Teamcheck Eisbären Berlin: Fortsetzung oder Ende der Dynastie? DEL-Saison 2013/14

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Erneut wird allerorten dafür gerüstet, der Eisbären-Dominanz Einhalt zu gebieten. Ist nach Ende einer großen Ära womöglich die Zeit dafür reif? Immerhin verließ mit Don Jackson der  erfolgreichste Eisbären-Cheftrainer aller Zeiten Berlin in Richtung Salzburg. Der 43-jährige Jeff Tomlinson tritt seine schwierige Nachfolge an. Tomlinson hat aufgrund seines früheren Berlin-Engagements als Spieler, Nachwuchstrainer und später als Assistent Jacksons die Eisbären aber quasi im Blut. Im Hinblick auf die Saisonziele sagt Tomlinson: „Jeder Gegner wird heiß sein, wenn es gegen die Eisbären geht. Ich weiß, wovon ich rede, ich war bis vor kurzem ja selbst häufiger Gegner. Die Jungs stehen auf, wissen, dass sie gegen die Eisbären spielen und haben eine ganz andere Körperspannung. Es gibt sechs Mannschaften, die um die Meisterschaft kämpfen werden. Wir sind eine davon.“ Nach seinen ersten Cheftrainerstationen bei der DEG und den Ice Tigers in Nürnberg wurde die Verpflichtung Tomlinsons von vielen im Umfeld der Eisbären wie die Heimkehr eines verlorenen Sohnes, als beinahe logisch wahrgenommen. Der neue Trainer genießt in Berlin insofern einen gewissen Vertrauensvorschuss. Tomlinson wird dennoch beweisen müssen, dem Job beim Top-Club der letzten Jahre gewachsen zu sein. Zweifler an einem erfolgreichen Wirken des Trainers gibt es in Berlin durchaus. Tomlinson darf aber davon ausgehen, vom bewährten Trainerstab, allen voran von Hartmut Nickel, von Vince Malette, dem von FASS Berlin neu hinzugestoßenen Chris Lee, bis hin zu Steffen Ziesche und René Bielke im Nachwuchsbereich, in seiner Arbeit kompetente Unterstützung zu erfahren. Und nicht zuletzt gibt es da mit Peter John Lee den Chefkonstrukteur der sportlich so erfolgreichen Eisbären. Lee wird im Hintergrund in bewährter Weise auf ein harmonisches und dennoch erfolgsorientiertes Arbeitsklima achten. Störfeuer, wie bei seinem vorzeitig beendeten Engagement in Nürnberg, muss Tomlinson in Berlin wohl nicht befürchten.

Permanenter Erfolg macht attraktiv, führt aber zwangsläufig auch zu permanent hohen Erwartungen. Die angenehme Seite dieser Medaille drückt sich im neuen Rekord beim Dauerkartenverkauf aus. Setzten die Hauptstädter im letzten Jahr 4.126 Saisontickets ab, so sind es in diesem 4.426. Geschäftsführer Billy Flynn gab für die Saison 2014/15 umgehend das ehrgeizige Ziel aus, die 5.000er Marke zu knacken. Erfolg muss sich allerdings nicht nur in Titeln ausdrücken. Zukünftig sollen wieder mehr junge Talente den Sprung in den DEL-Kader schaffen. Die potenziellen Nachfolger der sogenannten „goldenen 85er Generation“ mit Kapitän André Rankel, Frank Hördler, Jens Baxmann und Florian Busch werden gesucht. Jeff Tomlinson prägte diese Spieler vor Jahren als Trainer der Eisbären Juniors wesentlich mit. Heute sind sie tragende Säulen einer Mannschaft, die im Kern beieinander blieb, trotzdem die eine oder andere Baustelle aufweist.

Tor:

Erhalten blieb das Torhüterduo aus Rob Zepp und Sebastian Elwing. Die Frage wird sein, ob Tomlinson mehr rotieren lässt und Elwing somit zu mehr Einsätzen kommt als unter Jackson. Zepp, sichtlich gereift, wusste in der Vergangenheit Jacksons Vertrauen aber immer wieder zu rechtfertigen. In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit untermauerte Zepp mit Top-Leistungen hinter einer längst noch nicht sattelfesten Abwehr seinen Anspruch auf die Starterposition. Wer die Rolle des dritten Torhüters einnehmen wird, ist derzeit noch fraglich.

Abwehr:

In der Defensive mussten die Berliner vier Abgänge hinnehmen. Mark Katic wechselte zum KHL-Einsteiger Zagreb, Ryan Caldwell nach Nürnberg, Dominik Bielke versucht sein Glück in München und der junge Maximilian Faber verteidigt für die Eispiraten Crimmitschau in der DEL2. Von ganz anderem Gewicht ist das zeitlich unbestimmte Fehlen von Play-off-MVP Constantin Braun, der sich wegen akuter Depressionen in Behandlung begab. Auf dessen baldige Rückkehr hoffen Club und Fangemeinde nicht nur aus sportlichen Gründen gleichermaßen. Von Neuzugang Casey Borer (zuvor Nürnberg) wird zu Recht erwartet, diese Lücke auf dem Eis schnell füllen zu helfen. Für Frank Hördler sowie die anderen „alten Hasen“ Jimmy Sharrow und Jens Baxmann gilt derselbe Anspruch. Der zweite Neuzugang, Shawn Lalonde (23 Jahre), deutete in der Vorbereitung seine Fähigkeiten eher dezent an. Ihm, dem ein strammer Schuss von der blauen Linie nachgesagt wird, ist eine gewisse Eingewöhnungszeit noch zuzugestehen. Auffällig, Lalonde geht mit viel Emotion zu Werke und auch körperlichen Auseinandersetzungen nicht aus dem Wege. Für eine positive Überraschung, wie Tomlinson selbst einräumt, sorgte indessen der 20-jährige Alexander Trivellato. Der junge Verteidiger agierte in den European-Trophy-Spielen gegen internationale Konkurrenz erstaunlich abgeklärt, erledigte seinen Job beeindruckend zuverlässig. Trivellato kam 2010 aus Kaufbeuren zu den Eisbären Juniors, wo er im DNL-Team und zuletzt bei FASS Berlin in der Oberliga spielte. Alexander Trivellato ist im italienischen Bolzano geboren. Die Eisbären honorieren dessen tolle Entwicklung und vergeben ihre achte Ausländerlizenz an Trivellato. Für seine jungen Kollegen heißt das, hinten anstellen und sich bei den Kooperationspartnern, den Dresdner Eislöwen in der DEL2 sowie bei FASS, zu empfehlen.

Sturm:

In der Offensive haben die Eisbären mit Tyson Mulock, Jamie Arniel und Corey Locke drei Spieler verlassen. Den drei Abgängen stehen die Rückkehr von Daniel Weiß aus Nürnberg und die Last-Minute-Verpflichtung von Kris Sparre aus Ingolstadt gegenüber. Drei Reihen, Florian Busch - Darin Olver - Barry Tallackson, André Rankel - Julian Talbot - T.J. Mulock, Laurin Braun - Mads Christensen - Matt Foy, scheinen gesetzt. Wenn da nicht das anhaltende Verletzungspech des Dänen Mads Christensen und des Kanadiers Matt Foy wäre. Beide fehlen wie schon für einige Spiele in der Vorbereitung auch zum DEL-Saisonstart. Daniel Weiß, der deutlich zulegen muss, Neuzugang Kris Sparre und Youngster Vincent Schlenker werden daher Gelegenheit haben, sich in den Vordergrund zu spielen. Und sollten dies nutzen! Denn erfreulicherweise gibt es wieder Druck „von unten“ bei den Eisbären. Mit John Koslowski und Vladislav Filin machten in der Vorbereitung zwei 18-Jährige auf sich aufmerksam, wie auch Christoph Kabitzky und Sven Ziegler (beide 19). Im Fokus wird auch die nominell erste Reihe mit Busch, Olver und Tallackson stehen. Letzterer blieb in der zurückliegenden Saison einiges schuldig, agierte oft unglücklich und ließ Chancen ungenutzt, die in seinem ersten Jahr bei den Eisbären sicher im gegnerischen Kasten landeten.

Fazit:

Chefcoach Jeff Tomlinson ändert nichts Wesentliches am offensiv ausgerichteten Spiel der Eisbären. André Rankel bestätigt das: „Die Veränderungen sind nicht so groß. Ich würde es  'Finetuning' nennen. Wenn alles funktioniert, können wir wieder erfolgreich sein.“  Wie in der Vorrunde der vergangenen Spielzeit hatten die Berliner auch in der Vorbereitung unübersehbare Probleme, Gegentore zu verhindern. In den letzten European-Trophy-Spielen (Salzburg, Hamburg) war gar eine regelrechte Flut an Gegentoren zu verzeichnen. Jedoch richtet sich die Kritik darüber nicht allein an die Defensivabteilung, sondern an die gesamte Mannschaft. Tomlinson erklärt wie es eigentlich laufen soll: „Jeder Spieler hat durchgängig Verantwortung für die Defensive zu übernehmen. Wenn wir den Puck nicht haben wollen wir ihn schnell zurück. Haben wir ihn – Let's go!“ Unisono stellten Trainer und Manager wenige Tage vor Saisonstart fest, dass aus ihren Spielern das letzte Quäntchen Biss erst noch herausgekitzelt werden muss. Die Eisbären werden ihre Gegner wahrscheinlich auch in dieser Saison nicht in Grund und Boden spielen. Dass sie am Ende wieder ein Wörtchen um den Titel mitreden werden, darauf müssen all die „Eisbärenjäger“ dennoch gefasst sein. Denn dass es längst keine hohle Phrase ist, nach der in den Play-off alles möglich ist, haben die Eisbären mit ihrem siebten Titelgewinn nach durchwachsener Vorrunde eindrucksvoll bewiesen.

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