Straubing Tigers feiern Schützenfest gegen KölnDie verrückteste Show auf Kufen

Fredrik Eriksson gab sein Comeback bei den Straubing Tigers. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)Fredrik Eriksson gab sein Comeback bei den Straubing Tigers. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)
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Im Mittelpunkt standen zunächst drei Spieler. Straubings Verteidiger Freddy Eriksson feierte sein Comeback und die Kölner Simon Després und Colin Ugbekile ihren Einstand. Der 19-jährige Ugbekile war mit vier Wechseln und etwas über zwei Minuten Eiszeit dabei erwartungsgemäß am unauffälligsten. Simon Després hatte ein solides erstes Spiel und musste gleich richtig ran. Fast 20 Minuten machte er, weil er auch Über- und Unterzahl spielen durfte. Dafür gab es auch von Kölns Kapitän Mo Müller Lob: „Er hat heute ein gutes Spiel gemacht. Er wirkte sehr ruhig an der Scheibe und sehr routiniert.“ Auch Freddy Eriksson konnte zufrieden sein. Er kam mit rund 16,5 Minuten noch nicht auf die Eiszeit von vor seiner Verletzung, trotzdem war er einmal mehr ein wichtiger Baustein. Das meinte auch Jeremy Williams: „Er hat gleich wieder ein gutes Spiel gemacht. Hat es einfach gehalten. Er ist wichtig für uns. Er ist smart, spielt einen tollen ersten Pass, bringt das Spiel ins Laufen und ist natürlich defensiv stark. Wenn er dabei ist, hilft er uns definitiv.“ Er vergisst dabei aber Stephan Daschner nicht, der Erikssons Position übernahm: „Es ist zwar ein kleiner Unterschied, ob oben ein Linker oder ein Rechter steht, aber das hat Daschi super gemacht.“

Wild-West-Eishockey

Straubings Coach Tom Pokel meinte: „Ich denke, weder Dan noch ich sind zufrieden mit dem ersten Drittel.“ Kölns Dan Lacroix sagte: „Das war ein verrücktes erstes Drittel, in dem das Momentum immer wieder die Seite wechselte. Beide Teams kamen zurück und nutzen ihre Chancen.“ Satte sechs Tore gab es im ersten Abschnitt zu bestaunen, wobei man sich diese gerecht teilte. Doch mitunter waren das schon Fehler zum Haareraufen. Den Dicksten leisteten sich dabei sicher die Staubinger Jeff Zatkoff und T.J. Mulock, die es irgendwie schafften, die Scheibe zum Kölner Frederik Tiffels zu bringen. Aber man sah auch schicke Kontertore, wie das von Jeremy Williams und abgefälschte Treffer, wie den von Kael Mouillierat. Es war also für jeden was in einem intensiven Eröffnungsdrittel dabei. Dabei gehörte die Intensität durchaus zum Straubinger Plan. Tom Pokel: „Wir wollten körperbetont spielen. Mit 19 Checks im ersten Drittel war es ein hartes und körperbetontes Spiel.“ Wilde Spiele erlebte Moritz Müller sicher schon: „Ja, auf jeden Fall schon mal so ein Spiel mitgemacht, aber es war nicht das Spiel was wir uns vorgestellt haben. So einen offenen Schlagabtausch wollten wir eigentlich nicht.“

Run and Gun

Wer nun glaubte, dass sich das Spiel im Mitteldrittel beruhigte, der sah sich getäuscht. Williams meinte zu Drittel zwei: „Es war ein hartes Spiel. Wir wollten die Scheibe nicht anhalten, aber das ist nicht immer einfach und da geht schon mal was schief. Daraus entstehen Abpraller. Aber wenn du das Spiel stoppst und langsam machst, ist das auch nichts. Das Wichtigste ist, das wir am Ende gewonnen haben.“ Phasenweise wurde auf beiden Seiten Run and Gun gespielt. Die Fehler wurden dabei aber nicht unbedingt weniger. Diesmal konnten die Gäste auch eine Überzahl nutzen, doch was beim Tor des Straubings Marco Pfleger in Kölns Hintermannschaft los war, bedarf sicher einer detaillierten Analyse. Zwischendurch gab es auch noch einen Minifight. Die einzigen, die sicher jede Menge graue Haare bekommen haben, waren die Trainer.

Straubing nutzt Geschenke

Im letzten Abschnitt stand das Spiel einige Zeit auf Messers Schneide. Köln hatte Chancen zum Ausgleich, doch mit einem Fehlgriff von Gustaf Wesslau hatten die Hausherren erstmals zwei Tore Vorsprung. Wenig später nahmen die Haie zweitgleich zwei Strafen, sodass Straubing volle zwei Minuten doppelte Überzahl hatte. Das nutzte Sven Ziegler, der seinen Vertrag bei den Tigers verlängert hat, um den Sack zuzumachen. Trotz wütender Angriffe kamen die Haie nun nicht mehr zu Zählbarem und der Sieg und die Punkte blieben nach einem wilden Schlagabtausch in Straubing. Waren die Hausherren in der entscheidenden Phase vielleicht einen Tick konzentrierter? Jeremy Williams sieht das nicht unbedingt so: „Es war ein Spiel mit vielen Turnovers, in allen Zonen. Köln hat jede Menge Skills, aber wir haben die Chancen besser genutzt. Ich denke, beide Teams waren auf einem guten Weg.“ Moritz Müller sieht man die Enttäuschung an: „Wir haben es nie richtig geschafft, Kontrolle über das Spiel zu bekommen. Insgesamt haben mehrere Sachen heute nicht funktioniert. Wir waren selten als Fünfereinheit draußen, waren zu weit voneinander entfernt. Das müssen wir ansehen und im Video analysieren.“

Pause zu lange?

Das wurde nach dem Spiel immer wieder angesprochen. Tom Pokel meinte dazu: „Die Pause hat uns gut getan, es war eine gute Trainingswoche, mit schnellem, hartem Training. Aber am hohen Ergebnis sieht man, denke ich, dass die Pause vielleicht ein bisschen zu lange war. Man musste erst den Sand aus dem Getriebe bringen.“ Von Sand will Mo Müller nichts wissen: „Wir hatten eigentlich eine gute Woche und haben uns mit der Anreise hier gut gefühlt, aber haben es einfach nicht umgesetzt bekommen. Wenn die Pause zu lange war, dann höchstens im Kopf. Körperlich haben wir uns alle gut gefühlt.“ Und auch Jeremy Williams meinte zu dem Thema: „Zehn Tage zwischen den Spielen sind schon ungewöhnlich.“ Aber eingerostete Beine spürte auch er nicht. „Ich denke, das war nicht der Fall. Jeder war frisch im Kopf, glücklicher Weise hatten wir den Scoring Touch auf unserer Seite.“

Erste Analyse

Wie jeden Spieltag geben die Trainer wenige Minuten nach dem Spiel ihre ersten Analysen und Einschätzungen auf der Pressekonferenz kund. Kölns Dan Lacroix sagte: „Wir waren gut vorbereitet und hatten einen richtig guten Start ins Spiel. Es gab keinen Punkt, an dem sich ein Team sicher fühlen konnte. Ich denke, vier Tore für uns müssen eigentlich reichen, um das Spiel für uns zu entscheiden, aber Straubing hatte ein paar mehr Schlüsselsituationen und sie waren etwas mehr am Schlittschuhlaufen als wir.“ Straubings Tom Pokel meinte: „Mit dieser Achterbahn heute war es, denke ich, Play-off-Eishockey. Wichtig ist die mentale Verfassung, dass man dran bleibt und fokussiert bleibt. Sieben verschiedene Torschützen zeigen, dass wir als Team spielen und auftreten. Auf jeden Fall waren es für beide Mannschaften drei wichtige Punkte. Wir mussten viel nachjustieren. Das ist ein Kompliment für Dan und sein Team, es war ein taktisches Tauziehen, das hin und her ging. Die Jungs sind hungrig und wollen mehr.“

Tore: 0:1 (5:22) Sebastian Uvira (Simon Després, Pascal Zerressen), 1:1 (11:44) Jeremy Williams (Sena Acolatse, Kael Mouillierat), 1:2 (12:48) Frederik Tiffels (Jason Akeson), 2:2 (14:22) Sandro Schönberger (Mike Connolly), 3:2 (16:04/EA) Kael Mouillierat (Marcel Brandt), 3:3 (17:57) Pascal Zerressen (Austin Madaisky), 3:4 (24:09/PP) Sebastian Uvira (Morgan Ellis, Fabio Pfohl), 4:4 (26:32) Marcel Brandt (Stefan Loibl), 5:4 (30:17) Marco Pfleger (Antoine Laganière, Mike Connolly), 6:4 (46:42) Benedikt Schopper (Antoine Laganière), 7:4 (48:31/PP2) Sven Ziegler (Mike Connolly).

Schiedsrichter: Sirko Hunnius, Daniel Piechaczek; Linienrichter: Andreas Hofer, Marius Wölzmüller.

Strafminuten: 8:12 (2:4, 4:4, 2:4) +10 Brandl.

Zuschauer: 4841.

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