Straubing lässt Worten Taten folgenStraubing – Berlin 6:2

Carsen Germyn bejubelt hier sein erstes von zwei Toren in diesem Spiel. Einen weiteren Treffer hat er vorbereitet. (Foto: Heribert Böckl)Carsen Germyn bejubelt hier sein erstes von zwei Toren in diesem Spiel. Einen weiteren Treffer hat er vorbereitet. (Foto: Heribert Böckl)
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Vor dem Spiel wurde Straubings „Play-off-Monster“ Calvin Elfring geehrt und verabschiedet. Für ihn war es das letzte DEL-Hauptrundenspiel und hätte auch das insgesamt letzte Spiel in Deutschland sein können. Doch sein Team begann von der ersten Minute mit Eishockey in Höchstgeschwindigkeit. Straubings René Kramer sagt: „Wir waren für dieses Spiel bereit. Ich glaube, jeder hat gesehen, dass wir um jeden Zentimeter gekämpft haben. Das war die angekündigte sehr gute Defensivleistung und auch vorne haben wir die angekündigten Tore gemacht.“ Die zunächst beste Chance hatte jedoch Berlins Darin Olver. Doch über weite Strecken waren die Hausherren das bestimmende Team im Eröffnungsdrittel. Hinzu kam ein Geniestreich von Matt Hussey, als er von hinter der Torlinie stehend Rob Zepp an den Schoner schoss und die Scheibe ins Tor fiel. Berlins André Rankel erinnert sich: „Wir haben am Anfang ein unglückliches Tor bekommen und sind dadurch unter Druck geraten.“ Berlin kam erst gegen Ende des Drittels besser auf und hatte einige vielversprechende Gelegenheiten den Ausgleich zu erzielen.

Die Tigers machten nach der Pause da weiter, wo sie vorher aufgehört hatten. Blaine Down und Carsen Germyn fuhren einen Konter und letzter erhöhte den Spielstand. Der Torschütze nahm das so wahr: „Ich habe einen Schuss geblockt und dann war die Scheibe vor mir. Ich bin den Konter gefahren und der Goalie macht das lange Eck zu und hatte dann die rechte Seite offen.“ Berlin nutzte eine Strafe gegen die Tigers, um durch Julian Talbot den Anschluss zu erzielen. Doch keine zwei Minuten später stellte Sandro Schönberger den alten Abstand wieder her. Als kurz darauf Grant Lewis das Spiel im Powerplay auf 4:1 stellte, war Niederbayern kurz vor dem Ausnahmezustand. Auch Lewis beschreibt seinen Treffer: „Ich habe die Scheibe kommen sehen, dann habe ich geschossen. Der wurde aber geblockt und ich habe den Rebound verwertet.“ Was sich so einfach erzählt, war ein Tor des Willens, denn um den Rebound zu erreichten, musste Lewis springen wie einst Boris Becker zu seinen besten Zeiten. Becker kennt Lewis jedoch nicht. „Nein, ich habe keine Ahnung, wer das ist“, sagt er lachend. 36 Sekunden später unterbrach jedoch T.J. Mulock die Feierlichkeiten. Berlin konnte aus einigen Strafen gegen die Straubinger jedoch kein weiteres Kapital schlagen. André Rankel: „Im zweiten Drittel waren wir, glaube ich, die bessere Mannschaft und hatten das Spiel unter Kontrolle. Wir haben es nur nicht geschafft, die Tore zu schießen.“

Im Schlussdrittel hatte Straubing eine 5:3-Überzahl. Das passte Coach Don Jackson wenig ins Konzept und Rankel meint: „Wir hatten zu viel Unterzahl und waren zu undiszipliniert.“ Allerdings packte Rob Zepp einen wahren Monstersafe aus und hielt Berlin im Spiel. Als kurz vor Ablauf der zweiten Strafe sich dann aber Lewis, Down und Germyn durch die Zone der Eisbären zauberten, konnte auch Zepp nichts mehr machen. Den Schlusspunkt setzte René Röthke ins leere Tor, denn Berlins Coach Jackson nahm Zepp sehr früh vom Eis. Röthke „Ich war da schon ein wenig nervös, weil die Scheibe auch sehr geflattert ist, aber am Ende hab ich ihn dann doch rein geschossen.“

Don Jackson sagte über das Spiel: „Wir haben gegen eine harte Mannschaft verloren und haben viele Zweikämpfe verloren. Defensiv müssen wir besser spielen.“ Und André Rankel resümiert: „Straubing hat heute ein gutes Spiel gemacht. Wir hatten zu viel Unterzahl und waren zu undiszipliniert.“ So auskunftsfreudig zeigten sich jedoch nicht alle Gästespieler. Stürmer Florian Busch war zu keinem Kommentar bereit und wies die Anfrage ungehalten zurück.

René Röthke fasst die Begegnung so zusammen: „Das war eine brutale Mannschaftsleitung heute. Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute um jeden Zentimeter Eis gekämpft und wirklich alles gegeben. Von der ersten bis zur vierten Reihe haben alle ihren Job hervorragend gemacht.“ Sein Coach Dan Ratushny fand nach Spielende verständlicher Weise viel Lob: „Wir sind natürlich sehr glücklich mit dem Ende einer harten Hauptrunde. Großes Lob an unsere Spieler. Wir hatte Ende November und Dezember eine Phase in der wir viele Spiele verloren haben, aber waren stark im Januar. Die letzten Wochen haben sich alle verbessert und waren sehr gut im Defensivspiel. Heute hatten wir auch ein bisschen Glück in der Offensive, aber das war ein großer Sieg. Berlin ist eine der besten Mannschaften der Liga, ein Sieg über Berlin ist immer gut fürs Selbstvertrauen.“

Tore:
1:0 03:08 Matt Hussey (Blaine Down, Carsen Germyn)
2:0 21:20 Carsen Germyn (Matt Hussey, Karl Stewart)
2:1 25:59 Jullian Talbot (Barry Tallackson, Darin Olver) PP1
3:1 27:47 Sandro Schönberger (Alex Dotzler, Dustin Whitecotton)
4:1 29:18 Grant Lewis (René Röthke, Benedikt Brückner) PP1
4:2 29:56 T.J. Mulock (Corey Locke, André Rankel)
5:2 46:16 Carsen Germyn (Blaine Down) PP1
6:2 56:38 René Röthke (Karl Stewart, Laurent Meunier) EN

Strafen: Straubing 18; Berlin 18 +10 Constantin Braun
SR: Marian Rohatsch, Florian Zehetleitner; LR: Christian Höck, Pascal Kretschmer
Zuschauer 5.819 (ausverkauft)