Straubinger Dummheit bringt Mannheimer PunkteDrei Führungen reichen nicht

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Die Ausfälle der Adler waren verletzungsbedingt, bei den Tigers fehlten die Spieler überwiegend krankheitsbedingt und auch die, die spielten, waren zum Teil nicht wirklich fit. Straubings Coach Larry Mitchell sagt über die Ausgangssituation: „Wir wussten eigentlich den ganzen Tag nicht, wie viele Spieler wir zur Verfügung haben. Die halbe Mannschaft ist krank, einige konnten nicht spielen. Ich denke, die die da waren, haben alles gegeben. Wir haben Mannheim sicher alles abverlangt.“ Muntere Mannheimer hatten den leicht besseren Start und spielten die Anfangsminuten mit viel Tempo. Doch nach und nach erarbeiteten sich die Hausherren Vorteile und kamen durch Tommy Brandl nach einem schnell vorgetragenen Angriff zur Führung. Wenig später scheiterte Mike Hedden mit einem Penalty an Youri Ziffzer, den Kevin Maginot verursacht hat. Doch auch trotz dieser ausgelassenen Chance kamen die Niederbayern zu ihrem zweiten Treffer. In Straubings Paradedisziplin, dem Powerplay, benötigte Mike Hedden nur acht Sekunden. Mannheim ließ aber nicht nach und legte zu. Eine Straubinger Strafe konnten die Kurpfälzer zwar nicht nutzen, aber kurz nachdem die Tigers wieder vollzählig waren, zauberte Brent Raedeke den Puck in den Slot und dort bedankte sich Garrett Festerling mit dem Anschlusstreffer zum ersten Pausenstand. Mannheims Coach Sean Simpson meint: „Wir waren schnell 0:2 in Rückstand, aber wir haben zurückgekämpft und haben ein gutes Tempo gespielt.“

Das Mitteldrittel stand eigentlich im Zeichen der Gäste, die dieses über weite Strecken dominierten. Trotzdem blieben die Hausherren im Rennen und gingen durch zwei Tore von Jeremy Williams sogar zweimal in Führung, wobei die Gäste kräftig Schützenhilfe leisteten. Daniel Sparre legt an Straubings blauer Linie lang und Maury Edwards läuft auf und davon. Sein Pass zur Mitte findet aber den falschen Spieler. Doch das Glück hielt an und der Puck springt Williams in den Laufweg, sodass dieser freie Bahn hat. Doch auch die Mannheimer hatten mit Matthias Plachta einen doppelten Torschützen, einmal davon trifft er sehenswert im Fallen. Zudem ließ der ansonsten eher für das Grobe zuständige Denis Reul einen platzierten Schuss in Straubinger Netz fliegen. Bei Drittelende stand es also 4:4 unentschieden.

Die letzten 20 Minuten begannen mit einer Überraschung. Youri Ziffzer musste sein Tor verlassen und der 18-jährige Mirko Pantkowski übernahm. Routinier Christoph Ullmann lobt den Youngster: „Wir freuen uns riesig für unseren Torwart. Erstes DEL-Spiel gemacht und 40 Minuten bei minus vier Grad draußen sitzen, das ist nicht leicht, das hat er ganz toll gemacht.“ Doch anstatt die Tigers das nutzen konnten und den unerfahrenen Goalie mit Schüssen eindecken, war bei den Hausherren die Luft raus. Bis auf eine niederbayerische Doppelchance lief das Spiel nur noch in eine Richtung. Man merkte nun deutlich, dass sich viele nicht fit und angeschlagen waren. Den Gästen war das ziemlich egal. So sagt Christoph Ullmann: „Wir versuchen, unser Spiel durchzuspielen, immer mit viel Schwung und Tempo. Was dann der Gegner macht, ist dann nicht unsere Sorge Wir versuchen, dass wir 60 Minuten auf dem Gaspedal bleiben.“ Die Hausherren mussten mit allen Krallen verteidigen. Doch etwas mehr als drei Minuten vor dem möglichen Punkt nahm das Schicksal seinen Lauf. James Bettauer meint: „Die 3:5-Unterzahl drei Minuten vor Ende war natürlich der Knackpunkt.“ Larry Mitchell erklärt: „Das, was die letzten drei Minuten passiert ist: Mir fällt im Moment vieles ein, aber wir berauben uns selber, wenn wir im offensiven Drittel - “ er bricht den Satz ab und sein leerer und enttäuschter Blick geht in die Runde. Dann meint er weiter: „Und die zweite Strafe hat die erste getoppt.“ Ein klares und völlig unnötiges Beinstellen in der neutralen Zone. Mitchell meint: „Mannheim hat das Richtige getan. Es ist schade für die, die gekämpft haben.“ Mannheim spielt es ruhig aus und Chad Kolarik sorgt für die Entscheidung. Sean Simpson sagte: „Eine Minute vor Schluss haben wir einen `Lucky Punch´ gehabt. Mit zwei Strafen gegen Straubing haben wir das Glück ein bisschen auf unserer Seite gehabt.“ Bei Spielende gab es ein wütendes Pfeifkonzert – gegen die Schiedsrichter. Denn nach Ansicht der Fans ließen sie kurz vor dem entscheidenden Tor zwei Aktionen der Mannheimer ungeahndet. Fehlentscheidung? Vielleicht. Doch Straubing hatte es zuvor selbst in der Hand. Man war dreimal in Führung und hat 26 weitere Schüsse nicht im Tor untergebracht. Darum meint Larry Mitchell: „Letztendlich muss man sagen, dass durch unsere Dummheit Mannheim das Spiel verdient gewonnen hat.“

Sean Simpson meint zum Schluss: „Es war ein spannendes Spiel und sehr kalt in der Halle. Aber allgemein sind wir zufrieden.“ Christoph Ullmann hat in Straubing immer Spaß, mit dem heutigen Sieg natürlich erst Recht: „Es war ein enges Spiel. Es man immer unglaublich viel Spaß in Straubing zu spielen, weil die Atmosphäre hie super ist. Vor allem wissen wir, wenn man in den Wintermonaten hinkommt, dass es sehr kalt ist, dass es für Mannschaften die aus größeren, wärmeren Hallen kommen doch unangenehm ist. Und so war das Spiel heute auch.“

Tore: 1:0 (7.) Thomas Brandl (Mike Hedden, Dylan Yeo), 2:0 (12.PP) Mike Hedden (Derek Whitmore, Maury Edwards), 2:1 (14.) Garrett Festerling (Brent Raedeke, Christoph Ullmann), 2:2 (30.) Matthias Plachta (Sinan Akdag, Kevin Maginot), 3:2 (32PP) Jeremy Williams (Scott Timmins, Sean Sullivan), 3:3 (34.) Denis Reul (Nikolai Goc, Chad Kolarik), 4:3 (39.) Jeremy Williams (Maury Edwards), 4:4 (40.) Matthias Plachta (Nikolai Goc, Christoph Ullmann), 4:5 (59.PP2) Chad Kolarik.

Schiedsrichter: Marcus Brill, Benjamin Hoppe; Linienrichter: Vladislav Gossmann, Lubos Thür

Strafen: Straubing 6 +10 Yeo +10 Hedden; Mannheim 6 +10 Richmond.

Zuschauer: 4.917.