe, die haben ihre Schäfchen doch längst im Trockenen und spielen

"just for fun", wie einer es mal formulierte. Wenngleich das Gegurke nun

wirklich nicht nach Spaß aussieht. (Angelika von Bülow)


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