„Super Team, super Derby!“Nürnberg – Ingolstadt 3:1

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Trotz der Fußball-Konkurrenz im „Frankenstadion“ gegenüber, verfolgten knapp 4.000 Zuschauer das Derby gegen den ERCI, das vor allem im letzten Drittel an Spannung kaum mehr zu überbieten war. „Das ist kein Spiel für schwache Nerven“, war aus dem Nürnberger Fanblock zu hören. 1:1 stand es bis kurz vor Schluss – ungewiss, welche der Mannschaften als Sieger vom Eis gehen würde.

Spiel auf Augenhöhe

Bereits im ersten Drittel zeigte sich, dass sich die Ice Tigers und Panther nicht viel nehmen. „Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel“, wusste auch Nürnbergs Kapitän Patrick Reimer, der mit seinem Treffer zum 2:1 in der 59. Minute das Siegtor erzielte. Zunächst waren es die Gäste, die in der ersten Hälfte des Anfangsdrittels Tyler Weiman warmschossen, bis in der elften Minute jedoch der Führungstreffer auf Seiten der Franken fiel: Connor James war es, der den Puck auf Vorlage von Evan Kaufmann und Jason Jaspers im Ingolstädter Kasten versenkte, als gerade Ex-Ice-Tiger Jeff Likens wegen Beinstellens in der Kühlbox verweilte. Doch kaum gewannen die Gastgeber weiter an Stärke, passierte es auch schon: Nach einem Gestochere vor dem Nürnberger Tor platzierte Christoph Gawlik die Scheibe hinter Tyler Weiman (13., Assists: Michel Périard, Jean-Francois Boucher). Dabei gehörte die zweite Hälfte des ersten Abschnitts vor allem den Nürnbergern, am Spielstand änderte sich aber bis zur Pause nichts mehr.

Auch in den nächsten 20 Minuten sollte es beim 1:1 bleiben. In einer schnellen und aggressiven Partie sorgten beide Seiten für Derby-Stimmung. Schon längst hätte es sowohl im Nürnberger als auch im Ingolstädter Kasten klingeln können, doch die Keeper Tyler Weiman und Markus Janka parierten, so dass das Mitteldrittel torlos endete.

Jubel, Trubel, Patrick Reimer

Der dritte Akt des hitzigen Bayernduells begann mit einem Traumpass von Patrick Reimer auf Ryan Bayda, der allerdings das Tor verfehlte. Doch der Stürmer mit der Nummer 11, der nach zwei Spielen schon fünf Punkte auf dem Konto hat, zeigte wieder eine sehr gute Leistung. Dabei war dessen Einsatz noch nicht einmal sicher. Bayda hatte eine Nasen-Operation und konnte fünf Tage nicht trainieren. Aber Jeff Tomlinson war froh über den Einsatz des Kanadiers: „Er hat uns am Ende sehr geholfen“, wie sich noch herausstellen sollte. Die Spannung der Partie stieg von Minute zu Minute. Wer schießt den 2:1-Führungstreffer, Nürnberg oder Ingolstadt? Als dann Patrick Reimer in der 57. Spielminute wegen eines Checks gegen die Bande vom Eis musste, hielten die Ice-Tigers-Fans den Atem an. Fällt jetzt die Entscheidung? Noch nicht. Zwar donnerte Michel Périard den Puck an den Torpfosten, doch die Franken überstanden das Unterzahlspiel. Der Kapitän kam zurück aufs Eis und wurde vom Gegner erst einmal zu Fall gebracht, schnappte sich dann aber die Scheibe und zog zum 2:1 ab. Der Jubel war groß beim 29-Jährigen und natürlich auch unter den fränkischen Fans, die sich aber noch auf ein weiteres „Schmankerl“ freuen durften. Denn erneut war es Patrick Reimer, der in der letzten Spielminute auf das leere Panther-Tor zufuhr, den Puck aber an Teamkollege Ryan Bayda abgab, der schließlich zum 3:1-Endstand traf – ein Dankeschon des Kapitäns an Baydas Assist zum vorherigen Siegtreffer. „Er hat diese Saison noch kein Tor gemacht“, zeigte sich Reimer kollegial.

Jeff Tomlinson freute sich aber vor allem über den Treffer des Nationalspielers: „Er hatte in letzter Zeit ein paar Probleme, wollte immer beweisen, dass er einer der Topspieler der Liga ist. Doch dieser falsche Ehrgeiz führte zu Fehlern. Das Erfolgserlebnis heute war wichtig.“

Bad Tölz meets DEL

Lobende Worte fand der Coach für Youngster Leo Pföderl: „Er machte einen sehr guten Eindruck und keinen einzigen Fehler. Dass ein junger Spieler aus der Oberliga seine Rolle in der DEL so gut spielt, spricht für die Ausbildung in Bad Tölz.“ Der 19-jährige durfte aufgrund Vitalij Aabs Schulterverletzung zum ersten Mal mit der DEL-Mannschaft auflaufen. „Super Team, super Derby“, war der Tölzer von der Kulisse und dem Spiel sichtlich beeindruckt. Vielleicht sollte er sich so langsam an das Eis in der Arena Nürnberger Versicherung gewöhnen?

„Zu individuell“

Nach Hause ging es erst einmal für die Gäste aus Ingolstadt, die trotz der Verletzten Thomas Greilinger und Sean O’Connor sowie einem fehlenden Chris Heid, dessen Frau am Freitagabend ein Kind erwartete, eine hervorragende Leistung zeigten. Für Trainer Rich Chernomaz gab es jedoch einen Unterschied zum Gegner: „Wie die Nürnberger mit der Scheibe gespielt haben. Wir haben hier zu individuell gespielt, nicht zusammen. Wir müssen einen Weg finden, das zu ändern“, erklärte der Coach.

Für den ERCI geht es am Sonntag zu Hause gegen Meister Berlin, die Ice Tigers haben spielfrei.