Thomas Brandl – talentierter Klassenclown zum PferdestehlenSpielerplausch

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Leicht ist es sicher für keinen Spieler, wenn er aus der zweiten Liga den Schritt in die DEL wagt, doch Thomas Brandl überzeugt seine Mitspieler nicht nur durch die gute Laune, die er verbreitet, sondern auch durch seinen Einsatz und seine Leistung auf dem Eis. Bei der Frage an Kapitän Sandro Schönberger, was für ein Typ Tommy denn so sei, sagt dieser ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen: „Klassenclown“. Und René Kramer meint: „Tommy ist ein superlustiger Typ. Mit Tommy kannst du Pferde stehlen.“ Sebastian Osterloh meint im Vorbeigehen: „Das ist so ein krasser Typ.“ Zu diesen Wortmeldungen sagt Brandl: „Naja, der komplette Kabinenclown bin ich nicht, aber ich bin immer für einen Spaß zu haben.“ Er lacht dabei und ergänzt: „Es ist zwar schön, wenn die anderen das als eine meiner Stärken sehen, obwohl es mir lieber wäre, wenn die auch Stärken von mir auf dem Eis sehen würden.“ Auch das machen seine Mitspieler. So sagt der Kapitän: „Er hat eine Supersaison. Tommy ist ein sehr talentierter Bursche und macht einen guten Job. Er kann das Spiel lesen und ich glaube, wenn er weiter hart an sich arbeitet, kann er ein richtig guter DEL-Center werden. Er ist voll dabei, wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Kramer charakterisiert: „Tommy ist eine gute Person. Er ist kein Mitläufer und geht immer voraus. Er spielt bisher eine sehr gute Saison. Er ist schnell, spielt gut am Bully, er ist auch defensiv gut.“

Auch wenn es momentan recht gut läuft, ist Brandl selbstkritisch genug, um sich nicht von seinen Stärken blenden zu lassen, sondern auch seine Schwächen zu erkennen: „Es läuft ganz ordentlich, aber man möchte natürlich immer mehr. Es gibt immer Dinge, die man verbessern muss. Im Defensivverhalten habe ich hin und wieder eine Schwachstelle gezeigt. Das muss auf jeden Fall abgestellt werden. So etwas wird von den Gegnern immer eiskalt ausgenutzt. Auch in der Offensive wünsche ich mir, dass ich mehr kreiere, dass wir in unserer Reihe wieder ein paar Tore schießen. Wir haben in den ersten Spielen ein paar geschossen, aber haben jetzt lange Zeit keines gemacht, außer meinem Tor gegen Schwenningen. Ich hoffe, dass wir gegen Mannheim und Köln zuschlagen können.“

Angefangen hat für den gebürtigen Landshuter alles in seiner Heimatstadt. „Von der Laufschule, Kleinschüler, Knaben, Schüler, DNL – alles durchlaufen.“ Zum Eishockey gekommen ist Brandl „durch meinen Bruder, der drei Jahre älter als ich ist. Der hat natürlich vor mir angefangen und dem wollte ich nacheifern.“ Doch jetzt hat Tommy seinen Bruder Max, der schon für Augsburg, Ingolstadt und Hamburg in der DEL spielte, überflügelt. Ob es da unter Brüdern Neid gibt? „Ich glaube nicht, dass er neidisch ist, aber sein Ziel ist es natürlich, auch in der DEL zu spielen. Dafür arbeitet er fleißig. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr klappt.“ Wer in Landshut die Nachwuchsschule durchläuft, kann eigentlich nur ein Idol haben: „Vorbild war Marco Sturm. Er kommt zwar aus Dingolfing, hat aber auch den ganzen Nachwuchs in Landshut durchlaufen. Dem haben wir alle nachgeeifert. Aber eigentlich waren alle Spieler der ersten Mannschaft, egal ob Oberliga, zweite Liga oder DEL, Vorbilder.“

Für Thomas Brandl ist Straubing nicht die erste DEL-Station. 2009/10 wechselte er zu den Kölner Haien und machte dort 26 Spiele. Für den damals 18-Jährigen sicher ein großer Schritt, der vielleicht auch zu früh war. „Schwer zu sagen. Am Anfang waren Startschwierigkeiten, aber das war klar. Nach zehn, fünfzehn Spielen haben wir Jungen uns eigentlich recht gut reingefunden und haben auch ganz ordentliche Spiele gemacht. Es war schade, dass der Trainer gefeuert wurde. Wir haben sehr gut angefangen und waren Erster und Zweiter, haben dann aber immer mehr Spiele verloren und sind auf dem letzten Platz gelandet. Dann mussten die Verantwortlichen handeln und leider mussten da auch die jungen Deutschen dran glauben.“  Seiner Zeit war Igor Pavlovs Coach der Haie, er wurde im Laufe der Saison durch Bill Stewart ersetzt.

Nach der Veränderung auf der Trainerposition ging es für den Niederbayern Brandl an die Küste, zu den Fischtown Pinguins. „Anfangs war das schon ein starker Kulturschock“, lacht Brandl. „Aber es war in Ordnung. Die Führung vom Verein ist sehr professionell und es ist sehr familiär. Es hat sehr viel Spaß gemacht, aber leider bin ich nicht so richtig in Tritt gekommen. Irgendwann war meine Entscheidung, wieder nach Landshut zurückzugehen und im gewohnten Umfeld wieder zu Hause zu wohnen und wieder neu anzufangen. Das hat die letzten zwei Jahre recht gut geklappt. Und jetzt habe ich es wieder in die DEL geschafft.“

Straubing hat Brandl mit einer Förderlizenz für Kaufbeuren ausgestattet. Für die Joker hat Tommy jedoch noch kein Spiel gemacht. „Die Entscheidung liegt immer beim Trainer. Wenn ich dort spielen soll, dann spiele ich dort und gebe mein Bestes. Wenn nicht, bin ich happy, dass ich die Saison nur für die Tigers spielen durfte. Das muss man nehmen, wie es kommt.“

Vor der Saison gab es in einer Straubinger Wochenzeitung ein kleines Interview, mit dem er beim ein oder anderen Fan erst mal angeeckt ist, als er dort verlautbaren ließ, dass er sich als Center der dritten Reihe sieht. Für einige waren die Ansprüche des jungen Neulings aus der zweiten Liga zu hoch gesetzt und zu aggressiv formuliert. Dazu meint Brandl: „Das ist eigentlich so zustande gekommen, dass wir bei den Vertragsverhandlungen darüber geredet haben, wie die Situation für mich aussieht. Natürlich ist die Chance von Reihe eins bis vier für jeden gleich, weil es alles von neuem anfängt. Aber wenn man es ganz reell betrachtet, wurde mir vermittelt, dass ich Chancen auf die dritte Reihe habe, aber es kommt auf meine Leistung an. Wenn ich gut spiele, kann ich das schaffen. Wenn ich schlecht spiele, kann ich aber auch gar nicht spielen. Ich glaube, es ist schlecht für einen Spieler, der in der DEL Fuß fassen will, zu sagen, dass er Stammspieler der vierten Reihe werden will. Ich denke, man sollte schon gehobene Ziele haben.“

Nachdem Thomas Brandl an einer U18- und zwei U20-Weltmeisterschaften teilgenommen hat, könnte man auch die Senioren-WM als Ziel vermuten. „Ich würde es eher als Traum beschreiben. Es ist sehr viel Konkurrenz und im Nachwuchs war es vielleicht etwas leichter. Aber es wäre natürlich schön, wenn ich das irgendwann miterleben könnte. Wenn es nicht klappt, wäre es nicht so wild, aber es wäre natürlich ein tolles Erlebnis.“

Einen kleinen Tick hat Center Brandl auch. Vor jedem Bully haut er mit dem Schläger einmal ordentlich aufs Eis. Brandl schmunzelt: „Das Ganze fing so an, dass ich eigentlich nur das Eis vom Schläger klopfen wollte und nach und nach wurde es zur Gewohnheit. Mittlerweile gehört das eigentlich dazu und ich mache es vor jedem Bully.“ Sandro Schönberger meint mit einem Augenzwinkern zu dem Tick: „Furchtbar – da rege ich mich immer drüber auf. Aber mei, wenn er so seine Schläger kaputtmachen will, ist er selber schuld. Irgendwann hat er halt keine mehr.“ René Röthke meldet sich aus der Kaffeeküche zu Wort: „Der will den Gegner einschüchtern.“ Tommy antwortet lachend: „Ich glaube eher nicht. Wenn die meine Statur ansehen, denken die wohl eher `so gefährlich ist der doch nicht´.“

Am Wochenende kann er gegen Mannheim und Köln wieder zeigen, wie gefährlich er wirklich ist.