Streik? Lockout? Dummheit! - Das Oktober Eishockey World Titelthema

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Für Peter Forsberg ist die NHL-Saison 2004-2005 bereits abgehakt. Der schwedische Stümerstar der Colorado Avalanche hat sich gegen die nordamerikanische Profiliga entschieden und wird die gesamte Saison über bei seinem Heimatklub MoDo Örnsköldsvik in Schweden auflaufen. Der vermeintlich beste Spieler der Erde hatte allerdings schon weit vor dem geplanten Start der NHL-Saison angekündigt, der NHL eventuell für ein Jahr den Rücken zu kehren. Zu viele Rück-schläge hatte Forsbergs Körper einstecken müssen in der jungen Vergangenheit, zu sehr hatte sich seine engagierte, schonungslose Art Eishockey zu spielen auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt, einer großen Operation folgte die nächste. Zudem ist Forsberg in Schweden ins Baugeschäft eingestiegen. Gebaut wird, natürlich, eine neue Eishalle in Örnsköldsvik. 40 Prozent der Aktien an der neuen Halle werden Forsberg und sein Vater Kent (Trainer des Klubs) besitzen. 6500 Zuschauer wird die Halle fassen, die 2006 fertig gestellt sein soll und bis dahin gut 19,5 Millionen Euro kosten dürfte. Zwei Gründe also für Forsberg, nicht in der NHL zu spielen. Aber der Center kann sich eine Erholungspause von den Strapazen der NHL auch locker leisten: Mit elf Millionen Dollar war er schließlich zusammen mit Jaromir Jagr (New York Rangers) der Topverdiener der vergangenen NHL-Saison. Forsbergs Besuch in der Heimat ist von freiwilliger Natur, dass die NHL ohnehin im Oktober nicht ihren Spielbetrieb aufgenommen hat, kommt dem Schweden dabei nur gelegen. Abgesehen davon können Forsberg, Joe Thornton oder Jaromir Jagr problemlos auch mehrere Jahre ohne NHL auskommen (und weit darüber hinaus), denn sie haben in ihrer bisherigen Karriere mehr als genügend verdient. 


So schossen die Spekulationen auch in Deutschland ins Kraut. Die Frankfurt Lions würden durch Chris Pronger verstärkt, lauteten Gerüchte vor der Saison. Sicherlich lag eine Verpflichtung Prongers nahe, weil sein Bruder Sean bei den Lions angeheuert hatte. Kontakte wurden auch hergestellt. Doch Pronger, zuletzt mit 9,5 Millionen Dollar Jahressalär ordentlich bedient, zieht es vor, sich auszuruhen, Golf zu spielen und der Dinge zu harren, die da kommen werden. Für andere Spieler, vor allem europäische, ist natürlich Europa die Top-Adresse, um sich fit zu halten in der NHL-freien Zeit. Ums Geld dürfte es da bei fast allen Spielern nur zweitrangig gehen, denn selbst Jochen Hecht (1,3 Millionen), Marco Sturm (zwei Millionen) oder Mike York (zwei Millionen) sind auf die Gehälter aus der DEL keineswegs angewiesen. Mittlerweile haben über 150 Spieler Verträge in europäischen Ligen unterschrieben, weitere werden sicherlich im Laufe der kommenden Tage und Wochen folgen. Denn nach wie vor zeichnet sich eine unklare Zukunft der NHL ab. Nach wie vor stehen sich die beiden streitenden Parteien NHL und NHLPA, die Spielergewerkschaft, gegenüber ohne sich auch nur einen Zentimeter aufeinander zu zu bewegen. Die Fronten sind verhärtet, jetzt ist Kräftemessen angesagt. Wer hat den längeren Atem, wer muss die höheren Einbußen in Kauf nehmen? Um die Fans geht es beim Streit schon lange nicht mehr. Im Vordergrund stehen wirtschaftliche Interessen, auf beiden Seiten. Dabei wäre eine Frage zu klären: Um was genau handelt es sich beim derzeitigen Zustand in der nordamerikanischen Profiliga? Oftmals gehört, oftmals gelesen: Es ist ein Streik. Doch das würde bedeuten, die Spieler könnten spielen, machen dies aber nicht und lehnen die Möglichkeit ab. Also ist es kein Streik, sondern ein Lockout. Nein, auch diese Bezeichnung trifft nicht zu. Denn das würde voraussetzen, dass die Klubs die Spieler aussperren. Das tun sie zwar, aber die Spieler würden auch nicht spielen wollen zu den Konditionen, die die 30 Klubs der Spielergewerkschaft anbieten. Auch wenn die NHL schließlich verkündet hat: Die Pforten bleiben zunächst verschlossen. Die Fronten sind nunmal verhärtet, keiner will nachgeben oder einlenken. Nein, dass die NHL-Saison 2004-05 bisher nicht begonnen hat, hat weder etwas mit Streik noch mit Lockout zu tun. Das, was sich seit Monaten rund um die NHL abspielt, ist ein großes Dilemma, ja, eher noch eine große Dummheit.


Den

gesamten Artikel mit vielen weiteren interessanten Facts&Stats sowie tollen

Fotos von NHL-Spielern in den Trikots der europäischen Klubs lesen Sie in der

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