Teamcheck Adler Mannheim: Schicksalssaison von Adlerikone Harold Kreis?DEL-Saison 2013/14

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Die Vorfreude auf die neue Saison wird immer noch vom frühen Ausscheiden im Viertelfinale der letzten Saison gegen Wolfsburg überschattet, das Ausscheiden gegen Berlin im Finale der Saison davor passt dazu, beides hatte nach Ende der Saison 2012/13 zur Folge, dass Teile der Anhängerschaft lautstark die Demission des Trainers forderten. Harry Kreis ist mittlerweile auch der allein Schuldige an diesen „Misserfolgen“, die teilnehmenden Spieler bei diesem „Versagen“ verhüllt der Mantel des Vergessens, nur den Trainer bedeckt er nicht. 

Die Tendenz setzt sich fort, betrachtet man Kommentare zu den absolvierten Vorsaison-Spielen. Die Mannschaft ist für die Siege und Harold Kreis für die Niederlagen zuständig. Das erinnert mittlerweile manchmal fatal an den Umgang mit Berti Vogts, weiland Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, den er selbst ziemlich treffend sinngemäß mit den Worten umschrieb: „Und wenn ich über das Wasser laufen könnte, würden sie nur sagen, der kann ja noch nicht mal schwimmen.“ Aussage darüber, dass er tun konnte, was er wollte, für Negatives reichte es immer. Sieht man andererseits die Zahl von mehr als 6.000 verkauften Dauerkarten für die Saison 2013/14, lässt das auch den Schluss zu, die Meinungen gehen erstens auseinander und zweitens, die schweigende Mehrheit fühlte sich trotz verpassten Meistertitels gut unterhalten. Auch die Leitung der Adler um Daniel Hopp wiederstand nach der Saison dem lauten Ruf der Trainerentlassung, denn erfolglos ist Trainer Harold Kreis eigentlich nicht, eher titellos, zumindest mit den Adlern Mannheim. Gespräche, was den bisher vermissten und eingeforderten Halligalli-Charakter der Adlerspiele angeht, scheinen erfolgt zu sein, sieht man die offensiveren Ansätze des Spielaufbaus und die insgesamt schnellere Spielweise in der laufenden European Trophy. Dass die Leitung der Adler Mannheim sich nicht in die Art und Weise einmischt, wie Harold Kreis das umsetzt bzw. diesen Spielstil installiert, gilt als sicher, ist Eishockey auch eher keine Sportart, bei der die Entscheidungsfindung per Stuhlkreis im Mitteldrittel stattfindet.

Wer ist gegangen?

Von der deutschen Fraktion haben Yannic Seidenberg, der bei den am Spielermarkt aggressiv auftretenden Münchnern, seitdem Red Bull und Pierre Pagé dort das Zepter schwingt, eine neue Herausforderung sucht, sowie Niklas Deske (Hamburg), Corey Mapes (Düsseldorf) und Richard Gelke (Schwenningen) auf der Suche nach mehr Eiszeit, die Adler verlassen. Weit umfangreicher war der Schnitt bei den Kontingentspielern. Mit den Abgängen von Shawn Belle (Färjestad), Mike Glumac (Zagreb/KHL), Craig MacDonald (unbekannt), Adam Mitchell (Hamburg), Doug Janik (unbekannt) und Alex Foster beschreiten die Adler nach den Erfahrungen in den letzten / vorletzten Play-offs einen nötigen Schritt.

Was hat sich getan?

Teal Fowler hat wohl schon früh erkannt, welche Folgen die Öffnung des schwedischen Spielermarkts bezüglich der unbegrenzten Beschäftigungsmöglichkeit  ausländischer Spieler dort nach sich zieht, nämlich eine Verknappung guter, bezahlbarer Spieler. So sind die frühen, mehrjährigen Verpflichtungen guter deutscher Spieler wie Kai Hospelt, Christopher Fischer (beide Wolfsburg) und Martin Buchwieser (München) einerseits und die rechtzeitigen Verlängerungen mit Florian Kettemer, Frank Mauer, Matthias Plachta, Marc El Sayed, Ronny Arendt und Adler-Kapitän Marcus Kink andererseits, mehr als sinnvoll.

Bei den Kontingentspielern einigten sich die Adler mit Steve Wagner, Jamie Sifers, Ken Magowan und Yanick Lehoux auf eine Vertragsverlängerung.

Dadurch, dass die Adler vermehrt deutsche Spieler unter Vertrag nahmen, reduzierte sich die zu verpflichtende Anzahl von ausländischen Topspielern, die bei den Adlern traditionell aus Nordamerika stammen. Trotzdem erwies sich das als Hängepartie, relativ spät erzielte man mit zwei Spielern Einigung: Mit US-Amerikaner Jon Rheault, einem schnellen, wendigen Stürmer ohne Berührungsängste auf dem Eis und dem Kanadier Mike Vernace der die chronisch vakante Stelle eines Offensivverteidigers ausfüllen soll.

Der Topzugang

… ist Jochen Hecht, der seine Karriere in Mannheim begann und jetzt nach 833 Spielen (463 Scorerpunkte) in der NHL  zu den Adlern zurückkehrt, ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag. Er soll, wenn erforderlich, der Leitwolf und Ideengeber auf und neben dem Eis sein und soll damit die Aufgabe haben, die bei den Adlern mindestens seit zwei Jahren niemand so richtig ausfüllen konnte, als Spieler, der durch sein Können und seine Erfahrung anerkannt wird, auch oder vor allem von den Kontingentspielern.

Ausblick

So richtig einfach wird das nicht für die Adler. Abgesehen davon, dass man eine Meisterschaft nicht planen kann (Play-offs haben nun mal eigene Gesetze) waren die Chancen für eine Meisterschaft in der letzten Saison am Größten. Neben Red Bull München haben auch die Freezers ihren Kühlschrank weiter gefüllt. Mit der ausgewiesenen Play-off-Truppe Eisbären Berlin ist auch mit „Neutrainer“ Jeff Tomlinson dieses Jahr wieder zu rechnen, die kaum veränderten Kölner Haie, die Ice Tigers Nürnberg und die Panther aus Ingolstadt sind auch nicht schwächer geworden und somit Top-Konkurrenz.

Die Adler müssen diese Saison vier Angreifer und zwei Verteidiger sinnvoll auf die Reihen verteilen. Das war in der Vorbereitung nicht möglich, das Lazarett bei den Adlern ist stark frequentiert (Hospelt, Magowan, Buchwieser, Rheault, Ullmann und Fischer, bekanntermaßen erst im Aufbau), will heißen die Adler werden noch einige Zeit brauchen, bis das alles incl. eines etwas anderen Spilstils funktioniert. Einzig die Reihe Lehoux, Mauer, Plachta ist erstens gesund, spielt unverändert zusammen und macht da weiter, wo sie als Lichtblick der letzten Play-offs aufgehört hat, sie zeigt gute spielerische Leistungen, nutzt ihre Chancen und erzielt Tore.

In der Verteidigung sieht das besser aus. Denis Reul befindet sich nach der für ihn sicher schwierigen letzten Saison im Aufwind, bei den Verteidigern Sifers, Wagner, Kettemer, Bittner, Niko Goc weiß man, was man hat, sie spielen bereits auf gutem Niveau. Die Erwartung Offensivverteidiger wird der bis jetzt solide auftretende Mike Vernace erst nach einer größeren Eingewöhnungszeit erfüllen können, in Sachen körperliche Präsenz, die bei den Adlern seit dem Weggang von Spielern wie Belle, Glumac oder MacDonald etwas im Argen liegt, entlastet er Denis Reul bereits jetzt in jedem Fall. Zusätzlich bleibt zu hoffen, dass Christopher Fischer nach seiner schweren Verletzung und dadurch bedingten einjährigen Pause zu alter Spielstärke zurückfindet, was den Adlern in puncto Offensivverteidiger sicher weiter hilft.

Das Torhüter-Duo mit Brückmann und Endras ist unverändert, nach wie vor eines der stärksten der Liga und sicherlich auch diese Saison der gewohnt starke Rückhalt.

Betrachtet man alle Faktoren, sind die Adler ihren Favoriten Status los, Play-offs mit Heimrecht sollten aber trotzdem erreichbar sein und danach ist, wie man weiß, alles möglich.

HAMSTERbet-Meisterquote: 5,0! 

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